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Samstag, Oktober 27, 2007

Den besten PISCO SOUR ...

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… haben wir (einstimmiges Urteil ohne vorhergehende Grundsatzreden) in Iquique in einem kleinen Restaurant auf der Landzunge Cavancha zu uns genommen, das in keinem Reiseführer erwähnt und daher auch hier nicht genauer lokalisiert wird. Der nächste Sonnenuntergang wird seinen „downer“ schon noch erleben …

… auch wenn er nicht täglich zu beobachten ist, weil der Küstennebel (hier kein alkoholisches Getränk, sondern eine klimatische Erscheinung …) limamäßig die Sonne verhängt.

Die Stadt liegt wie ein riesiger Kuhfladen auf einer schmalen Uferplattform und frisst sich allmählich den Kordillerenrand hoch. Relativ schmale Hauptstraßen, viel Verkehr und noch mehr Abgase vernebeln den ersten Blick. Auf den zweiten, beim Schlendern durch die „Fußgängerzone“ in der Av. Baquedano, wirkt sie dann wie im Reiseführer beschrieben, durchaus sehens- und bis zu einem gewissen Grad liebenswert. Wofür der Denkmalschutz nicht alles gut ist …

Ähnlich wie in Arica sieht man hier mehr Privatautos denn Taxis, entsprechend weniger colectivos. Das Angebot in den Schaufenstern und die flanierenden Menschen zeigen, dass hier Geld steckt – deutlich mehr als in den Städten Perus – und dass hier eine starke Mittelschicht einkaufen geht …
Vielleicht eine Erklärung dafür, dass den Menschen hier zwar nicht die Höflichkeit, doch die Herzlichkeit, die wir überall in Peru wahrgenommen haben, abhanden gekommen ist?
Hier wird man zuvorkommend behandelt, doch nicht „in die Küche gebeten“, um mit Herrn Keuner zu sprechen …
Bisschen (zu-)viel Europa nach den Monaten im nördlichen Nachbarland, doch uns bleibt ja noch ein wenig Zeit zum „Umgewöhnen“ …



(Fotos zu
Iquique)

(wikipedia zu
Iquique)


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Gewisse Kreise in Köln ...

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… haben nicht nur dringend geraten, eine Tour durch den chilenischen ALTIPLANO zu unternehmen, sondern gleich einen kompetenten Guide empfohlen. Ihnen sei an dieser Stelle aufs heftigste gedankt – die Landschaft war mehr als spektakulär, die Route in mitunter recht entlegene Winkel oftmals atemberaubend und der Führer durchaus beschlagen …


Auf der ersten Etappe von Arica nach Putre …

… geht’s gleich nach der Provinzstadt ins Tal des Lluta
, einem Fluss, der ganzjährig Wasser führt und viel Grün bis dorthin spendiert, wo sein Wasser Felder berieseln kann. Ein klassisches Beispiel für eine Flussoase mithin – für all diejenigen, denen das Niltal aus der Grundschulzeit noch nicht zu weit entfernt ist …

An den Hängen in Serpentinen rasch auf gut 1.000m geklettert und alles, was feucht ist, hinter uns gelassen, wartet die in bestimmten Bereichen des Sinai ähnliche Landschaft neben großen Steinbrocken auch mit riesigen Kandelaberkakteen auf.

Pro forma finden sich paar Kilometer weiter einige Ruinen in Pukara, aus angeblich präkolumbialen Zeiten; wie auch immer, der Blick aus der Trockenheit in ein Tal mit fruchtbaren, weil bewässerten Feldern, bringt etwas Grün, mithin etwas Gutes für die Augen.

Das kleine Dorf Socorama, etwas abseits der Hauptstraße, leidet zwar nicht unter der allseits grassierenden Landflucht und ist somit „voll bewohnt“, doch lässt sich hier kaum ein Einheimischer blicken – ganz anders als in Peru, wo selbst im entlegensten Kaff, gleich zu welcher Tageszeit, die Hölle los war …

Die unterschiedliche Formation der Landschaft kann einen schon fesseln und eine knappe halbe Stunde vor Putre, dem Ziel der ersten Etappe, sichten wir die mit Neugier erwarteten ebenfalls wild lebenden Verwandten der Vicunas, die
Guanacos, die bereits im Beitrag zum Colca-Canon versprochen wurden. Erheblich größer als ihre zierlichen Schwestern leben sie „nicht ganz so auf der Höhe“ (bis max. 3.500m).

Am frühen Nachmittag erreichen wir einen wichtigen Stützpunkt für Fahrzeug- und Hiking-Strecken –
Putre – trotz der zahlreichen Tourigruppen eine recht sympathische Siedlung, in der sich die mitunter noch nomadisch lebenden (vor zig Dekaden) Aymara auf die Fremden und deren Wünsche traditionsverträglich eingestellt haben …


(Fotos zur
ETAPPE 1 durch den Altiplano)



Die zweite Etappe von Putre zum Salar de Surire …

… wartet nicht nur mit gewissen Höhenrekorden auf, sondern auch mit höchst respektablen Landschaftsformationen, für die kein Mensch etwas kann …
Einige Kilometer hinter Putre beginnt der
Lauca-Nationalpark mit all dem Sehenswerten, das mensch nicht immer zu Gesicht bekommt, weil es einfach zu scheu ist ...

Doch sind das Zwiegestirn von
Parinacota und Pomerape, zwei erloschene Vulkane, durchaus sehenswert; und vor dem Hintergrund der „malerisch gelegenen Lagunen“ Cotocotani und Lago Chungrá holt mensch am Ufer des angeblich höchsten Sees der Welt ob all der erhabenen Natur (und der Höhe) tief Luft …

Die Strecke zum Salar de Surire, einem großen Salzsee, ist staubig und lässt einen nicht zur Ruhe kommen, sind doch die An- und Ausblicke grandios. Und die Thermalquellen von Polloquere, in deren unmittelbarer Nähe wir unser Lager aufschlagen, verbreiten nicht nur Schwefel, sondern auch warmes Wasser … Und Flamingos schimmern hier ebenfalls rosa in der salzhaltigen Gegend.


(Fotos zur
ETAPPE 2 durch den Altiplano)



Die dritte Etappe vom Salzsee zur Grenzstadt Colchane …

… bringt uns nach einer eiskalten Nacht im Zelt (minus 6 Grad, das Wasser im Vorratsschlauch war gefroren) und einem morgendlichen Bad (Ja, wir sind Warmduscher …) einmal mehr durch höchst unterschiedliche Landschaften von Halbwüste bis Hochweide, in denen uns außer einem „einheimischen Fahrzeug“ nichts und niemand begegnet – also nur Gegend …


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Verständlich, dass viele Orte komplett verlassen sind und die ehemaligen Bewohner nur noch an Wochenenden und Festtagen zum Saufen zurückkehren. Nach dem Gelage muss hier niemand aufräumen – und so sieht’s auch aus … OK, wir PFLEGEN unseren kleinen Rassismus!!!

Colchane gehört zu einem der Orte, in dem wir auch unseren ärgsten Feinden nicht wünschen, tot über dem Zaun zu hängen – hier, an der Grenze zu Bolivien, gibt es nicht einmal ein gekühltes Bier als „Bückware“ …
Dafür lädt unsere „einfache Unterkunft“ zu „soziologischen Feldstudien“ über „Umgangsformen der Arbeiter im Baugewerbe fern der Heimat“ ein …


(Fotos zur
ETAPPE 3 durch den Altiplano)

(Fotos zum
Salzsee)



Die vierte Etappe von Colchane nach Iquique …

… führt abseits der Hauptstraße durch ein Stück Pampa zu Riesenkakteen, die stachelig im Geröllboden stehen und von weitem mal eben nett aussehen. Dicht daneben kommt sich nicht nur frau recht klein vor …

Paar Kilometer weiter finden wir in Cariquina einen auf den ersten Blick recht intakten Ort mit gepflegten Häusern und Straßen, Spielplätzen für die jüngeren und älteren Kinder, einem großen Schulgelände … Die Kollegin Schulleiterin, keine Aymara …, öffnet uns die Augen für den zweiten Blick: Abwanderung der „mobilen Familien“ in den UNort Colchane (Polizeistation, ärztliche Versorgung, Verkehrsanbindung an die Großstadt, Höhere Schule etc.). Im Schuljahr 2006/07 besuchten 85 SchülerInnen die Klassen 1 bis 8, in diesem Schuljahr sind es 33 (!), im kommenden rechnet sie mit knapp 20 zu unterrichtenden kids – die regionale Schulverwaltung ist preußisch wie die in Berlin: Aus derzeit acht KollegInnen (davon vier Aymaras) werden wohl …?

Sergio, unser Ab-, Um- und einsame Wege kundiger Guide chauffiert uns auf touristenfernen Pisten bis es nicht mehr anders fährt und wir auf der „Bundesstraße“ das Hochland verlassen, um uns in die „Niederungen der nur noch Wüste“ zu bewegen – gut 190 Kilometer, um von viertausend Metern Höhe auf reichlich tausend zu gelangen, „sanfter Abstieg“ würden Taucher sagen, nur umgekehrt …

Kurz vor der Panamericana lockt der Gigante del Atacama, eine Geoglyphe, und überzeugt nicht nur seiner Größe wegen …

Die verlassene „Salpeterstadt“ Humberstone vermittelt einen Einblick in „gesicherte Arbeitsverhältnisse und –bedingungen“ im Salpeterabbau. Die kleine, in sich geschlossene Stadt mit eigener Währung (damit das erarbeitete Geld auch wieder beim Arbeitgeber landet), war bis in die Sechziger des vergangenen Jahrhunderts Grundlage und Sinn des Lebens für fünfstellige Zahlen an BewohnerInnen … Olle Kalle aus Trier mag uns den Hauch an Zynismus verzeihen …

Den Rutsch nach Iquique durchs Nowhere (Wüste und sonst rein gar nichts) „lockerten“ die Geisterhäuschen für „tödlich verunglückte Verkehrsteilnehmer“ auf. Sie können mit all den „Grabbeigaben“ (vom Reifen auf Felge über hintere Sitzbank bis zum getragenen Schutzhelm in WEIß und dem transportierten – mittlerweile geleerten – Bierkasten) mühelos mit allen Exponaten einschlägiger Museen konkurrieren … Über den „Grabschmuck“ (Vergissmeinnicht bis Rosen aller Couleur und roten Nelken, Fahrzeugmodellen aus Kunststoff und Gedenksteinen, die einem Architekturwettbewerb alle Ehre gemacht haben,) wollen wir erst gar nicht schreiben. Die Pietät verbietet jedes Foto …


(Fotos zur
ETAPPE 4 durch den Altiplano)

(wikipedia zu
Riesenkaktus)

(Fotos zu
Riesenkakteen)

(wikipedia zu
Humberstone)

(Fotos zu
Humberstone)


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Freitag, Oktober 26, 2007

Samstagnachmittage in Arica ...

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… haben so etwas wie die in ländlichen Regionen unserer Republik: Die Läden sind überwiegend geschlossen und werden nur durch heftiges Klopfen an der Haustür, Stammtischkontakte, Familienbande oder klammheimliches Betreten durch die versteckte Hintertür zugänglich …
Die meisten Reklameschilder sind von den Gehwegen geräumt; somit ist der Blick auf all das, was sich hinter den Hieroglyphen vor den Läden verborgen hat, weitgehend unverstellt und meist recht ansehnlich.

In den Straßen hier findet sich weit und breit keine LAUNDRY – was gewiss nicht daran liegt, dass die Menschen in ungewaschenen Klamotten herumlaufen, auch nicht daran, dass fremdländische Touristen in diese Stadt nicht in den Scharen einfallen wie in Cusco oder Arequipa; schon eher daran, dass sich hier fast jeder eine eigene Waschmaschine leisten kann (warum sonst so viel Reklame für „playstation xy“ und Sony handycams …) und kaum jemand darauf angewiesen ist, sich außer um die eigene, auch um die schmutzige Wäsche anderer Leute zu kümmern …
Dafür fällt die aus peruanischen Orten (oder auch aus denen im Westerwald) bekannte hohe Dichte an Apotheken auf – und in den Apotheken hier, die im Durchschnitt 24 Stunden am Tag geöffnet haben, gibt es nicht nur Aspirin, sondern auch CASH – aus dem Automaten – beides nicht verschreibungspflichtig.
Über Folgen und Nebenwirkungen …

Überhaupt wird hier viel Spielzeug angeboten, gerade auch für Kinder – vom Plüschtier über Puppen, ferngesteuerte Autos etc., alles Dinge, welche die Kleinen in Peru kaum in den Schaufenstern oder an Marktständen zu sehen bekommen, auch nicht in den Innenstädten …

Sonntags ist Arica weitgehend geschlossen. Ein paar kleine Restaurants „für Einheimische“ bieten ihr Mittagsmenü für 1.400 $ an (ja, das Pesoszeichen hat sich den U$ zum Vorbild genommen und anfangs zu gewissen Irritationen beigetragen), in der Fußgängerzone herrscht Totentanz und nur die Apotheken haben geöffnet. Selbst im Fischereihafen mit all seinen „Frischfischbuden“ bleiben die Läden unten.

DIE Gelegenheit also, die Siesta auszudehnen, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu versäumen, und sich so entsprechend auf die nächste längere Tour vorzubereiten …

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(Reiseroute bis Santiago)
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Sonntag, Oktober 21, 2007

"Stadt des ewigen Frühlings" ...

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… lässt sich ARICA nennen – und wir können dem dann uneingeschränkt zustimmen, wenn wir an unsere Eisheiligen denken … Just als wir eintrafen, gab es eine kleinere klimatische
Verstimmung: Die aus Lima bekannte garua, jener Küstennebel, der dort für ein halbes Jahr Sonne und Mond verschwinden und frisch gewaschene T-Shirts nicht trocknen lässt, herrschte auch hier und bescherte uns einen eher „kühlen Empfang“.
Auch das Stadtbild des „historischen Zentrums“ konnte uns nicht so recht erwärmen – fehlte doch der obligatorische zentrale Platz - und hätten die Straßenzüge ebenso in einer grenznahen Kleinstadt New Mexicos liegen können: ein- bis zweistöckige, verschiedenfarbige Schuhkartons mit Billigläden wie in der Karl-Marx-Straße, ein offen verlaufendes Chaos an Stromleitungen und quer aufgehängte Ampeln.

Doch: Die Ampel springt auf GRÜN, keiner fährt – und NIEMAND hupt … Bei ROT wird sogar angehalten. Wer um die Ecke will, setzt den Blinker – und hält sich an die angekündigte Richtung, Zebrastreifen haben einen deutlich höheren Stellenwert als in Berlin …

Abends in der Fußgängerzone erinnerte aber auch gar nichts an „Zone“ – geöffnete Läden mit reichhaltigem Angebot aller Arten von Konsumgütern, entspannt flanierende Menschen, nette Restaurants, in denen aufgeräumte, mehrsprachige Kellner freundlich bedienten. Und als hätten die Aricenas es geahnt, zelebrierten sie gerade an diesem Abend den Carnival del Sol.
In mehr oder weniger traditionellen Kostümen, die auch in Rio nicht unangenehm aufgefallen wären, tanzten, trommelten oder pfiffen sie, wenn schon nicht den ewigen Frühling, so doch die Sonne herbei.

Und hatten Erfolg:
Nach dem Frühstück scheint die Sonne auch in der Fußgängerzone, in der die Einheimischen jeden Quadratmeter genießen. Überwiegend modisch chic gekleidet bummeln sie „in Familie“. Väter schieben Kinderwagen, führen die Kleinen an der Hand oder tragen sie, im Gestell von Storchenmühle, vor der Brust. Man, eher Frau, jeden Alters, zeigt ausgiebig, was sie hat, modebewusst – das hebt auch die Stimmung.
Allerdings ist weiße Haut DIE FARBE.
Anders als selbst noch in Arequipa fallen hier kaum Indigene ins Auge. Es leben hier fast keine „Ureinwohner“ (mehr) – vertrieben?, ausgerottet?, weggezogen??? Der einzige Mensch mit indianischen Zügen scheint uralt und ein wenig daneben. Er sitzt an einer Ecke in der Sonne, spielt indianische Weisen auf einer Panflöte und scheint den Hinweis der Passanten „Verpfeif dich!“ missverstanden zu haben – er spielt schrecklich falsch …


Einige, wenn auch nicht überragende, Sehenswürdigkeiten im kolonialen Sinne bietet Arica
schon: die aus eisernen Fertigteilen zusammengeschraubte Kirche, die niemand anders als Gustave Eiffel konstruiert hat und die in Frankreich angefertigt wurde, das alte Zollgebäude, das er gleichfalls entworfen hat und den Fischereihafen, der mit Pelikanen, Seelöwen und Seebären aufwartet und uns endlich HIER richtig ankommen lässt.

HIER ist eben nicht mehr PERU, und wir werden uns alle Mühe geben (müssen), uns daran zu gewöhnen. Aber wir sind ja noch jung und mit der einheimischen Währung kommen wir bereits weitgehend klar: ausgewiesener Betrag geteilt durch 700 (SIEBENHUNDERT) gleich Betrag in Euro, ganz einfach – die erste Mail, die uns
rechnerisch richtig sagt, wieviel Euro wir hier auf den Tresen legen müssen, um als Millionär angeredet zu werden, ist der Gutschein für einen Drink in Berlin …


(mehr
erste Eindrücke)

(wikipedia zu
ARICA)


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Freitag, Oktober 19, 2007

"Strange country ...

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… this!”, formulierte der Wirtschaftsprofessor aus Michigan und belegte seine Hypothese mit den Ergebnissen seiner Feldstudie, die auch wir alle einhellig bestätigen konnten: ”They don’t have toilet seats, they don’t even have toilet paper but everybody has got a cell phone!“

Auch wenn wir die Brillen mitunter vermisst und über die eine oder andere Kuriosität geschmunzelt oder die Stirn in Falten gezogen haben, dieses Land ist uns oft genug anders (-artig), doch nie fremd und erst recht nicht befremdlich vorgekommen. Na gut, uns war von vorneherein klar, dass wir nicht Sachsen oder die Schweiz bereisten, doch auch in diesen, bis zu einem gewissen Grade deutschsprachigen Gegenden, soll einem ja so manch Verwunderliches begegnen, selbst wenn Meerschweinchen dort nicht auf der Speisekarte zu finden sind …

Peru geht uns auch nach fast zwölf Wochen alles andere als auf den Geist. Und langweilig ist es uns nicht geworden. Im Gegenteil, noch immer entdecken und erleben wir Neues und Spannendes. Kein Grund also, hier die Zelte abzubrechen. Doch so allmählich drängt die Zeit: Schließlich wollen wir nicht durch Chile hetzen, sondern es ebenso genießend bereisen wie seinen nördlichen Nachbarn, den es vorgestern in der WM-Qualifikation mit 2:0 besiegt hat.

Die Geoglyphen und das Bewässerungssystem in der Nazcaebene haben endgültig die historische Gleichsetzung des präkolumbialen Peru mit den Inkas „auf den Müllhaufen der Geschichte“ geworfen und die Errungenschaften indigener Hochkulturen lange vor Kolumbus bewusst gemacht. Mal gespannt, was das europäisierte Chile in dieser Richtung zu bieten hat.

Auch das in jeder Beziehung „weiße“ (!) Arequipa hat sich als sympathische Ciudad Rebelde ins Hirn gegraben: Erst gestern protestierte die Landbevölkerung der Provinz massiv und zahlreich gegen die verlogene Regierungspolitik. Die Transparente mit dem Konterfei Che Guevaras passten zu den Worten, mit denen uns ein Taxifahrer am ersten Tag vom Anlegen der Sicherheitsgurte abhielt: Wir sind hier doch nicht in Cusco oder gar in Lima, amigos!“ …

Voller Erinnerungen an ähnlich liebenswerte Begebenheiten begeben wir uns dann mal über die Grenze …

…und hier unsere
unkommentierte Quintessenz der Fotos zu Peru …
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... sowie (Reiseroute südlich von Lima)


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Donnerstag, Oktober 18, 2007

Volles Programm ...

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… in Nazca , einem Städtchen, das innerorts fast keinerlei Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, außer dem bemerkenswerten Museum ANTONINI, in dem eher unkonventionelle Menschen konventionelle Funde etwas unkonventionell präsentieren –sehenswert also …
Die Sehenswürdigkeiten außerhalb kommunaler Grenzen erschließen sich einem erst nach dem „Pflichtprogramm“ - dem Flug über die „Nazca Lines“ …

Bemerkenswert ist ansonsten, dass der Ort, anders als Arequipa, erst nach 8:00 Uhr a.m. „aufwacht“ und dann neben kulinarischen auch höchst konventionelle Angebote präsentiert …
Bemerkenswert ist auch, dass Fremde hier durch IHRE Straße gehen können, ohne von VerkäuferInnen, BettlerInnen, verkaufstüchtigen Kindern etc. angesprochen zu werden; ebenso bemerkenswert ist, dass alle anderen Straßen und Winkel fest in einheimischer Hand sind und dort berührbare Menschen so über Willis Bart tratschen wie unsereins über deren Angebot an lokalen Feldfrüchten und ob die Preise vertretbar sind ...

Der „Schlepper“, dem wir uns gegen 5:30 h leicht übermüdet nach der Fahrt in der Business Class des Nachtbusses anvertrauten, entpuppte sich als seriöser Vertreter eines kleinen Flugunternehmens, dessen Tickets er verkaufte. Arabisch wie er auf uns wirkte, hätten wir ihm jedes Lastkamel abgenommen - kein Grund also, nicht in einer seiner Cessnas in die Lüfte zu steigen …

Das Gewirr der Linien in der unebenen Landschaft löste der Pilot aus 100m Höhe auch für unsere ungeübten Augen auf. Da die Geoglyphen nicht wie auf den Postkarten
aufgehellt waren, musste man sich durch all die Geraden, Spiralen, Mäander, Trapezoide etc. durchwursteln, um die zwischen 30m und 300m langen Tier- und Pflanzenmotive der zweiten „Schaffensperiode“ auszumachen – höchst beeindruckend, zumal sich die Planer von der Beschaffenheit der Landschaft wenig irritieren ließen und „ihr Ding“ in den Sand oder den Boden setzten.

Nachdem sich die verwirrenden Muster im Kopf ein wenig aufgelöst hatten, ließen wir uns zum antiken Friedhof bei CHAUCHILLA kutschieren. Auch wenn hier kaum noch ein Knochen so liegt
wie vor über 2000 Jahren versenkt, die mumifizierten Körper frei in den restaurierten Gräbern zu sehen, hat nicht nur etwas Voyeuristisches …

In einer Keramikwerkstatt, in der Gefäße und Musikinstrumente wie zu Inkas Zeiten gefertigt wurden, führte uns der Meister den Produktionsprozess grundschulgerecht vor und nannte als entscheidende Unterschiede zwischen früher und heute die Hände, die den Ton formten, und die 1500 Jahre, die dazwischen liegen – einleuchtend.

Mit den Goldgräbern, die nach uraltem Verfahren aus 60 kg Erz gerade mal ein Gramm Gold gewinnen und pro Woche auf acht Gramm kommen, von denen vier wieder durch die trockenen Kehlen rinnen und vier in die Mägen der Familien wandert, wollten wir nicht unbedingt tauschen. Ein Liter GOLD von Ron Cartavio Anejo ist uns da lieber …

Nachmittags brachte uns Jorge in CANTAYOC einen Teil der Bewässerungsanlagen aus der
Präinkazeit näher. Die zum großen Teil unterirdisch verlaufenden Kanäle (geringere Verdunstung) leiten das Wasser aus der Cerra Blanca auf die Felder der Küstenebene. Sie verlaufen mitunter in Serpentinen, um die Fließgeschwindigkeit zu drosseln und sind über ojos, wendelförmige Einstiege, zugänglich. Ein genial ausgedachtes System aus der Zeit unseres frühen Mittelalters.

Höchst bildungsgeschwängert und entsprechend ruhebedürftig bot uns der Cruzeiro in der Comfort Class die gewünschte Bettstatt, die wir in Arequipa morgens zu Frühaufsichtszeiten ganz entspannt verließen.


(
wikipedia zu Nazca-Linien)

(
link zu Karte und Erklärungen)

(
mehr Fotos zu den Linien)

(
wikipedia zur Nazca-Kultur)

(
mehr Fotos zu den Mumien)

(
mehr Fotos zu aqueductos)


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Sonntag, Oktober 14, 2007

In den Schluchten des ...

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… COLCA-CANYONS leben die meisten Familien heutzutage von durchziehenden WanderInnen, weniger von den Grundstoffen zu deren make-up, das aus „dort unten“ angebauten Pflanzen bzw. Parasiten (das Lippenrot der Cochinillas, z. B.) gewonnen wird.

Doch führt der Weg zur Talsohle zunächst einmal von Arequipa ins Altiplano. Und das macht mit 4.200m ü. NN und dem 4.900m hohen Patapampa-Pass seinem Namen alle Ehre. Auf der Strecke durch die Hochebene wird einmal mehr deutlich, dass die Menschen hier nicht unter dem Mangel an Wasser, sondern an dem unter Geldern, öffentlichen Geldern, leiden, die nötig wären, um die Infrastruktur für das Speichern und Verteilen des Wassers zu schaffen. Bis dahin jedoch dominiert vor allem die Viehwirtschaft. Große Lama- und Alpacaherden, sowie deren wilde Verwandtschaft, die vom Körperbau her zarten Vicunas, geben sich gegenseitig das Grasland unter die Hufe.

Die Strecke westlich von CHIVAY wird mit jedem Kilometer spannender und erinnert mit ihren Ausblicken in Abgründe an „alte Tage im Bus“. Von CABANACONDE aus, längst nicht mehr gottverlassen, sondern von Touristen heimgesucht, führt ein Wanderweg, der auch Hauptverkehrsader ins Tal ist, hinab nach CHUCCU. Nach knapp drei Stunden abwärts durchs Geröll empfängt einen 1.300m tiefer der Bergregenwald in einem tropischen Garten, in dem all das wächst, was mensch an Feld- und Baumfrüchten zum Leben braucht.
Die Unterkünfte, von einzelnen Familien bewirtschaftet, sind ausgesprochen basic. Josef und Maria dürften sich hier an alte Zeiten erinnern … Doch uns Jugendherbergserfahrenen aller Altersstufen machen weder fensterlose Betonwände noch Mehrbett“zimmer“ etwas aus, Hauptsache, die Klospülung funktioniert und die einzige Dusche für alle gibt zumindest uns heißes Wasser. Da Komfortverzicht nicht Bierverzicht nach sich zieht, bleibt die Nacht unter Pferdedecken durchaus erträglich.

Der Weg „für diesen Tag“ führt gut 300m oberhalb der Talsohle ziemlich eben am Hang entlang durch Dörfer, die Dank der fremden Nomaden bei weitem nicht mehr so ärmlich wirken wie dereinst in alten Ausgaben von Reiseführern beschrieben. Die Einwohner sind jedoch genauso gastfreundlich und liebenswürdig geblieben. Viele der Terrassen liegen derzeit allerdings unbewirtschaftet und unbewässert in der Sonne.

In SANGALLLY, einer weiteren OASIS dort, wo das Tal zur Schlucht wird, gibt’s im satten Grün nur noch „basic hostals“ mit schönen pools, neben denen sich Schafe, Ziegen, Esel und Kamele herumtreiben. Der Ackerbau lohnt sich nicht mehr, seit die Fremden auch über Nacht diesen Teil des Canons für sich entdeckt haben …

Der Aufstieg über gut 1.200 Höhenmeter geht ob des Gerölls oder der höchst ungleichen Fels“stufen“ gewaltig in die Knochen. Die „Minibar“ am Wegesrand, die im Morgengrauen eine Wegstunde vor Cabanaconde einen heißen Kaffee anbietet, entschädigt für das Stolpern im Schein der Taschenlampe und die Ausweichmanöver bei den Begegnungen mit bepackten Mulis und ignoranten Kühen. Nach dem Frühstück im Ort lassen die Kondore, die im Aufwind majestätisch ihre Bahnen ziehen, das Ziehen in den Oberschenkeln vergessen …

Nicht genug mit den großen Vögeln – die Fahrt im local bus ist eine Nummer für sich. Neben albernden Schülern (-Innen waren nicht an Bord) zwängen sich traditionell gekleidete Frauen mit dicken Bündeln ins Gefährt, um an den einschlägigen Aussichtspunkten ihre Handarbeiten feilzubieten. Daneben schaukeln zwei Frauen zwei drei Wochen alte Lämmer auf dem Schoß – und werden von ihren Nachbarinnen aus dem Dorf wie glückliche junge Mütter begrüßt …

Dem, was gemeinhin als Muskelkater verschrien ist, bereitet ein ausgedehntes Bad in den (40 Grad) heißen Quellen bei Chivay ein Ende, so dass wir von Staub und Zipperlein befreit ins Basislager zurückkehren.



(
mehr Fotos vom Canon)

(
wikipedia zum Colca Canon)

(
wikipedia zu Lamas)

Auch dem zweiten Blick

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… hält zumindest das historische Zentrum von Arequipa ohne Wimpernklimpern stand.
Gewiss, der dichte Straßenverkehr, das sehr geschäftige Treiben in allen Gassen, die bedrängende Enge auf den Gehwegen sind nach „Kurorten“ wie Copacabana oder Kleinstädten wie Puno gewöhnungsbedürftig – doch bewegen wir uns in der zweitgrößten Stadt Perus, nicht etwa im kühlen Norden Deutschlands, sondern in der Ciudad Rebelde, die selbst Vargas Llosa bei all seinem Dünkel nicht als solche (und als seinen Geburts“ort“) verleugnet …

Wie lange ist das her, dass wir dem „Charakter“ und dem Ambiente kolonialer Stadtgründungen das Wort redeten? Auf den noch heute (nach all den Erdbeben) deutlich erkennbaren Kern der Siedlung trifft all das uneingeschränkt zu. Auch wenn nicht immer offensichtlich ist, ob es ein Erdbeben oder ein gutes (fremd bezahltes) Festessen war, das gewisse Bausünden ermöglichte (oder zumindest vereinfachte), das recht große Geviert der spanischen Gründung vermittelt ein relativ einheitliches, geschlossenes Bild einer bereits bürgerlich dominierten Stadt (nee, steht so nicht im Reise-Know-How …, wirkt aber so)

Auch wenn sich nördlich der Plaza vor allem die Wäschereien (hier mit 4 Soles/kg etwas teurer als in Cusco), die tour operator, die Restaurants (von indisch über türkisch -sic!- bis arabisch) und die (oftmals) „besseren“ Unterkünfte drängen, die verbleibenden Himmelsrichtungen gehören dem wirklichen Leben – na gut, und den Banken, die zerbröselndes Gemäuer aus nahezu weißem Vulkangestein (silliar) nicht nur panzersicher machten, sondern auch aufwendig und akribisch renovierten und somit nicht nur den fremden Touristen zur Augenweide hinterlassen.
Iss ja gut, wer um sein täglich Brot betteln muss, interessiert sich weniger für atemberaubende Steinmetzarbeiten an Fensterstürzen, die 300 Jahre alt sind – Neukölln ist fern, Marx’ Verhältnis zwischen Fressen und Moral dennoch gegenwärtig …
Erholsame Ferien allerseits!

Bemerkenswert und angenehm (und so etwas kommt von uns …) ist die Dominanz der Arequipenas (gemeint sind die Einwohner, nicht die Bierkästen) auf der Plaza und erst recht in den Straßen. Die fremden Touristen verlieren sich in der Menge der überwiegend hellhäutigen Einheimischen – und stören kein bisschen, wie wir vernommen haben …
So sehr wir auf die Ausflüge „ins Umland“ gespannt sind, so sehr freuen wir uns auf die „Rückkehr ins Basislager“ …



(mehr Fotos von weißen Steinen)


Montag, Oktober 08, 2007

Jedem Tierchen ...

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… sein Pläsierchen.
Was den Blechkisten in Copacabana recht ist, soll den Haustieren in AREQUIPA billig sein. Zum Jahrestag der Hl. Franz von Assisi segnet der Pfarrer dieser Kirche Vierbeiner, Gefiedertes und alles was dazu gehört. Ob große oder kleine Hunde, Katzen aller Rassen, Meerschweinchen (halten nur bis zum nächsten Familienfest), Kaninchen, Papageien oder Wellensittiche, die Viecher wahren eine Disziplin wie beim Tierarzt. Neutrale Zone vor und IN (!) der Kirche: Hier wird allenfalls gegen die Säulen gepinkelt, nicht jedoch gebellt, gefaucht oder geschrien. Ontogenetisch bedingte Aversionen bleiben zurück gestellt – der heilige Franz hätte seine wahre Freude gehabt. Wir haben allerdings nur hören können, dass der Pfarrer mit den Herrchen und Frauchen, nicht jedoch mit den Objekten der Segnung, kommuniziert hat – vielleicht fängt er ja erst an …

Während die einen auf den Hund gekommen sind und sich die anderen in aller Öffentlichkeit zu ihrem persönlichen Vogel bekennen, versammeln sich die „adultos majores“ ebenfalls in Reichweite des Hl. Franz, um Wege zu diskutieren, ihre miese Altersversorgung ein wenig aufzubessern: Eingaben bei den lokalen und regionalen Politikern werden verlesen, ein Brief an den Präsidenten zur Erinnerungen an Wahlversprechen entworfen und Renten ergänzende Gelegenheitsjobs verteilt.

Auch die Jugend ist auf der Straße und tritt gemeinsam mit ihren LehrerInnen für das Recht auf Bildung, auf Arbeit und auf Zukunft ein. Dass auch in einem Entwicklungsland wie Peru die KollegInnen für mehr Mittel und eine größere Gerechtigkeit in Sachen Bildung auf die Straße gehen – und das am Sonntag (!!!) – mag uns trösten …
Dass diese Demo nicht trocken und spröde, sondern als Fest aufbereitet ist, während dem die SchülerInnen mit ihren LehrerInnen verdeutlichen, was sie alles gelernt haben, trotz der miesen Bedingungen, ist wohl eher peruanisch …

Wenn schon Sonntag, dann auch Kirche, zumindest Konvent: Sta. Catalina, eine Stadt in der Stadt, war eine Augenweide, auch wenn sie, den Hintergrund der Gründung und das Leben der „Insassen“ vor Augen, mentale Kopfschmerzen bereitet …

Samstag, Oktober 06, 2007

Heilig's Blechle

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… wäre das vermessen, dem wochentäglich zweimal stattfindenden Event nur einen Dreizeiler zu widmen, bloß weil die „richtigen Unterlagen“ nicht im Angebot sind, na gut, das Modell des Toyota Bushcampers ist auch nicht zu haben …

Also dann:
Die Segnungszeremonie freitags Vormittags
scheint vor allem die Coletivos zu berücksichtigen, deren elf an der Zahl rückwärts zum Gehweg eingeparkt sind, Platz sparend, weil sich noch einige Pkws und ein Bus in die Runde drängeln.

Aufwendiger als die Segnung selbst sind die Vorbereitungen. Die gesamte Familie, die irgendwie zum Fahrzeug gehört, hat sich festtäglich ausstaffiert und eilt wie eine verschreckte Hühnerschar um das Gefährt – bis Muttern die Sache in die Hand nimmt und zunächst zur Blumenfrau schreitet, die am Straßenrand ihren Stand hat. Dort werden einige Sträuße Gladiolen, nett mit Schilfblättern drapiert, geordert – und kunstvoll an die Rückspiegel des Toyota Transporters gebunden.
Am Kühlergrill fehlt noch etwas? Kein Problem, neben der Blumenfrau bietet jemand bunte Papierrosetten mit Schleifchen an – und Klebeband gleich dazu. Girlanden für die Windschutzscheibe gibt’s dort auch - aus Papier. Wer sich für original Blüten entscheidet, wendet sich – an die Blumenfrau. Die hat alle Hände voll zu tun.

Die VerkäuferInnen von Madonnen aus Blech oder Plastik, Heiligenbildchen aller Art und Kunstrichtungen sowie anderer Devotionalien klagen heute übers Geschäft. Für die Blechkisten braucht’s eher Schärpen für den Innenraum, echte Blütenblätter für den Moment der Segnung (was Hochzeitspaaren recht, sollte Vierrädrigen billig sein), einen Kasten Bier, Cocablätter, Schnaps und Kracher.

Während des Schmücken des Vehikels stellt sich dann rasch heraus, wer es möglicherweise nur fahren darf - und wer nicht nur zu Hause das Sagen (und das praktische Wissen) hat. Deutlich fällt auch auf, wer von den Herren bereits vorgeglüht hat – bei denen fällt die Umarmung von Freunden oder auch die des herbei geschrittenen Paters besonders kräftig aus …

Pater Bernardino, so heißt er im Reise-Know-How, in Wirklichkeit wird er Signore Isaac gerufen und ist angeblich ein begnadeter Hobbymaler, wandelt mit Weihwassereimer von Karosse zu
Karosse, ruft mit ernster Miene seinen HERRN an und bittet um alles, um das man für die Zukunft eines öffentlichen Transportmittels bitten kann. Der Segen wird selbstredend nicht mit der Klobürste versprenkelt, wie kürzlich lästernde Zungen behaupteten, sondern mittels einer großen, weißen, aufgeblühten Nelke – aus Kunststoff …
Nicht nur des Alkoholpegels wegen wird den Fahrern und ihren Familienangehörigen eine voluminöse Weihwasserdusche verabreicht. Wer vergisst, sein Basecap oder seinen Hut zu lüften, dem streicht Pater Isaac die nasse Nelke durchs Gesicht, bevor er ihm die Kopfbedeckung vom Haupt nimmt und ihm mit einer doppelten Ration Wasser einen unvergesslichen Tag bereitet. Ob er die gesamte Zeremonie so teuflisch ernst nimmt, sei dahin gestellt. Jedenfalls akzeptiert er nach Segnung des letzten Gefährts, einem Überlandbus, einen kräftigen Schluck Bier – vergelt’s Gott …
Letzterer dürfte auch mit einem amüsierten Lächeln zur Kenntnis nehmen, dass seines Hirten Beinkleidung aus Röhrenjeans und Jesuslatschen bestehen. Raus aus der Soutane - rein ins Vergnügen …

Nach Isaacs Rückkehr in den Tempel, feiert es sich ungeniert weiter: Die Böller werden
gezündet, sämtliche Bierflaschen geöffnet und zu etwa gleichen Teilen äußerlich (aufs Blech) und innerlich (durch die Speiseröhren der Umstehenden) angewendet, ungekühlt versteht sich – die Wirksamkeit des Segens soll schließlich bereits auf der Heimfahrt getestet werden.





El senor es mi pastor …



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mehr Fotos vor dem Test)

Donnerstag, Oktober 04, 2007

Wenn schon nicht in Rio, ...

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… dann wenigsten am Titicacasee: COPACABANA, die Stadt, deren heilige Jungfrau jener kleinen Kapelle am Strand von Rio den Namen gegeben hat …
Na gut, der Höhenunterschied ist beträchtlich, die Weitläufigkeit des Strandes ebenso eingeschränkt wie der Anblick atemberaubender weiblicher Schönheiten (meint Barbara, Willi hält sich da mal lieber raus …)

Doch es ist tagsüber sehr viel wärmer als in Puno und die täglich strahlende Sonne vermittelt einem das Gefühl: Hier könnte man Urlaub machen – fast so wie am Gardasee …

Die Stadt wirkt deutlich zweigeteilt: Am Strand, vor allem in seinen Bars und Restaurants, sowie in der 6 Agosto, die von der Mole bergauf zur Plaza Mayor führt, wimmelt es von bolivianischen wie ausländischen Touristen. Auffallend die vielen hängen geblieben jungen Europäer, denen nichts anderes einfällt als den allseits bekannten Silberschmuck auf kunstvoll gewebten Tüchern anzubieten. Wenn’s Geschäft gerade mal nicht läuft – meistens – werben sie Hungrige für „ihr“ Restaurant an oder flechten hellblonden Mädels afrikanische Zöpfe.
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Im Rest der Stadt finden sich zwar jede Menge Unterkünfte und Restaurants, doch wenige Fremde. Die treiben sich um die Plaza herum oder stehen in den Warteschlangen vor einer der beiden Banken. Ansonsten sind die Einheimischen wunderbar unter sich. Sie nehmen es einem jedoch alles andere als übel, wenn man in „ihren“ Straßen stromert. Von den Fremden äußerlich, wenn auch nicht monetär, recht unbeeindruckt, bringen sie ihnen mittleres Interesse und größere Freundlichkeit entgegen.

Wenn sie schon im Laufe der Jahrhunderte nicht den Geisterglauben ausrotten konnten, machen sich manche Kirchenvertreter den „Aberglauben“ einiger Einheimischer zu Nutze, um ihre Schäfchen wenn schon nicht zu fesseln, so doch anzuhobbeln: Franziskanerpater Bernardino segnet in Kutte und mit „Holland“ Basecap auf der Tonsur nicht nur ausgiebig neue und neu erworbene Fahrzeuge, sondern auch alle frommen Wünsche, angefangen von dem nach einem Packen US$, einem neuen Auto, endlich einem Baby, bis zu dem nach einem eigenen Häuschen mit der passenden Partnerin drin oder gar einer eigenen Tienda. All diese Träume und Hoffnungen werden dem Geistlichen als Modell (vor der Kathedrale in allen Größen und Ausstattungen gegen geringe Gebühr zu erwerben) neben den Eimer (!) mit Weihwasser gehalten, auf dass der Segen per Klobürste ausgeteilt wird. Wer durch die letzte Prüfung gerauscht ist oder Angst vor der bevorstehenden hat, besorgt sich den entsprechenden Zeugnisvordruck und lässt ihn wässern. Gewiss, die gewählten Worte entbehren möglicherweise deswegen nicht an Schärfe, weil unter all den Geburtsurkunden, Führerscheinvordrucken (gemeint ist die Fahrerlaubnis), Ehe- und Ehescheidungsverträgen keine Urkunde über die vorzeitige Entlassung aus dem Berliner Schuldienst zu finden war. So sabbaticeln wir uns also weiter durch …

Auch auf dem Hausberg, der einen guten Rundumblick in die nahe gelegene Welt ermöglicht, gibt es eine derartige Weihestätte. Allerdings kommt man dort nicht mit dem Fahrzeug hin. Weil’s als Modell etwas anzüglich wirken könnte, bleibt mitunter nur ein kurzer Text als Objekt der Segnung. Und wenn ihn der Regen noch nicht weggewaschen hat …

Eine andere Geschichte ist die der ISLA DEL SOL, ursprünglich Titicachi. Nach mehreren Tagen Inkaabstinenz wurde es Zeit, die „Keimzelle des Inka-Imperiums“ zu durchwandern. Dass diese Insel energiegeladen ist, fiel uns zunächst an den geschäftstüchtigen Bewohnern auf, die aus jeder Hütte ein Hostal gemacht hatten. Später lud ein Schamane am heiligen Stein zu einer inneren Reinigung am Energie spendenden Ort ein und im Hauptdorf, in Yumani, schossen so viele als spätere Unterkünfte erkennbare Neubauten aus dem Boden, dass sich demnächst die Esotheriker aller Länder hier mühelos vereinigen können …
Da uns der Weg das Ziel war, vor allem der Wanderweg über die Bergrücken der Insel, kehrten wir keineswegs enttäuscht zu einem Bier in einem der unzähligen Restaurants im Hauptort ein. Die gut dreistündige Wanderung mit Blick auf die blühenden Kakteen und auf den See entschädigte für alles.







(mehr Fotos von der Stadt und ihren Menschen)

(wikipedia zu Copacabana)

(mehr Fotos zu Segnungen aller Art)

(mehr Fotos zur Isla del Sol)

(wikipedia zur Isla del Sol)


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Dienstag, Oktober 02, 2007

DER See ruft ...

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… und wir eingefleischten Landratten konnten nicht widerstehen, jenem Gewässer, das dreizehn mal größer ist als der Bodensee und zudem noch auf 3.810m Höhe liegt, Tribut zu zollen.


Mit 18 weiteren Reisenden unterschiedlicher Nationalität und höchst unterschiedlichen Alters – wir lagen selbstredend an der Spitze – legten wir früh morgens in Puno ab und erreichten nach knapp einer Stunde die schwimmenden Inseln der UROs.

Diese recht dunkelhäutige Volksgruppe widerstand ewig den Inkas, weil sie sich bereits damals auf ihre künstlichen Inseln zurückgezogen haben (sollen). Heute lebt ein Teil der Nachfahren sicher in festen Häusern auf dem Festland, während die andere Hälfte (weil sie nicht sorgfältig genug abgewaschen hat oder so) eine Zeit lang auf ihren Schilfteppichen Touristen empfangen muss, die den „Lonely Planet“, das „Reise-Know-How“, den „Guide Routard“ oder andere Reiseführer zu Rate gezogen haben …

Bei allem Deppencharakter, nachdem der/die Unglückliche im Ausguck das Touriboot geortet
und angekündigt hat, erfährt mensch durch sachkundige Guides viel über das, was diese Inseln und ihre Bewohner früher einmal ausmachten. Auch heute, wo weder Fischfang noch Vogeljagd das Leben bestimmen, sind Konstruktion und Wartung der künstlichen Inseln den alten Bräuchen unterworfen, die mehr von physikalischen Gesetzmäßigkeiten bestimmt als mysthischem Getue unterworfen sind. Entsprechend saufen diese 900m2 Schilfdickicht auf 50cm dickem Wurzelgeflecht den Naturgesetzen gehorchend gnadenlos ab, wenn nicht entsprechend gewartet ...

Durch den Totora-Gürtel schafft das Boot schließlich den Weg in DEN offenen See. Solange die Ufer noch eine Art optische Begrenzung liefern, macht der Geist fast alles mit. Doch wenn erst einmal die aufeinander zustrebenden Halbinseln passiert sind, liegen die Eilande vor einem wie in einem MEER. Die Wolkenbildung und die Schlieren niedergehenden Regens lassen einen ahnen, wo die Küsten- Uferlinie verläuft …

Am frühen Nachmittag gehen wir auf AMANTANI an Land, wo es ausschließlich private
Unterkünfte mit Familienanschluss gibt. Diese Insel ist mir neun mal fünf Kilometern nicht gerade winzig und wird mit ihren ausgefeilten Terrassenanlagen noch heute landwirtschaftlich genutzt. Ackerbau und Viehzucht sorgen für den Magen, der Tourismus mit seinen Bareinnahmen für die Moral … Letztere hat in unserer liebenswürdigen und bescheidenen Gastfamilie keineswegs gelitten. Wir nächtigten im größten Zimmer, durften die Ruhe des ersten Stocks und elektrischen Strom genießen und wurden nett bemuttert…
Die Küche war einfach, doch schmackhaft, die Gemüsesuppe voller Gemüse, der Tee erweckte Tote und das Omelett hätte jedes Eigelb erblassen lassen …
Dass diese mysthifizierte Insel uns nicht zu Esotherikern machte, soll kein Vorwurf sein, dass sie etwas Mysthisches an sich hatte, kann nicht geleugnet werden.

Beim spätabendlichen Beisammensein mit der lokalen POPGROUP und unseren „Gasteltern“ hatten alle ihren Spaß. Und der südliche Sternenhimmel erinnerte verteufelt an die „Zeit damals down under …“

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Es wirkte wie gelebte Tradition, dass Gäste im Sonntagsstaat empfangen und im Sonntagsgewand an der Mole verabschiedet wurden. Zu Hause war Alltagskleidung angesagt. Es kostete allerdings alle spanischen Überredungskünste, sich zum gemeinsamen abendlichen Beisammensein nicht in lokale
Trachten werfen zu müssen – Ponchos ausgenommen …

Nach einem eiweißhaltigen Frühstück und der Verabschiedung durch unsere Gastfamilien pflügten wir im rechten Winkel durch die Strömung, um nach gut einer Stunde auf TAQUILA zu landen – Tequilla wäre nicht schlechter gewesen …
Der Weg von der Mole zum Hauptort war schweißtreibend und spannend, der Hauptort und seine Plaza enttäuschend …

Dafür ließen uns ein eher ungewollter Rundweg und Pfade durch eingefriedete Felder an kleinen
Gehöften vorbei zu einigen Ruinen (hier war der UM-Weg das Ziel) die Insel und vor allem die Menschen vor ihren Häusern wieder deutlich sympathischer erscheinen. Ansonsten wirkte Taquila derart touristenverseucht, das wir den positiven Zeilen des Reisen-Know-Hows aber auch gar nichts abgewinnen konnten …

Der Abstieg zum Meer war trotz aller angekündigten 500 Stufen relativ einfach zu bewerkstelligen. Die Einwohner mit Bierkästen in ihren Tragetüchern bergauf steigen zu sehen, rechtfertigte den eher hohen Bierpreis – selbst wenn jede Sau (in diesem Fall drei Ferkel) den steilen Weg zum
Hauptort getragen werden musste. Vom Klopapier über Colakästen, von der Matratze übers Wellblech für die Dächer bis zur Packung „pasta“, alles wurde die Treppen hoch geastet. Warum die Kommunen nicht in paar Mulis investierten, blieb uns trotz aller Nachfragen verschlossen. Mensch muss ja auch nicht alles wissen …



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mehr Fotos zu den schwimmenden Inseln der Uros)

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wikipedia zu den schwimmenden Inseln der Uros)

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mehr Fotos zu Amantani)

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mehr Fotos zu Taquile)

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wikipedia zu Taquile)


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