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Samstag, September 29, 2007

Verhagelt ...

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… hat es uns die Tour zu den Grabtürmen der Colla und der Inka nicht, obgleich uns die Schauer deutlich gemacht haben, dass die
Regenzeit bevor steht und in dieser Höhe aus Regen mal eben Eis werden kann. Kölner Kreise haben uns darauf vorbereitet …

Doch passte die düstere Wetterlage mit ihren verwunschenen Lichtverhältnissen hervorragend zu dieser Ruhestätte und ließ sie gewiss mysthischer erscheinen als im Sonnenlicht (keine
Panik, hier ist niemand auf dem Esotrip …)

Aus einem Hügel über dem Umayosee ragen recht unterschiedliche Chullpas, die meisten mit rundem Grundriss, manche aus großen Steinblöcken passgenau zusammengefügt, andere eher wie Trockenmauern aufgeschichtet.
Im Innern je nach Größe eine oder mehrere Grabkammern bergend, waren die Türme Gräber für bis zu 20 Mumien, die in Hockstellung in Nischen bestattet wurden und sich ob der konischen Form des Gebäudes in einer Ruhe“runde“ gegenüber saßen …

Mit den letzten Sonnenstrahlen machten wir uns vom einen Acker, um einen sorgfältig bewirtschafteten anderen aufzusuchen: Im Gehöft einer Aymarafamilie durften wir uns in Ruhe und unter kundiger Führung umsehen.
Was vom ummauerten Geviert her recht beachtlich scheint, birgt in kleinen Einzelhäusern gerade einmal Platz für eine achtköpfige Familie. Ackerbau auf den terrassierten Hügeln und in der von Gräben durchzogenen Ebene sowie Viehwirtschaft (Lamas, Alpacas, Rinder und Schafe) sind das entscheidende Standbein der
Landbewohner. Touristen sind das zweite, das zunehmend wichtiger wird, ohne dass die Bauern auf die täglichen Reisen zum Markt in Puno verzichten könnten.



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mehr Fotos zum Ausflug nach Sillustani)
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Sehr viel beeindruckender ...

… als die Stadt war die Fahrt von Cusco nach PUNO.

Relativ schmale Täler, die von zunächst sanft ansteigenden Rändern eingefasst sind, weiten sich mit zunehmender Höhe und werden später nach den ersten Hügelketten von schroff ansteigenden Bergwänden eingerahmt. Auf den 5000ern liegen Spuren von Schnee; teils sind sie in den Senken unterhalb der Gipfel von Gletschern bedeckt. Viele Bergflanken zeigen jedoch nur noch Spuren der Vergletscherung – globale Erwärmung auch hier …

Etwa zwei Stunden nach Cusco führt die Straße durch die Hochebenen des Altiplano, Weiten wie in Namibia – auf 4100m Höhe. Dörfer finden sich nur vereinzelt, Weiler sind schon zahlreicher, vorherrschende Siedlungsform sind kleine bis mittlere Einzelgehöfte, meist von Baumhecken oder kleinen Wäldchen umgeben. Ansonsten gedeihen in dieser Höhe alle möglichen Mais- und Kartoffelsorten. Die Talsohlen werden für den Ackerbau genutzt, die Steilhänge für die Weidewirtschaft. Wasser fließt jede Menge durch die weiten Ebenen.

Kurz vor Puno, den Titicacasee bereits vor Augen, ziehen sich Be- bzw. Entwässerungsgräben zwischen den Äckern entlang – wie zu Inkazeiten …

Dass die Stadt eine spanische Gründung ist, springt einem nur hin und widerwillig ins Auge,
verschandeln doch Bank- und Verwaltungsgebäude selbst die Plaza de Armas. Auch wenn Fensterformen, Türstürze und „typische“ Balkone kleinere, bürgerliche Kolonialbauten vermuten lassen, sind die Fassaden mit Farben zugekleistert, von Werbeaufschriften und Plakatwänden verstellt und nur noch wenig attraktiv.

Dennoch hat die Stadt mit ihren freundlichen und lebensfrohen Menschen (jeden Tag mehrere Um- und Aufzüge, die von Blechblasorchestern und / oder Tanzgruppen begleitet werden, welche sich keinesfalls mit den religiös motivierten Prozessionen ins Gehege kommen – jedem seinen Heiligen, ob Cusquena oder Franz von Assisi) etwas ausgesprochen Liebenswürdiges.

Und paar nett zurecht gemachte Hinterhöfe, in denen man
der erstgenannten Heiligen frönen kann, gibt’s auch …


Neben den „üblichen“ Museen lockt das der M.S. YAVARI an eine Mole im Titicacasee. Das ehemalige Kanonenboot erinnert entfernt an den Spleen des Sr. Fitzcaraldo, weiß jedoch britische Ingenieure hinter der Idee: In Großbritannien zunächst komplett gebaut, dann in Einzelteile zerlegt, die nach ARICA geschippert wurden, per Zug nach TACNA gelangten, auf Muli- und Menschenrücken ins Altiplano transportiert und am Titicacasee wieder zusammengesetzt wurden, pflügte das Schiff jahrzehntelang durch das höchste schiffbare Gewässer …




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(mehr Fotos zu Puno)

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wikipedia zu Puno)

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mehr Fotos zur M.S. YAVARI)

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Link zu M.S. YAVARI)

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wikipedia zum Titicacasee)


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Mittwoch, September 26, 2007

Auch wenn ...

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… die Tagestemperaturen spätherbstliche mitteleuropäische Werte angenommen haben, die nahende Regenzeit ihre Wolken und Schauer vorausschickt und wir der fugenlos gefügten Steine und Steinblöcke der Inkamauern so allmählich überdrüssig werden, Cusco hat was …

Sicher, im Umkreis von 300m um die Plazoleta San Blas, „unserem Quartier“, ist die Dichte an Unterkünften fast aller Preiskategorien, an Bars, Cafés, zu allen Essenszeiten gähnend leeren Restaurants mit „typical Inka Food“, an Kunstgalerien (wobei die Diskussion über Kunst nicht bei dem Stück Butter, das an der Decke klebt, anfangen muss), an Internetcafés und Wäschereien, die einem ohne Aufpreis das Kilo gebügelt nach Hause liefern, so hoch, dass einige Seiten im Telefonbuch mühelos mit den Anschriften zu füllen wären. Doch zwischen all diesen Segnungen des Tourismus gibt es richtige Wohnungen, in denen richtige Cusquenos leben. Außerhalb dieser Bannmeile, hügelaufwärts, beginnt dann „das wirkliche Leben“ – Wohnhäuser, kleine Werkstätten, Kleingärten, in denen nicht nur die Wäsche zum Trocknen hängt.

Vor dem Templo San Blas bieten Andenkenverkäufer ihre Schätze an. An der Ecke der Cuesta San Blas posieren Frauen aus Chinchero mit einem reich geschmückten Lama fürs Foto. Wem die Bäuerinnen in ihrer Tracht zu faltig sind, knipst die mitgebrachten Töchter oder Enkeltöchter, aus deren Tragetücher paar putzige Welpen oder ein Zicklein schauen; dos Soles per Foto …
Gegenüber gart jemand Maiskolben und brutzelt Maisplätzchen. Paar Schritt weiter bergab, an der Sackgasse, verkauft wer Süßkrams und alle denkbaren in Plastikflaschen abgefüllten nichtalkoholischen Getränke. Vor drei Wochen haben ein paar zugereiste Didgeridoospieler und ein Jongleur seinen Standplatz eingenommen und ihn für einen Abend seiner Geschäftsgrundlage beraubt. Seitdem bietet er seine Genüsse bereits am frühen Nachmittag an, wenn die Freaks noch schlafen. Sie wurden seitdem dort nicht mehr gehört …
Einige Hauseingänge sind fest in den Händen einer vierköpfigen Familie, die aus Schuhkartons heraus Halbedelsteine verkauft. Der achtjährige Spross garantiert, dass jeder seiner Kristalle ein Glücksbringer sei. Vielleicht wäre er in der Schule besser aufgehoben. Vielleicht, denn er eilt zum Münztelefon, um mit seiner Mutter die unterste Preisgrenze auszuhandeln und danach dem interessierten Touristen das Wechselgeld auf den Centavo genau herauszugeben. Außerdem liest er die Schlagzeilen des lokalen Revolverblattes, oder schaut er sich vielleicht nur die eindeutigen Bilder an? Vielleicht eben …
Die junge Mutter, die paar Gehwegstufen tiefer an der Hauswand lehnt, streckt uns noch nicht mal resigniert ihre Finger entgegen, auf denen handgestrickte bunte Fingerpuppen stecken. Wir sind heute schließlich bereits dreimal an ihr vorbei gegangen, ohne großes Interesse zu zeigen. Doch sie erwidert unseren Gruß und unser Lächeln.
Nur der Kurze neben dem Eingang zu einer Tienda, in der eine alte Frau genau das verkauft, was er in seinem Bauchladen anbietet, ist neu hier.

Spätestens an der Kreuzung Choquechaka tauchen die ersten fliegenden Kunsthändler auf, öffnen die in Ziegenleder gebundenen Sammelmappen und präsentieren Malereien, Drucke und Zeichnungen mit „My own work!“. Paar Blocks weiter werden haargenau die gleichen Sammelmappen mit haargenau den gleichen, wenn auch anders sortierten, Kunstwerken mit haargenau den gleichen Worten präsentiert.
In der Gasse weist ein älterer Herr auf den berühmten zwölfkantigen Stein in der Mauer hin und hofft auf einen Sol. Gegenüber lehnt ein als Inka gedresster Goldhelm – seine Gesichtszüge scheinen höchst authentisch – und posiert fürs Foto.
Wer immer die Leute hier darauf gebracht haben mag, dass mit Fußzonenreflexmassage oder Reikianwendungen Geld zu verdienen sei, er hat dafür gesorgt, dass einen auf einem Abschnitt von 50m mindestens zehn Mädels oder Jungs auf Massagen ansprechen. Sollten sie nicht erfolgsgebunden honoriert werden, sondern fürs Abstehen der Zeit, hat Reiki wenigstens diesem winzigen Teil der Menschheit einen Segen gebracht …
Paar Schritte weiter Richtung Plaza halten uns die immer gleichen Anwerber die immer gleichen Speisekarten der immer gleichen Restaurants mit dem immer gleichen Erfolg unter die Nase - „No gracias!“ - und antworten mit den immer gleichen Scherzen. So kommt jeder auf seine Kosten.
All diesen Menschen ist gemeinsam, dass sie versuchen, etwas zu ihrem Lebensunterhalt beizutragen, so aussichtslos manche „Gewerbe“ auch in unseren Augen scheinen mögen. Hier gibt keines der Kinder als Beruf des Vaters „Sozialamt“ an …

Die Plaza de Armas, DER Anziehungspunkt für Touristen, ist keineswegs in ausländischer Hand; na gut, die umliegenden Bars, Cafés, Restaurants, Galerien, Schmuckläden, Reiseboutiquen und die Stufen zur Cathedral ausgenommen. Doch die Plaza mit ihren Bänken teilen sich Einheimische wie Ausländer. Da wird vorm Springbrunnen posiert, auf den Bänken Zeitung gelesen, für die nächste Übung in der nahe gelegenen philosophischen Fakultät gebüffelt, geflirtet, flaniert oder einfach nur geschäftig vorbei gegangen, nicht etwa geeilt …
Auch wenn die Umsätze und Einkommen in diesem Block überwiegend von Devisenbringern bestritten werden dürften, paar Schritte weiter, in der Avenida del Sol verlieren sich die zahlreichen Fremden unter den weitaus zahlreicheren Qusquenos, die auch Geld ausgeben. Und hinter San Pedro lebt sich’s weitgehend touristenfrei. Egal, wo mensch Einheimischen begegnet, sie sind freundlich, versuchen zu helfen, zeigen sich interessiert wie in all den anderen Orten Perus, die wir bisher bereisten. Doch dass sich diese Haltung auch in der Touristenhochburg Cusco bewahrt hat, freut uns besonders.

Hasta luego, Cusco!!!

Dienstag, September 25, 2007

Wieder voll auf der Höhe ...



Nach gut acht Tagen im Tiefland des Amazonasbeckens (dazu gehört der Rio Alto Madre de Dios im Manu Nationalpark) gewöhnen wir uns einmal mehr an die dünne Luft in Cusco, lecken unsere eher zu vernachlässigenden Wunden, die von Moskitos gerüsselt oder von Sandflöhen gebissen worden sind und be- / verarbeiten unsere Eindrücke und Fotos einer höchst spannenden Tour.

Satt genug gesehen an den steinernen Zeugnissen der Inka entspannten nach dreistündiger Busfahrt (ja, ja, auf einspuriger,
holperiger Schotter- bzw. Kiespiste) die auf einem Bergrücken gemauerten Gräber der Colla-Kultur unseren Blick. Im fernen Puno ist den Meistern das Mauerwerk bautechnisch und ästhetisch noch besser gelungen – wir werden darüber berichten …

Die weiten, eher sanft geschwungenen Täler, bis in die höchsten Hänge intensiv bewirtschaftet, zogen sich bis kurz vor den Pass bei Acjanaco (3500m) und zeugten vom Anbau von Kartoffeln, Gemüse und Getreide. Die keineswegs ärmlichen Häuser der Bauern fielen erst beim zweiten hinschauen auf, hatten sie doch die Farbe der Erde, aus denen sie erbaut waren.
Von nun an ging’s bergab: Auf den nächsten Höhenmetern folgte eine
Graslandschaft, die puna, von wenigen Büschen aufgelockert. Die Hänge fielen steiler ab, die Täler wurden deutlich enger und waren unterhalb von 3000m fest in der Hand des Bergregenwaldes, der wie eine dichte grüne Decke über sie geworfen war. Unterhalb von 700m ließ uns dann der „klassische“ Regenwald nicht mehr los.
Als erste Spezies an exotischem Getier begegneten uns die
Cock of the Rocks, die auch uns Nicht-Birdwatcher begeisterten.
Nach insgesamt zehn Stunden im Minibus schüttelte unsere international besetzte Neunergang (eine pensionierte Kollegin und wir zwei trieben das Durchschnittsalter erheblich in die Höhe) die müden Knochen auf dem Weg zum Boot, das uns in einer halben Stunde über einige Stromschnellen hinweg auf dem Madre de Dios zu unserer ersten Dschungellodge (Rio de Oro) brachte. Pünktlich zum ersten Kerzenschein ließen wir die Moskitonetze über die Betten und uns nach einem guten Nachtmahl hinterher fallen …
Der Lärm, den all die vielen nachtaktiven Viecher im Dicki
cht schlugen, ging im Gemurmel des Flusses und im verbreiteten Schnarchen redlich müder Biospäreninteressierter unter – die relevanten Sphären waren in dieser Nacht deutlich regenerationsbezogen …

Mit den ersten Sonnenstrahlen legten wir, frisch wie der junge Tag, ab und sichteten bald danach die größte Ratte der Welt, ein Wasserschwein. Das arme Tier, sichtlich irritiert, machte seinem Namen alle Ehre und verzog sich schnell wie die Sau ins Wasser. Im Wurzelwerk eines der vielen in den Fluss gestürzten Baumriesen hatte sich ein Faultier zum Verschnaufen auf der Reise von einem zum anderen Ufer zurück gezogen. Ihm wäre es gewiss lieber gewesen, wenn wir es nicht gesehen hätten …
Nachdem wir die Namen all der bekannten und unbekannten Wasservögel (von Kormoranen über Reiher bis zu Ibissen) rauf- und runterbeten konnten, sprich, nach neun Stunden im selben Boot, von einem Stopp in der Verwaltungshauptstadt des Distrikts und einem kalten Bier unterbrochen, landeten wir in der „Blanquillo-Lodge“.

Lager herrichten, Mittagessen fassen und ab ins „Ewige Grün“. Der Dschungel lebt und ist auch tagsüber alles andere als leise. Auf engen Pfaden begegnete uns viel an diversem GRÜN und BUNT, unterschiedliche Arten Affs lachten über und pissten auf uns, Papageien aller Couleur gaben ihren Kommentar dazu. Mit einbrechender Dunkelheit schipperten wir auf einem hölzernen Doppelrumpfboot auf einem ruhigen Altarm und hörten, wie sich der Schichtwechsel im Regenwald vollzog. Nach all den Moskitos, Glühwürmchen, Leuchtkäfern und kaum mehr sichtbaren Vögeln präsentierte unser Guide ein Highlight – er fing mal eben einen jungen Black Caiman. Auf dem Rückweg lockte er dann ganz geschickt einige achtbare Vertreter der Gattung Tarantel aus ihren Löchern. Auf dem Rückweg dann mit dem Gesicht in Spinnweben hängen zu bleiben hatte nur noch einen stark eingeschränkten Vergnügungswert, auch wenn die haarigen VertreterInnen mit Netzen nichts an den Zangen haben …
Das Nachtmahl und der anschließende Tiefschlaf waren mehr als verdient.
Letzterer wurde gegen 4.30 Uhr (übliche Weckzeit) von einem donnernden Brüllen mit abschließendem Röcheln nachhaltig beendet. Das Gebrüll wiederholte sich, bis die zuständigen 12 Kilo Lebendgewicht des Roten Brüllaffen das beanspruchte Terrain gebührend abgesteckt hatten; geklungen hat’s wie ein Barriton aus dem Körper eines Elefanten, doch beide haben hier nichts zu suchen …

Den Vormittag verbrachten wir an einer Aralecke, wo sich die Vögel mit Salzen
und Mineralien eindeckten und uns ob ihrer bunten Farben und ihrer Flugkünste hellauf begeisterten. Besonders die unterschiedlichen Macaws ließen jeden Tuschkasten vor Neid erblassen. Nachmittags ließen wir uns dann auf engen Pfaden von all den Affen verspotten, die uns bis dahin noch nicht zu Gesicht bekommen hatten. Zum Trost durften wir schließlich auf eine Plattform klettern, die gut 40m über dem Boden auf einem Ceibabaum thronte und den Blick übers Blätterdach frei gab. Neben uns tummelten sich Tukane, unter uns vergnügten sich Wasserschweine beim Nachmittagsbad und über uns gab’s keine Affen mehr …

In aller Frühe bepaddelten wir einen anderen Altarm auf der Suche nach den
Riesenottern. Einen bekamen wir mehrmals kurz zu Gesicht, bevor er, uns Touristen überdrüssig, nachhaltig abtauchte. War O.K.
In der folgenden Nacht, eine Bootsstunde flussaufwärts bei Maquisapayoj, die wir auf einer Aussichtsplattform im Schlafsack unterm Moskitonetz an einer Tapirlecke verbrachten, hörten wir laut und deutlich all die körpereigenen Geräusche der Nachbarn, doch ließ sich kein
Tapir blicken. Dafür hüpften uns auf dem Rückweg zum Lager jede Menge Pfeilgiftfrösche über den Weg.


Der folgende Nachmittag gab uns eine Kostprobe von Regen in der Regenzeit. Und dieser Regen übte bloß, wie unser Guide meinte – reichlich Zeit zu einer ausgiebigen Siesta und um all den Schlaf nachzuholen, von dem wir meinten, dass wir ihn versäumt hätten …

Entsprechend fit brachten wir die vier Stunden Bootsfahrt hinter uns, die am Ufer einer Lodge endete, welche ein
zahmes Tapir sein Eigen nennt. Zum Teufel mit durchwachten Nächten, auch ein Privatzoo hat sein Gutes.
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Mit einem Umweg und einem ausgiebigen Bad in heißen Quellen, das unsere ursprüngliche Schönheit vor dem Dschungelexperiment weitgehend wieder herstellte, erreichten wir unsere Ausgangslodge.

Spät am folgenden Morgen, gegen 7.00 Uhr, legten wir die letzte kurze Etappe im Boot zurück, bevor uns zwölf Stunden später der Straßenlärm Cuscos um die Ohren schlug.
Nach einer heißen Dusche, die letzte persönliche und Mückenspraygerüche wegspülte, blieben nur noch die tollen Erinnerungen ans Abenteuer im Regenwald …



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mehr Fotos zur Manu Tour)

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wikipedia zu Manu Nationalpark)

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Link zu Manu Nationalpark)

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Link zu Amazontrail; Tourverlauf)

Donnerstag, September 13, 2007

Urlaubseindrücke …

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… aus dem Valle Sagrado de los Incas …
Und was den letzten Nachfolgern präkolumbianischer Kulturen in diesem Landstrich heilig war, sollte uns nicht egal sein, bergen doch deren Zeugnisse gemeinsam mit den An- und Aufforderungen der Landschaft durchaus die Gefahr, aus einem Aktiv- einen HYPERaktivurlaub werden zu lassen.

Nicht ohne Grund haben wir bei der Wahl unseres Urlaubsziels nach dem Trubel am und um den Machu Picchu das nahezu touristenfreie Städtchen URUBAMBA dem lebhafteren, kleineren Ort Ollantaytambo vorgezogen. So logieren wir als einzige Gäste in einem palastartigen Zimmer einer Familienpension einen Steinwurf weit von der Plaza. Die Wirtsleut’ geben sich alle erdenkliche Mühe mit uns, die Tante Emmas, die Mototaxifahrer und die Restaurantbesitzer auch …

Einen Sol per pax (25 Cent) im Colectivo (ca. 25 km) von Ollanta entfernt genießen wir bereits nachmittags die abendliche Ruhe und machen uns morgens wieder auf den Weg zu Ruinen und/oder Landschaft, „Berufs“pendler im Urlaub eben …


Die Ruinen von OLLANTAYTAMBO vermitteln sehr viel stärker den Eindruck einer Festung als Machu Picchu. Ihre ausgebauten Terrassen setzen sich entlang der Hänge jenseits der mächtigen Mauern bis weit in die Seitentäler fort. Auch wenn landwirtschaftlich nicht mehr genutzt, sind sie dank des vor achthundert Jahren ausgeklügelten Be- und vor allem Entwässerungssystems gut erhalten und werden zumindest den Unbilden der Natur noch eine Weile trotzen.
Dem Ort selbst sieht man das städtebauliche Konzept der Inkas deutlich an, bilden doch die Außenmauern der ehemaligen Straßenblocks so gut wie alle die Grundmauern der heutigen Gebäude – die Führung der Gassen ist unverändert geblieben, so wie in vielen Kernen mittelalterlicher Städte Europas.


Den Sonntagsmarkt in WILLOQ besuchten während unseres Herumstromerns gerade mal noch fünf weitere Ausländer (US subjects peruanischer Herkunft nicht eingerechnet …). Aus den verstreut liegenden Weilern und einzelnen Häusern „strömten“ Kind und Kegel herbei, um eigene Erzeugnisse gegen all das einzutauschen, was selbst nicht hergestellt werden kann, vornehmlich Salz, Öl, Toilettenartikel, synthetische Fasern. Tja, und dann ist da noch die chicha, die aus großen Bechern und reichlich genossen wird …
So fremd und nüchtern wir auch waren, die Einheimischen nahmen (es) uns nicht krumm, sondern uns interessiert wahr. Wir „mussten auch nichts kaufen“; es war O.K., wenn wir uns einfach wo dazu setzten. An diesem Ort liefen Tratsch und Informationsaustausch mit uns über die youngsters, die verstanden nämlich Spanisch, ihre Eltern ausschließlich Quetschua …


Eine Viertelstunde Überlandbus (ohne Klassifikation) und paar Taximinuten von Urubamba entfernt liegt MORAY, eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt der Inkas. Windgeschützt, ganztägig der Sonne – oder dem Mond – ausgesetzt und höchst kontrolliert bewässert, waren wohl die Temperaturen in Höhe der unterschiedlichen Terrassenebenen die einzigen vaiablen Parameter. Optimierung der Produktion bereits vor dem Eingreifen der Europäer - klingt doch fast schon wieder vielversprechend für die Zukunft …


Gut dreihundert Höhenmeter tiefer und reichlich sechs Kilometer entfernt tritt unterhalb der Ortschaft MARAS Wasser aus dem Berg, hinter dessen Salzgehalt sich die Nordsee verstecken kann. Angeblich wussten bereits die Inkas gut damit umzugehen, zuzutrauen ist es ihnen, verbürgt angeblich auch.
Heutzutage rackern sich einige Menschen während der „Trockenzeit“ damit ab, das „weiße Gold“, das auch nicht mehr so glänzt wie früher, in heimischen Gefilden (z.B. auf dem Sonntagsmarkt in Willoq) los zu werden. Importprodukte aus Übersee sind qualitativ besser, weil reiner und von den hiesigen Großverbrauchern stärker gefragt …


Es wäre vermessen, die handwerklich künstlerischen Produkte aus Natur- oder Kunstfasern, die sorgsam bearbeiteten Früchte des Feldes, das angebotene Steingut, -zeug, die Steine an sich sowie die unterschiedlichen in Form gebrachten Hölzer generell als Andenkenkitsch abzuqualifizieren. Es findet sich jedoch recht viel desgleichen unter gewiss einigen sehr schönen und edlen Stücken auf der Feria Artisanal, die an drei Tagen der Woche die an und für sich recht nette Plaza de la Constitution in PISAQ in eine Plastikplanenarena verwandelt, die auch so manchem weit gereisten Menschen einen Tunnelblick aufzwingt … Fehlten noch die Geldwechsler und Wucherer und der Zimmermann von vor 2000 Jahren hätte vor dem Haus seines Vaters jede Menge aufzuräumen …

So bleibt uns vom Städtchen eher der höchst angenehme Blick „von oben“ in Erinnerung - und die Vorstellung, wie angenehm es auf uns gewirkt hätte, wären wir an einem marktfreien Tag dort gewesen.

Die Ruinen allerdings haben sich nicht nur ob des anstrengenden Aufstiegs über die Treppen durch die Terrassen eingeprägt. Die Anlage mit ihren Bastionen und den deutlich auseinanderliegenden verschiedenen „Ortsteilen“ ist so völlig anders als alle bisher erlebten Städte und Stätten der Inkas …
Beeindruckend auch die alten Gräber (angeblich 9000 an der Zahl), die talwärts in die senkrechte Wand eines Bachufers geschlagen und deren Öffnungen dann mit Lehmziegeln zugemauert worden waren. Kein Grab allerdings, dass nicht schon längst geöffnet worden wäre und uns während des Abstiegs zurück zu den Plastikplanen an der EWIGEN Ruhe hätte zweifeln lassen …



(Fotos zum Stadtbild von Ollanta)

(mehr Fotos zu Ollantaytambo)

(wikipedia zu Ollantaytambo)

(mehr Fotos zum Sonntagsmarkt in Willoq)

(mehr Fotos zu Moray)

(Fotos zu den Salinen von Maras)

(mehr Fotos zu Pisaq)

(wikipedia zu Pisaq)

(Fotos zu Chinchero)




Sonntag, September 09, 2007

Halb Sechs in der Früh …


… und wir sitzen mit etwa 0,7% der für diesen Tag zu erwartenden Besucher des Machu Picchu gemeinsam am Frühstückstisch.
Diese zwanzig Menschen füllten gerade einen der 25 nagelneuen Daimlerbusse, in denen ab 5:30 Uhr die eher Fußfaulen auf den Berg chauffiert werden. Und hier zeigt sich mal wieder der Unterschied in der Effizienzklasse zwischen privaten und staatlichen Unternehmen (zumindest in Peru …): Geordnete Schlange vorm Ticketschalter, ebenso geordnetes Einsteigen (ohne, dass die Plätze nummeriert wären), ab geht die Post. Gerade ein Bus vor der Nase weggefahren? Kein Problem, die Tür des nächsten öffnet sich, und das Spielchen beginnt von vorn. Super sauber der Bus, auch im Innern, schließlich wird nach jeder Fuhre entmüllt und durchgewischt, in der „Talstation“ erfolgt die Außenreinigung – und die Bezüge der Rückenlehnen hängen jeden Morgen zum Trocknen auf der Leine – beeindruckend …


Noch beeindruckender war selbstverständlich die Stätte der Inkas – zwischen zwei Regentagen zumindest im Trockenen, teilweise im Sonnenlicht. Die wenigen Besucher zu früher Stunde verliefen sich rasch in dem weiten Areal und so kam es zu den hinreichend bekannten Bildern in realiter: viele Mauern, kaum Besucher. So ließ sich das Ganze in seiner gesamten Ausdehnung genießen.

Einmal mehr waren wir sowohl von der Einbettung in die Landschaft, vom Städteplanerischen, als auch von der Architektur und der handwerklichen Ausführung begeistert. Die Anlage in ihrer Weite vermittelte etwas Erhabenes, auch wenn wir nicht die besondere Kraft des Ortes wahrnehmen konnten. Das überließen wir der REIKI-Vertretung aus Sao Paulo, die in lila T-Shirts (wofür steht nochmal LILA?) im Rahmen einer Fortbildung durch die Heiligen Stätten der Inkas streiften – es waren übrigens die 0,7% aus unserem Hotel …

Zum späten Morgen dann füllten sich die Gassen und Terrassen mit den „Bahnfahrern“, die das Programm an einem Tag abwickelten und mit den Trekkern vom Inkatrail. Zum Glück gab’s immer genügend freie Rückzugseckchen.

Am frühen Nachmittag lichteten sich sowohl der Himmel als auch die Reihen der Besucher, und so hatten wir die Steine im Sonnenlicht noch eine Weile für uns (fast) alleine, bevor wir uns zurück ins Tal kutschieren ließen, um durch die Drosselgass zu unserem Hotel zu finden, gerade rechtzeitig, um dem Regen eins auszuwischen.
Neun Stunden Machu Picchu schufen vereint mit einem Bier die solide Grundlage für eine ausgedehnte Siesta…



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(mehr Fotos zum Machu Picchu - nix für die kleine Pause …)

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wikipedia zu Machu Picchu)

Also doch noch …

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… Drosselgass oder Altötting, vielleicht darf's auch Lourdes sein?
Welcher „ideell“ vergleichbare Ort fällt Euch ein, an dem mensch, um aus der Bahnhofshalle in die „freie (und vor allem autofreie) Stadt“ zu gelangen, ein etwa fußballfeldgroßes Areal lokaler ANDENkenverkäufer im Zickzack (so wie bei Aldi, um an die Kasse zu kommen) durchlaufen muss? AGUAS CALIENTES ist halt die letzte Kneipe vor dem Machu Picchu ...

In den oftmals steil ansteigenden Gassen dann die Fortsetzung des Klischees – ein Restaurant, eine Bar, ein Hostal neben dem/der anderen, Tante Emma Läden dazwischen, die den Blick auflockern und den Geldbeutel im Vergleich zu Cusco ums Doppelte strapazieren. Doch ausgesprochen freundliche und hilfsbereite Einheimische – was bleibt ihnen auch anderes übrig, als gute Miene zum sich täglich wiederholenden Spiel der Touristen zu machen - sind genau diese doch ihr einziges Standbein, das von der Rezeption übers Ticketbüro, dem Busunternehmen zur Ruine, dem local guide übers Restaurant bis zurück zur Rezeption (und dem Zugabfertiger am kommenden Morgen) während der Hochsaison schreitet - in der Nebensaison humpelt …
Für das (all-) tägliche Ertragen so vieler „normal schräger“ Auswärtiger bis hin zu denen, die am Bahnsteig kniend einen sonnenbeschienenen Felssturz anbeten oder barfuß die engen Straßen durchwandern und sich jedem noch so runtergekommenen Hund sehr körperlich widmen, sind die „Dorfbewohner“ erstaunlich normal geblieben.

Und das genau freut selbstverständlich Spießer wie uns, dass sich "zurück gebliebene" Eingeborene dem globalen Wahnsinn zwar anpassen, doch (noch) nicht hemmungslos unterwerfen – O.K., O.K., unseren Beitrag zum Wahnsinn thematisieren wir später, ja - alles wieder gut???
Aber wer weiß – unseren ärgsten Feinden rieten wir, ein weiteres Hotel in AGUAS CALIENTES zu errichten, möglichst am Fluss, zwischen Carretera und Bahnlinie oder noch ein Restaurant in der Av. Pachakuteq zu eröffnen. Letzteres käme allerdings nicht umhin, während der „Happy Hour“ (hier während der gesamten Öffnungszeit – die Gäste sollen sich vom Aufstehen bis zum Schlafengehen glücklich wähnen) 5 for 1 Pisco Sour zu kredenzen, um konkurrenzfähig zu bleiben – 4 for 1 ist bereits Standard (verwöhnt wie wir aus Lima sind, haben wir ihn nicht einmal gekostet) …

Bis etwa eine Stunde vor Abfahrt des letzten Zuges Richtung Cusco wirken die Gassen relativ belebt (zum Ausklingen der Hochsaison …): Reisende aller Budgets schreiten, stapfen, humpeln, spazieren, flanieren (…) durch die Straßen, lassen sich in Cafés, Bars, mitunter auch in Restaurants (ohne sie zu überfüllen) blicken, streifen neugierig – oder tun zumindest so – durch die Galerien, Schmuck- und teils wohl sortierten Andenkenläden.

Kurz nach FÜNF dann keuchen die letzten Fußstarken die steilen Treppen zu ihrer Unterkunft hinauf, genießen die Dusche mit garantiert 24 Stunden heißem Wasser (letzteres sollte bei dem Namen des Ortes auch zu keinem Problem führen …) und verteilen sich im Laufe des Abends auf die unzähligen (ich kann’s halt nicht anders, sonst hätte ich „die unendlich vielen“ geschrieben …) Restaurants. Diese gähnen einen gegen 19:00 wie 20:30 Uhr leeeeeer an – und ebenso gestaltet sich der Gesichtsausdruck derer, die darin arbeiten oder die auf der Straße stehen und nach Gästen Ausschau halten. Eine gewisse Überkapazität also? Nicht ganz von der Hand zu weisen, doch darauf zu hoffen, dass „der Markt das schon richtet“, hieße, ans Jüngste Gericht zu glauben – ich halte es da lieber mit Neuss’ „Jüngstes Gerücht“ …

Die Gelassenheit zu erleben, mit denen die unmittelbar materiell Betroffenen dieser, unserem Empfinden nach, Vergeblichkeit des Ausharrens begegnen, macht die Leut’ gleich doppelt sympathisch …!



Freitag, September 07, 2007

Im Nabel der Welt …

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… zu wohnen ist für uns insofern nichts Ungewöhnliches, als bundesweit bekannte Provinzpolitiker nicht müde werden zu behaupten, dass unser erster Wohnsitz im (nicht: in einem …) Nabel der Welt liegt.
Dieser Nabel CUSCO verströmt schon etwas Besonderes, ohne an die bekannten und weniger bekannten heiligen und profanen Stätten der Inka in der Umgebung zu denken – die stehen ab morgen auf dem Programm.

Cusco vermittelt an Flair so gar nichts Provinzielles. Auch wenn der Tourismus ein entscheidendes Standbein sein dürfte und mensch früher oder später an bekannten Plätzen oder in „Insidercafés, -kneipen, -restaurants“ Gesichter wiedererkennt, die einen vor Wochen schon einmal in einem Überlandbus angelächelt haben, die Stadt pulsiert auch jenseits des Fremdenverkehrs.
Die oftmals grandiosen Bauten aus der Kolonialzeit stellen alles bisher in Peru Gesehene schlichtweg in den Schatten. Ob es die Plaza de Armas mit den mächtigen Kirchen ist, die sich gegenseitig den Rang streitig machen, welche wohl „die Schönste am Platz“ ist, die ringsherum „strahlenden“ Häuser der (ehemals) Noblen oder die fast schon erdrückend wirkenden „Inkamauern“ sind, die seit über 500 Jahren jedem Erdbeben getrotzt haben und seit etwa gleichviel Jahren die Grundmauern vieler sakraler wie profaner Kolonialbauten bilden. Auch wenn die Zeit- und Größenrelationen nicht zu vergleichen sind, in den engen Gassen zwischen oft sechs bis acht Meter hohen Mauern aus behauenen, nicht vermörtelten wuchtigen Steinen zu schlendern und im mit Lehmziegeln aufgesetzten ersten Stock Wäsche im Fenster hängen zu sehen, hat schon etwas vom Spazieren zwischen „den Pyramiden“, die durch unterschiedliche Verkaufsstände „aufgelockert“ werden …

Und weil all diese ehrwürdigen Bauten so gar nicht museal geschützt und aufgepeppt sind und der Denkmalpfleger für paar hundert Soles unter Gedächtnisschwund leidet, sondern Tante Emma neben Edeldesignern, der ultimative Touroperator neben der Wäscherei, die in zwei Stunden ohne Aufpreis ins Hotel liefert, hinter diesen Mauern friedlich und alltäglich ihren Lebensunterhalt verdienen (oder auch nicht), kommt keinerlei Disneylandstimmung auf.
Angesichts der vielen Restaurants, Reisebüros und Andenkenläden gibt es schon einige Straßenzüge, die „Drosselgasscharakter“ nicht ganz leugnen können. Eine Seitenstraße weiter, und es riecht kräftig nach Pisse (wie in Rüdesheim), doch es sieht im Straßenbild ganz anders aus …

Klar, dass die Einheimischen sehen müssen, wo sie bleiben, und so finden sich die einschlägigen Gewerbe auch hier: die SchlepperInnen, die für IHR Restaurant nicht nur die beste Küche Cuscos anbieten, sondern auch noch einen „Pisco sour for free“, die AnpreiserInnen der hygienischsten und sanftesten Massageeinrichtung in town (…), die WerberInnen für den most professional tour operator und die unzählbaren indigenas, die ohne Fremdsprachenkenntnisse mit ihrem Lama, farbenprächtig in Szene gesetzt, fürs Foto posieren, handgestrickte Wollwaren aller Art (Fingerpuppen nach klassischen Filmmotiven inklusive) oder halbprofessionellen Silberschmuck aus Trompetenblech gefertigt zum Kauf anbieten oder im handlichen DIN A 4 Format gefertigte Ölmalereien („My own work, amigo!“) präsentieren. Sie könnten einem nach der fünften oder sechsten Begegnung durchaus auf die Nerven gehen (40 Begegnungen dieser Art pro Tag sind keineswegs ungewöhnlich), doch sie können nichts dafür, auch wenn sie wissen, was sie tun, und sie lassen einen nach einem klaren „No me interesse!“ in Ruhe und scherzen auf beiderseitig geholpertem Spanisch über Gott und die Welt (und vor allem sich selbst …). Eine angenehme, völlig aggressionsfreie Atmosphäre, die auch durch die permanenten Sicherheitshinweise der Touristenbehörde nicht getrübt wird – und durch die Realität hoffentlich auch nicht.

„Unser Viertel“, San Blas, gute zehn Fußminuten oberhalb der Plaza gelegen, wirkt auf den ersten Blick wie ein „Künstler- und Touriviertel“, das so auch auf jeder ägäischen Insel zu finden ist – angenehme Hostales, Unmengen an Restaurants, die sich trotz aller bereits am Nachmittag einsetzenden Animationen auch bis zum Abend nicht füllen, viele Galerien, Aussteigerklitschen usw. – doch überall dominiert durch die kleinen Alltagsdienstleistungsanbieter autochthoner Herkunft das wirkliche Leben. Und kaum wird dieses auf den ersten Blick nicht wahrnehmbare „Stadtviertel im Barrio“ verlassen, ändert sich die Welt: reine Wohn- und Gewerbe- / Gewerkeviertel, weniger gepflegte Häuser, kaum noch Sicherheitspersonal in den Gassen - dafür Menschen, die einen unbedarft ansprechen und auch nach dem fünften Satz keinen Silberschmuck anbieten …

Cusco ist schlichtweg spannend – wir kommen wieder!!!



(Fotos vom ersten flüchtigen Eindruck)

(wikipedia zu Cusco)

(Fotos von Saqsayhuaman)

(wikipedia zu Saqsayhuaman)

Montag, September 03, 2007

Fußball statt Fahrplan ...

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… galt zumindest für die Kutscher der zweit(…)klassigen Busgesellschaft „Los Chankas“ (nomen est omen – anders als die Wari waren die Chankas höchst kriegerisch, weniger aufs Feine, Kultivierte denn aufs Knüppel raus und Beutemachen aus, so ein Roede Orm Verschnitt der Anden also), die erst das U 17 Viertelfinalspiel gegen Ghana verfolgen mussten, bevor sie Gleiches den Hochlandrindern auf dem Weg nach CUSCO antun wollten …

Da viele einheimische männliche Fahrgäste von dem Gebolze ebenfalls angetan waren, baute sich ein gewisser Blasendruck auf, der nicht gleichzeitig an den dafür vorgesehenen Orten abgelassen werden konnte. Den Sinnspruch „Wer auf öffentlichen Plätzen uriniert, verdirbt die Kultur“ konterkarierend, waren Reifen wie Felgen, auch die zum Glück noch geschlossenen Klappen zum Gepäckraum des Busses ein beliebtes Ziel – nur gegen die Mauer mit der moralisierenden Inschrift hatte sich keiner gewendet …

Während einer Spielunterbrechung wurde dann auch das Gepäck abgefertigt – angestrullte Klappe auf, Taschen, Futter- wie Kartoffelsäcke und Kartons mit Küken rein, Klappe zu, zurück zum Spiel.

Der Kopilot, offensichtlich nicht ganz so vernarrt, öffnete zehn Minuten vor dem Abpfiff die Pforten und setzte damit das sonst beim Boarding geltende Faustrecht vorübergehend außer Kraft. Die auf der Straße, im Restaurant, in den Hotels oder sonstwo so hilfsbereiten, aufmerksamen, zuvorkommenden und freundlichen Peruaner kennen überall dort, wo mensch sich anstellen, einreihen, eine Schlange bilden muss, keine Brüder. Sie opfern alle Rücksicht einem individualistischen, egoistischen Drang nach vorne – warum auch immer, es werden schließlich keine Bananen verteilt …
Und die Sitzplätze sind auch nummeriert, steht schließlich auf jedem Billet und wird selbst von Illiteraten ohne Diskussion akzeptiert. Warum also unbedingt ERSTER, statt DABEI SEIN? Wir sind ja noch paar Tage hier und setzen unsere Ursachenforschung fort …

Möglicherweise geht’s um die Sicherung des Stauraumes über Kopf. Ein sich stark als Kollege gebärdender (wusste immer alles besser) Peruaner fühlte sich bemüßigt, uns darauf aufmerksam zu machen, dass wir auch die Gepäckablage über SEINEM Kopf mit Beschlag belegt hatten (die daneben war noch frei) – müßig, wussten wir doch schon, hatten den Krempel schließlich selbst dort hin gepackt. So sind sie halt, die Lehrer, weltweit …

Das Ergebnis nach der Regelspielzeit (dem uneuphorischen Einsteigen der Restmannschaft nach zu schließen, hatte Peru verloren) ließ auch die Cockpitbesatzung den Bus erklimmen. Froh, nicht in die Verlängerung oder gar ins Elfmeterschießen zu müssen, hörten wir wie die Triebwerke angelassen wurden – eine Halbzeit nach fahrplanmäßiger Abfahrt ...
Von dem Zeitpunkt an wurde es ruhig und friedlich im Bus. Alle saßen, bis auf zwei. Das waren auf unseren bisherigen zweitklassigen Transporten Heilsbotschafter, Bücherverkäufer oder Tigerbalsam-an-den-Mann-Bringer (auf den Dreh mit dem „Pumafett“ kommen demnächst die patriierten Chinesen …). Diesmal war es ein Zwölfjähriger mit Hasenscharte und sein gleichaltriger Kumpel, die sangen und auf einer großen Muschel Percussion spielten. Leider spielte der Kumpel auf der Muschel …
Ja, ja, Ihr habt ja alle so Recht, das Elend der Armen, vor allem der Kinder - dennoch, ignoriert nicht das der Zuhörer … Und da wir viel dichter dran waren, fiel uns die Anfangssequenz von Monty Python’s „Jabberwocky“ ein …

Gerade mal aus dem Busbahnhof, wurden die „freien Plätze“ mit denen aufgefüllt, die „an den Wegen und Zäunen“ standen ... Und dann ging’s von 2.300m in die Berge – die erlebte Landschaft wird eine andere Geschichte, doch die Schicksalsgemeinschaft im Bus bleibt das Thema.

Da „Los Chankas“ derzeit die einzige Busgesellschaft ist, die tagsüber die Strecke von Andahuaylas nach CUSCO bedient, sind natürlich Hinz und Kunz, Barbara und Willi in diesem Bus unterwegs. Außer Küken, Hasenfutter und Bettgestellen im Laderaum, finden sich entsprechend alle (positiv gemeint, nach all den Entgleisungen) TYPEN im Fahrgastraum. Außer den gringos hat jeder seine besten Klamotten angelegt und, soweit leistbar, gewienerte Schuhe an den Füßen – soll heißen, dass zwar leicht fleckige, doch immer gebügelte weiße Hemden getragen werden, keiner, der nicht gerade vom Acker kommt, hat schmutzige Kleidung am Körper. Das ändert sich leicht, wenn das angekündigte „urinal“ in 4.000m Höhe in den Wolken in feuchtem Terrain liegt. Beim Aufsuchen geeigneter, geschützter Orte nach dem Durchwaten fragwürdiger Rinnsale kehrt frau meist nicht mehr ganz so unbefleckt zurück wie ausgerückt – gewisse Verweigerungshaltungen bedürfen keiner tiefenpsychologischen Erklärung.
Na gut, der Ausblick auf die Landschaft soll laut Reiseführer entschädigen, doch das wird … eine andere Geschichte …

Auf der Strecke wird gar nicht oder an jedem Gartenzaun gehalten, die Bedürfnisse entscheiden, kein Fahrplan. Und wo ausgestiegen wird, wird auch eingestiegen. Mitunter sind es Mitreisende, mitunter auch Frauen und Mädchen, die ihre in heimischer Küche bereiteten Delikatessen den hungrigen Reisenden anbieten. Ob gegarte Maiskolben mit Soße, mit gekochtem Ei gefüllte Kartoffeln, BASF initiierte Gelatinenachspeisen etc., die Ladies tragen das Speiseangebot würdevoll und mit den nötigen Gewürzen auf dem Tablett (oder im Eimer) durch den Bus. Der Nachtischverkäufer – Eis in der Tüte – ist ein junger Mann – Zufall ..?

Zwischendurch, so nach drei durchgehockten Stunden bei atemberaubender vorbeifließender Landschaft, erinnert der Abstand der Sitze an IBERIA und an deren Empfehlungen im Kundenmagazin, einer Thrombose vorzubeugen – allein, es fehlt an Raum … Dafür nimmt mensch nach sechs, sieben Stunden im Gefährt durchaus Körpergerüche wahr, die nicht die eigenen sind, nicht mal mitteleuropäisch anmuten. Auch wenn der Duft der eigenen Füße nicht der beste ist, er ist vertrauter als die Achselnässe des Vordermannes. Und mit Vertautem und Vertrauten lässt’s sich auch unter schwierigen Bedingungen über Jahre gut aushalten, oder ..?

Beim Zieleinlauf in die „Estacion Terrestre“ zeigte Barbara wie leidenschaftslos sie das peruanische Einmaleins des Busverlassens internalisiert hatte: Sie konnte sich gnadenlos ihren Weg über JUNG und ALT auf die 50cm über Bahnsteigniveau angelegte Plattform bahnen – und erstaunte einheimische Gesichter hinter sich gelassen. VIEL GELERNT … WEITER SO!

Samstag, September 01, 2007

911 pfeift nicht mehr, ...

… er kräht jetzt – doch weitgehend Schlaf und Nerv schonend …

Wie er die 260 km Schotterpiste, die unser Bus in ca. 11 Stunden bewältigte, geschafft hat, waren doch drei Pässe zwischen 3.700m und 4.200m Höhe zu überwinden und jene Gefühle, die sich einstellen bei Blicken aus dem Busfenster senkrecht in einige hundert Meter Tiefe (wie
bereits gehabt), ist nicht ganz klar.
Jedenfalls krähte es in der späten Nacht laut und deutlich …

Da ANDAHUAYLAS noch stärker ländlich geprägt ist als die bisherigen Orte nächtlicher Ruhe (-störung), passten die Laute durchaus „ins Bild“. Das Provinzstädtchen ist sicher kein MUSS, außer man MUSS dort übernachten, weil alle Busse hier enden und erst am nächsten Morgen weiter fahren, doch ein recht nettes KANN – und wir konnten.

Uns interessierte mehr das bunte Treiben in den Straßen und auf dem Markt als das einzig erhaltene koloniale Gebäude des Ortes, die Kirche.
Außerdem wurden wir dezent an Schulanfänge und Schulanfangsphasen erinnert. Hier funktioniert noch frühkindliche Bildung in der Institution „Educacion inicial“; ergo zogen die absoluten (Schul-) Bildungsneulinge in Kostümen, die so ziemlich alle historischen Epochen Perus repräsentierten, durch die Straßen zum Kindergarten,angeführt von einer Militärcombo. Erzieher, Mütter und Väter hatten alle Hände voll zu tun, die Kinder auf den rechten Weg zu bringen – und auch die Eltern taten …
Und auch an das Los der Lehrer wurde gewerkschaftlich erinnert …



Mindestens ebenso spannend war die Fahrt im Collectivo über Land zu den Ruinen von SONDOR. Fruchtbare Erde, bestellte Äcker selbst in steilen Berghängen, viel weidendes Vieh auf den abgeernteten Feldern und überall freundliche, grüßende Menschen in den Dörfern.

Zu den Ruinen sind wir ein gutes Stück gewandert, alleine. Und auch in der alten Stadt der CHANKAS waren wir vollkommen ungestört.

Ein Ruhetag zwischen zwei Bussen …


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Fotos zum Vorschulanfang)

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Fotos zu den Ruinen)

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Link zu Chankas)