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Dienstag, Oktober 02, 2007

DER See ruft ...

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… und wir eingefleischten Landratten konnten nicht widerstehen, jenem Gewässer, das dreizehn mal größer ist als der Bodensee und zudem noch auf 3.810m Höhe liegt, Tribut zu zollen.


Mit 18 weiteren Reisenden unterschiedlicher Nationalität und höchst unterschiedlichen Alters – wir lagen selbstredend an der Spitze – legten wir früh morgens in Puno ab und erreichten nach knapp einer Stunde die schwimmenden Inseln der UROs.

Diese recht dunkelhäutige Volksgruppe widerstand ewig den Inkas, weil sie sich bereits damals auf ihre künstlichen Inseln zurückgezogen haben (sollen). Heute lebt ein Teil der Nachfahren sicher in festen Häusern auf dem Festland, während die andere Hälfte (weil sie nicht sorgfältig genug abgewaschen hat oder so) eine Zeit lang auf ihren Schilfteppichen Touristen empfangen muss, die den „Lonely Planet“, das „Reise-Know-How“, den „Guide Routard“ oder andere Reiseführer zu Rate gezogen haben …

Bei allem Deppencharakter, nachdem der/die Unglückliche im Ausguck das Touriboot geortet
und angekündigt hat, erfährt mensch durch sachkundige Guides viel über das, was diese Inseln und ihre Bewohner früher einmal ausmachten. Auch heute, wo weder Fischfang noch Vogeljagd das Leben bestimmen, sind Konstruktion und Wartung der künstlichen Inseln den alten Bräuchen unterworfen, die mehr von physikalischen Gesetzmäßigkeiten bestimmt als mysthischem Getue unterworfen sind. Entsprechend saufen diese 900m2 Schilfdickicht auf 50cm dickem Wurzelgeflecht den Naturgesetzen gehorchend gnadenlos ab, wenn nicht entsprechend gewartet ...

Durch den Totora-Gürtel schafft das Boot schließlich den Weg in DEN offenen See. Solange die Ufer noch eine Art optische Begrenzung liefern, macht der Geist fast alles mit. Doch wenn erst einmal die aufeinander zustrebenden Halbinseln passiert sind, liegen die Eilande vor einem wie in einem MEER. Die Wolkenbildung und die Schlieren niedergehenden Regens lassen einen ahnen, wo die Küsten- Uferlinie verläuft …

Am frühen Nachmittag gehen wir auf AMANTANI an Land, wo es ausschließlich private
Unterkünfte mit Familienanschluss gibt. Diese Insel ist mir neun mal fünf Kilometern nicht gerade winzig und wird mit ihren ausgefeilten Terrassenanlagen noch heute landwirtschaftlich genutzt. Ackerbau und Viehzucht sorgen für den Magen, der Tourismus mit seinen Bareinnahmen für die Moral … Letztere hat in unserer liebenswürdigen und bescheidenen Gastfamilie keineswegs gelitten. Wir nächtigten im größten Zimmer, durften die Ruhe des ersten Stocks und elektrischen Strom genießen und wurden nett bemuttert…
Die Küche war einfach, doch schmackhaft, die Gemüsesuppe voller Gemüse, der Tee erweckte Tote und das Omelett hätte jedes Eigelb erblassen lassen …
Dass diese mysthifizierte Insel uns nicht zu Esotherikern machte, soll kein Vorwurf sein, dass sie etwas Mysthisches an sich hatte, kann nicht geleugnet werden.

Beim spätabendlichen Beisammensein mit der lokalen POPGROUP und unseren „Gasteltern“ hatten alle ihren Spaß. Und der südliche Sternenhimmel erinnerte verteufelt an die „Zeit damals down under …“

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Es wirkte wie gelebte Tradition, dass Gäste im Sonntagsstaat empfangen und im Sonntagsgewand an der Mole verabschiedet wurden. Zu Hause war Alltagskleidung angesagt. Es kostete allerdings alle spanischen Überredungskünste, sich zum gemeinsamen abendlichen Beisammensein nicht in lokale
Trachten werfen zu müssen – Ponchos ausgenommen …

Nach einem eiweißhaltigen Frühstück und der Verabschiedung durch unsere Gastfamilien pflügten wir im rechten Winkel durch die Strömung, um nach gut einer Stunde auf TAQUILA zu landen – Tequilla wäre nicht schlechter gewesen …
Der Weg von der Mole zum Hauptort war schweißtreibend und spannend, der Hauptort und seine Plaza enttäuschend …

Dafür ließen uns ein eher ungewollter Rundweg und Pfade durch eingefriedete Felder an kleinen
Gehöften vorbei zu einigen Ruinen (hier war der UM-Weg das Ziel) die Insel und vor allem die Menschen vor ihren Häusern wieder deutlich sympathischer erscheinen. Ansonsten wirkte Taquila derart touristenverseucht, das wir den positiven Zeilen des Reisen-Know-Hows aber auch gar nichts abgewinnen konnten …

Der Abstieg zum Meer war trotz aller angekündigten 500 Stufen relativ einfach zu bewerkstelligen. Die Einwohner mit Bierkästen in ihren Tragetüchern bergauf steigen zu sehen, rechtfertigte den eher hohen Bierpreis – selbst wenn jede Sau (in diesem Fall drei Ferkel) den steilen Weg zum
Hauptort getragen werden musste. Vom Klopapier über Colakästen, von der Matratze übers Wellblech für die Dächer bis zur Packung „pasta“, alles wurde die Treppen hoch geastet. Warum die Kommunen nicht in paar Mulis investierten, blieb uns trotz aller Nachfragen verschlossen. Mensch muss ja auch nicht alles wissen …



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mehr Fotos zu den schwimmenden Inseln der Uros)

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wikipedia zu den schwimmenden Inseln der Uros)

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mehr Fotos zu Amantani)

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mehr Fotos zu Taquile)

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wikipedia zu Taquile)


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