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Samstag, Oktober 27, 2007

Gewisse Kreise in Köln ...

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… haben nicht nur dringend geraten, eine Tour durch den chilenischen ALTIPLANO zu unternehmen, sondern gleich einen kompetenten Guide empfohlen. Ihnen sei an dieser Stelle aufs heftigste gedankt – die Landschaft war mehr als spektakulär, die Route in mitunter recht entlegene Winkel oftmals atemberaubend und der Führer durchaus beschlagen …


Auf der ersten Etappe von Arica nach Putre …

… geht’s gleich nach der Provinzstadt ins Tal des Lluta
, einem Fluss, der ganzjährig Wasser führt und viel Grün bis dorthin spendiert, wo sein Wasser Felder berieseln kann. Ein klassisches Beispiel für eine Flussoase mithin – für all diejenigen, denen das Niltal aus der Grundschulzeit noch nicht zu weit entfernt ist …

An den Hängen in Serpentinen rasch auf gut 1.000m geklettert und alles, was feucht ist, hinter uns gelassen, wartet die in bestimmten Bereichen des Sinai ähnliche Landschaft neben großen Steinbrocken auch mit riesigen Kandelaberkakteen auf.

Pro forma finden sich paar Kilometer weiter einige Ruinen in Pukara, aus angeblich präkolumbialen Zeiten; wie auch immer, der Blick aus der Trockenheit in ein Tal mit fruchtbaren, weil bewässerten Feldern, bringt etwas Grün, mithin etwas Gutes für die Augen.

Das kleine Dorf Socorama, etwas abseits der Hauptstraße, leidet zwar nicht unter der allseits grassierenden Landflucht und ist somit „voll bewohnt“, doch lässt sich hier kaum ein Einheimischer blicken – ganz anders als in Peru, wo selbst im entlegensten Kaff, gleich zu welcher Tageszeit, die Hölle los war …

Die unterschiedliche Formation der Landschaft kann einen schon fesseln und eine knappe halbe Stunde vor Putre, dem Ziel der ersten Etappe, sichten wir die mit Neugier erwarteten ebenfalls wild lebenden Verwandten der Vicunas, die
Guanacos, die bereits im Beitrag zum Colca-Canon versprochen wurden. Erheblich größer als ihre zierlichen Schwestern leben sie „nicht ganz so auf der Höhe“ (bis max. 3.500m).

Am frühen Nachmittag erreichen wir einen wichtigen Stützpunkt für Fahrzeug- und Hiking-Strecken –
Putre – trotz der zahlreichen Tourigruppen eine recht sympathische Siedlung, in der sich die mitunter noch nomadisch lebenden (vor zig Dekaden) Aymara auf die Fremden und deren Wünsche traditionsverträglich eingestellt haben …


(Fotos zur
ETAPPE 1 durch den Altiplano)



Die zweite Etappe von Putre zum Salar de Surire …

… wartet nicht nur mit gewissen Höhenrekorden auf, sondern auch mit höchst respektablen Landschaftsformationen, für die kein Mensch etwas kann …
Einige Kilometer hinter Putre beginnt der
Lauca-Nationalpark mit all dem Sehenswerten, das mensch nicht immer zu Gesicht bekommt, weil es einfach zu scheu ist ...

Doch sind das Zwiegestirn von
Parinacota und Pomerape, zwei erloschene Vulkane, durchaus sehenswert; und vor dem Hintergrund der „malerisch gelegenen Lagunen“ Cotocotani und Lago Chungrá holt mensch am Ufer des angeblich höchsten Sees der Welt ob all der erhabenen Natur (und der Höhe) tief Luft …

Die Strecke zum Salar de Surire, einem großen Salzsee, ist staubig und lässt einen nicht zur Ruhe kommen, sind doch die An- und Ausblicke grandios. Und die Thermalquellen von Polloquere, in deren unmittelbarer Nähe wir unser Lager aufschlagen, verbreiten nicht nur Schwefel, sondern auch warmes Wasser … Und Flamingos schimmern hier ebenfalls rosa in der salzhaltigen Gegend.


(Fotos zur
ETAPPE 2 durch den Altiplano)



Die dritte Etappe vom Salzsee zur Grenzstadt Colchane …

… bringt uns nach einer eiskalten Nacht im Zelt (minus 6 Grad, das Wasser im Vorratsschlauch war gefroren) und einem morgendlichen Bad (Ja, wir sind Warmduscher …) einmal mehr durch höchst unterschiedliche Landschaften von Halbwüste bis Hochweide, in denen uns außer einem „einheimischen Fahrzeug“ nichts und niemand begegnet – also nur Gegend …


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Verständlich, dass viele Orte komplett verlassen sind und die ehemaligen Bewohner nur noch an Wochenenden und Festtagen zum Saufen zurückkehren. Nach dem Gelage muss hier niemand aufräumen – und so sieht’s auch aus … OK, wir PFLEGEN unseren kleinen Rassismus!!!

Colchane gehört zu einem der Orte, in dem wir auch unseren ärgsten Feinden nicht wünschen, tot über dem Zaun zu hängen – hier, an der Grenze zu Bolivien, gibt es nicht einmal ein gekühltes Bier als „Bückware“ …
Dafür lädt unsere „einfache Unterkunft“ zu „soziologischen Feldstudien“ über „Umgangsformen der Arbeiter im Baugewerbe fern der Heimat“ ein …


(Fotos zur
ETAPPE 3 durch den Altiplano)

(Fotos zum
Salzsee)



Die vierte Etappe von Colchane nach Iquique …

… führt abseits der Hauptstraße durch ein Stück Pampa zu Riesenkakteen, die stachelig im Geröllboden stehen und von weitem mal eben nett aussehen. Dicht daneben kommt sich nicht nur frau recht klein vor …

Paar Kilometer weiter finden wir in Cariquina einen auf den ersten Blick recht intakten Ort mit gepflegten Häusern und Straßen, Spielplätzen für die jüngeren und älteren Kinder, einem großen Schulgelände … Die Kollegin Schulleiterin, keine Aymara …, öffnet uns die Augen für den zweiten Blick: Abwanderung der „mobilen Familien“ in den UNort Colchane (Polizeistation, ärztliche Versorgung, Verkehrsanbindung an die Großstadt, Höhere Schule etc.). Im Schuljahr 2006/07 besuchten 85 SchülerInnen die Klassen 1 bis 8, in diesem Schuljahr sind es 33 (!), im kommenden rechnet sie mit knapp 20 zu unterrichtenden kids – die regionale Schulverwaltung ist preußisch wie die in Berlin: Aus derzeit acht KollegInnen (davon vier Aymaras) werden wohl …?

Sergio, unser Ab-, Um- und einsame Wege kundiger Guide chauffiert uns auf touristenfernen Pisten bis es nicht mehr anders fährt und wir auf der „Bundesstraße“ das Hochland verlassen, um uns in die „Niederungen der nur noch Wüste“ zu bewegen – gut 190 Kilometer, um von viertausend Metern Höhe auf reichlich tausend zu gelangen, „sanfter Abstieg“ würden Taucher sagen, nur umgekehrt …

Kurz vor der Panamericana lockt der Gigante del Atacama, eine Geoglyphe, und überzeugt nicht nur seiner Größe wegen …

Die verlassene „Salpeterstadt“ Humberstone vermittelt einen Einblick in „gesicherte Arbeitsverhältnisse und –bedingungen“ im Salpeterabbau. Die kleine, in sich geschlossene Stadt mit eigener Währung (damit das erarbeitete Geld auch wieder beim Arbeitgeber landet), war bis in die Sechziger des vergangenen Jahrhunderts Grundlage und Sinn des Lebens für fünfstellige Zahlen an BewohnerInnen … Olle Kalle aus Trier mag uns den Hauch an Zynismus verzeihen …

Den Rutsch nach Iquique durchs Nowhere (Wüste und sonst rein gar nichts) „lockerten“ die Geisterhäuschen für „tödlich verunglückte Verkehrsteilnehmer“ auf. Sie können mit all den „Grabbeigaben“ (vom Reifen auf Felge über hintere Sitzbank bis zum getragenen Schutzhelm in WEIß und dem transportierten – mittlerweile geleerten – Bierkasten) mühelos mit allen Exponaten einschlägiger Museen konkurrieren … Über den „Grabschmuck“ (Vergissmeinnicht bis Rosen aller Couleur und roten Nelken, Fahrzeugmodellen aus Kunststoff und Gedenksteinen, die einem Architekturwettbewerb alle Ehre gemacht haben,) wollen wir erst gar nicht schreiben. Die Pietät verbietet jedes Foto …


(Fotos zur
ETAPPE 4 durch den Altiplano)

(wikipedia zu
Riesenkaktus)

(Fotos zu
Riesenkakteen)

(wikipedia zu
Humberstone)

(Fotos zu
Humberstone)


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