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Freitag, September 07, 2007

Im Nabel der Welt …

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… zu wohnen ist für uns insofern nichts Ungewöhnliches, als bundesweit bekannte Provinzpolitiker nicht müde werden zu behaupten, dass unser erster Wohnsitz im (nicht: in einem …) Nabel der Welt liegt.
Dieser Nabel CUSCO verströmt schon etwas Besonderes, ohne an die bekannten und weniger bekannten heiligen und profanen Stätten der Inka in der Umgebung zu denken – die stehen ab morgen auf dem Programm.

Cusco vermittelt an Flair so gar nichts Provinzielles. Auch wenn der Tourismus ein entscheidendes Standbein sein dürfte und mensch früher oder später an bekannten Plätzen oder in „Insidercafés, -kneipen, -restaurants“ Gesichter wiedererkennt, die einen vor Wochen schon einmal in einem Überlandbus angelächelt haben, die Stadt pulsiert auch jenseits des Fremdenverkehrs.
Die oftmals grandiosen Bauten aus der Kolonialzeit stellen alles bisher in Peru Gesehene schlichtweg in den Schatten. Ob es die Plaza de Armas mit den mächtigen Kirchen ist, die sich gegenseitig den Rang streitig machen, welche wohl „die Schönste am Platz“ ist, die ringsherum „strahlenden“ Häuser der (ehemals) Noblen oder die fast schon erdrückend wirkenden „Inkamauern“ sind, die seit über 500 Jahren jedem Erdbeben getrotzt haben und seit etwa gleichviel Jahren die Grundmauern vieler sakraler wie profaner Kolonialbauten bilden. Auch wenn die Zeit- und Größenrelationen nicht zu vergleichen sind, in den engen Gassen zwischen oft sechs bis acht Meter hohen Mauern aus behauenen, nicht vermörtelten wuchtigen Steinen zu schlendern und im mit Lehmziegeln aufgesetzten ersten Stock Wäsche im Fenster hängen zu sehen, hat schon etwas vom Spazieren zwischen „den Pyramiden“, die durch unterschiedliche Verkaufsstände „aufgelockert“ werden …

Und weil all diese ehrwürdigen Bauten so gar nicht museal geschützt und aufgepeppt sind und der Denkmalpfleger für paar hundert Soles unter Gedächtnisschwund leidet, sondern Tante Emma neben Edeldesignern, der ultimative Touroperator neben der Wäscherei, die in zwei Stunden ohne Aufpreis ins Hotel liefert, hinter diesen Mauern friedlich und alltäglich ihren Lebensunterhalt verdienen (oder auch nicht), kommt keinerlei Disneylandstimmung auf.
Angesichts der vielen Restaurants, Reisebüros und Andenkenläden gibt es schon einige Straßenzüge, die „Drosselgasscharakter“ nicht ganz leugnen können. Eine Seitenstraße weiter, und es riecht kräftig nach Pisse (wie in Rüdesheim), doch es sieht im Straßenbild ganz anders aus …

Klar, dass die Einheimischen sehen müssen, wo sie bleiben, und so finden sich die einschlägigen Gewerbe auch hier: die SchlepperInnen, die für IHR Restaurant nicht nur die beste Küche Cuscos anbieten, sondern auch noch einen „Pisco sour for free“, die AnpreiserInnen der hygienischsten und sanftesten Massageeinrichtung in town (…), die WerberInnen für den most professional tour operator und die unzählbaren indigenas, die ohne Fremdsprachenkenntnisse mit ihrem Lama, farbenprächtig in Szene gesetzt, fürs Foto posieren, handgestrickte Wollwaren aller Art (Fingerpuppen nach klassischen Filmmotiven inklusive) oder halbprofessionellen Silberschmuck aus Trompetenblech gefertigt zum Kauf anbieten oder im handlichen DIN A 4 Format gefertigte Ölmalereien („My own work, amigo!“) präsentieren. Sie könnten einem nach der fünften oder sechsten Begegnung durchaus auf die Nerven gehen (40 Begegnungen dieser Art pro Tag sind keineswegs ungewöhnlich), doch sie können nichts dafür, auch wenn sie wissen, was sie tun, und sie lassen einen nach einem klaren „No me interesse!“ in Ruhe und scherzen auf beiderseitig geholpertem Spanisch über Gott und die Welt (und vor allem sich selbst …). Eine angenehme, völlig aggressionsfreie Atmosphäre, die auch durch die permanenten Sicherheitshinweise der Touristenbehörde nicht getrübt wird – und durch die Realität hoffentlich auch nicht.

„Unser Viertel“, San Blas, gute zehn Fußminuten oberhalb der Plaza gelegen, wirkt auf den ersten Blick wie ein „Künstler- und Touriviertel“, das so auch auf jeder ägäischen Insel zu finden ist – angenehme Hostales, Unmengen an Restaurants, die sich trotz aller bereits am Nachmittag einsetzenden Animationen auch bis zum Abend nicht füllen, viele Galerien, Aussteigerklitschen usw. – doch überall dominiert durch die kleinen Alltagsdienstleistungsanbieter autochthoner Herkunft das wirkliche Leben. Und kaum wird dieses auf den ersten Blick nicht wahrnehmbare „Stadtviertel im Barrio“ verlassen, ändert sich die Welt: reine Wohn- und Gewerbe- / Gewerkeviertel, weniger gepflegte Häuser, kaum noch Sicherheitspersonal in den Gassen - dafür Menschen, die einen unbedarft ansprechen und auch nach dem fünften Satz keinen Silberschmuck anbieten …

Cusco ist schlichtweg spannend – wir kommen wieder!!!



(Fotos vom ersten flüchtigen Eindruck)

(wikipedia zu Cusco)

(Fotos von Saqsayhuaman)

(wikipedia zu Saqsayhuaman)

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