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Dienstag, August 28, 2007

Ayacucho ...


… wirkt so ganz anders als seine deutsche Bedeutung – „Ecke der Toten“ …
Hier pulsiert das provinzielle Leben einer kleinen Hauptstadt, ohne hektisch zu wirken oder Unruhe zu vermitteln. Die Straßen sind vom späten Morgen bis zum späten Abend voller Menschen. Märkte sind von früh bis spät umlagert, die Parks und Plätze gut besucht, doch: Lärm geht nicht von den Leuten aus, allenfalls von den Bussen, den Mototaxis und den schrillen Pfeifen der Ordnungshüter, die auch hier en masse durch die Straßen ziehen oder an den Ecken stehen und ihrer Aufgabe unaufdringlich, doch durchdringend (die Pfeifen …) gerecht werden.

Auch HUAMANGA, das ist der edlere Name für Ayacucho („der Ort, an dem der Falke seinen Platz hat“), bestätigt unseren zivilisiert mitteleuropäischen Dünkel, der das Stadtbild der Altstadt als „selbstverständlich“ durch koloniale Bauten geprägt sieht. Und weil diese teils gut erhalten, teils aufwändig restauriert und mitunter venezianisch runtergekommen sind, strahlt jenes disneyferne Ensemble, das sich über gut zehn Blocks im Quadrat erstreckt, etwas Heimeliges, Warmes aus. Nichts von dem hingerotzten drei Stockwerke-hohen-Glas-Aluminium-Beton-Geprotze der Neustädte oder der Ignoranz der Raiffeisen- und Volksbanken, die nebst Konkurrenten mittelalterliche Straßenzüge gewisser Salzstädte Norddeutschlands nachhaltig verschandelten …

Und weil diese alte Bausubstanz neben den Läden aller Art und aller Größe (auch mittelalterliche Brandmauern lassen sich zwecks „Geschäftserweiterung“ Häuser übergreifend durchbrechen …) im Erdgeschoss spätestens ab dem ersten Stockwerk Wohnungen aller Komfort- oder gerade auch nicht -klassen unterm Dach weiß, tobt hier das Leben vom Aufwachen bis zum Einschlafen.

Letzteres bleibt nicht ganz unbeeinflusst von der jeweiligen „Seguridad Ciudatana“ – Männern mit und wie Pfeifen. Die furchtsamen Vertreter flöten des nachts alle Nas’ (alle zwei Häuser weit auseinander) lang. Barbara, die ihr Grundrecht auf Nachtruhe erheblich verletzt sah, konnte mit Mühe davon abhalten werden, einen Eimer körperwarmen Wassers auf Pfeife 911 zu kippen – nicht, dass dieser Nachtwächter nicht generell störte, doch Willi möchte gerne GEMEINSAM mit Barbara weiter reisen …

Bis auf Pfeife 911 (wer weiß, vielleicht darf er nicht anders, vielleicht kriegt er auch keinen Obolus von unserem Hotel und bringt sich so unangenehm zu Gehör …) nehmen wir die Menschen in dieser Stadt ähnlich wahr wie in den Orten, die wir bisher besucht hatten –liebenswert!!!

Am höchst selbstbewussten Auftreten vor allem der StudentINNEN, das sich mit jedem Gebaren südwesteuropäischer Universitätsstädte vergleichen lässt, misst sich die recht hohe Zahl der Immatrikulierten, überwiegend indigener Herkunft und das durch eben jene Studierenden vermittelte höchst angenehme und offene Flair – den mittelalterlichen Gründungshintergrund im Kopf scheint ein vorsichtiger Vergleich mit Göttingen nicht ganz unangemessen. Ja, ja, die extrem stalinistische Phase gab’s in Göttingen wohl eher nicht, Paul.
Hier scheint sie nach der Beendigung des peruanischen Pol Pot (Sendero Iluminoso) und den politisch gewollten Exzessen des Militärs vorüber, wenn auch nicht vergessen … Das „Museo de la Memoria de ANFASEP“ leistet einen hervorragenden Beitrag zur Aufarbeitung des düsteren Kapitels jüngster peruanischer Geschichte.


Doch auch außerhalb der Stadt liegen in Abenteuer fernen Nähen bemerkenswerte Orte und Ortschaften …


(Fotos zum mittelalterlichen Dünkel)

(Fotos zum Straßenleben)

(Fotos zum Markt in Quinua)

(Fotos zu Wari)

(Link zu Wari)


Freitag, August 24, 2007

Zwischen ...


… Huancayo und AYACUCHO liegen (durch-) gerüttelte acht Stunden Fahrt in einem Bus, bei dem hauptsächlich die Bremsen funktionierten – der Rest klapperte so vor sich hin – auf einer überwiegend einspurigen Schotterpiste, die sich stets an einer Uferseite eines Flusses, der sich oft tief ins Gestein gegraben hatte, entlang schlängelte und somit atemberaubende Blicke (zwischen 50m und 450m) in die Senkrechte eröffnete.

Die Fahrer hatten alle Hände voll zu tun, gab es doch Spitzkehren, die erst nach einigen Rangiermanövern bewältigt werden konnten. Dabei behielt einer der Piloten den Abstand zwischen Hinterrad und Abgrund im Auge, der andere geriet am Lenkrad ins Schwitzen. Die Einheimischen blieben ganz ruhig, war ja nicht ihre erste Reise auf dieser Strecke. Außerdem hatte uns ein Prediger gleich nach der Abfahrt mit einem dreißigminütigen Sermon über die Tücken des Lebens und die Techniken des (moralischen) Überlebens eingestimmt. Mal was Anderes – nicht wie bei „Cruz del Sur“ mit Hostessenbegleitung, Lunchpaket wie bei Iberia, Karaokeanimation und Bingo Spielen durch die Kurven in den Anden. Auf dieser Strecke wurde gleich von zwei Heilslehrern, die ihre Druckwerke loswerden wollten, vom Staub der Erde geredet, zu dem alles zurück kehrt und vom dem wir bis zum Ziel jede Menge schluckten – Zufall, dass die Schwätzer rechtzeitig auf dem geteerten Teilstück ausgestiegen waren ?…

Den Weg hier zum Ziel zu erklären, ist zumindest uns sehr schwer gefallen. Ayacucho sollte es sein und nachdem wir unsere Ration Staub kräftig verdünnt hatten, begaben wir uns auf unsere erste Erkundungstour …


Mittwoch, August 22, 2007

Wirkte ...

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… Huaraz wie ein gemütliches, etwas verschlafenes Provinzstädtchen, dessen Leben stark geprägt war vom Trekking- und Alpintourismus, so vermittelt Huancayo den Eindruck einer sehr geschäftigen Verwaltungsmetropole, in der sich die wenigen Fremden auf der Durchreise verlieren.

Hier gibt’s zwar kein „Heimat“museum, dafür einen Erzbischof und traffic jam, eine Straße voller Bankhäuser, mehrere Zeitungsredaktionen und eine deutlich stärkere Polizeipräsenz. Die Preise fürs Bier, den Espresso und den Pisco Sour sind gleich niedrig, Touranbieter dünn gesät. Internetcafés und Holzkohlegrills halten sich zahlenmäßig in etwa die Waage, Bergwanderausrüster sucht man hier vergeblich – Eisenwaren werden häufiger gebraucht.

Ebenso wie Schreibwaren – hier trägt jeder zweite eine Aktentasche, einen Block oder zumindest einen (Schul-) Rucksack. Gerade mal zur Mittagszeit wirkt die Stadt weniger bevölkert – die locals ruhen auf den Bänken der Plaza. Vor allem abends jedoch sind die Straßen „schwarz vor Menschen“. Doch gibt’s nirgendwo hektisches Gewusel oder lautes Gehezte. Die Menschen scheinen unaufgeregt dem nachzugehen, dem sie nachzugehen haben. Sie sind ausgesprochen höflich, bieten unaufdringlich ihre Hilfe an, wenn mensch das Restaurant aus dem Reiseführer nicht auf Anhieb findet und ziehen sich unbeleidigt zurück, sobald signalisiert wird, dass man alleine klar zu kommen gedenkt. Das Herkunftsland Alemana erhöht die persönliche Kreditwürdigkeit deutlich.
Selbstverständlich recherchiert man nach aktuellen Telefonnummern, nachdem sich die gedruckten als überholt erweisen. Von einer herzlichen Bevölkerung zu sprechen wäre etwas übertrieben, doch von einer ausgesprochen freundlichen, die keine Mühe scheut, zu helfen, trifft den Kern.



(Fotos von Huancayo)

(Fotos aus der Umgebung)

Dienstag, August 21, 2007

"Ayudemos ...


… nos hermanos en el sur!“, forderten die Plakate in Lima, und nicht nur vor öffentlichen Gebäuden, sondern auch in den Käfigen der Vorgärten wehte die Nationale auf Halbmast.

Auch wenn das Alltagsleben seinen Gang zu gehen schien, der Parkplatzwächter wie gewohnt den Verkehr aufhielt, um jemandem beim Ausparken zu helfen, und ein älterer Herr des Abends seine „revolucion caliente“ in selbst gedrehten spitzen Bonbontütchen unter die Leute brachte, die Stimmung wirkte gedrückt.

Pisco lag einfach zu nahe und die Bilder im Fernsehen und als Aufmacher wirkten zu erschütternd, um abends im Rondell eine Dichterlesung oder eine Tanzveranstaltung stattfinden zu lassen. In Miraflores haben die Menschen die Erdbebenwellen mitbekommen, und selbst nach unserer Rückkehr aus Huaraz klirrten abends während eines Nachbebens die Scheiben …

… es hätte ebensogut die Hauptstadt treffen können, meinten viele. Und ob die Gebäude das (aus-) gehalten hätten, was die Schilder in ihrem Innern verkündeten, wurde ernsthaft angezweifelt …

Entsprechend groß war die Hilfsbereitschaft. Wer nicht wie der Ehemann unserer Zimmerwirtin mit seinem Pick-Up täglich Lebensmitteltransporte nach Ica durchführte, brachte Lebensmittel, Wasser, Kleidung, Hygieneartikel etc. tütenweise oder gar in Einkaufswagen, frisch aus dem Supermarkt, geschoben von den Jungs, die sonst die Regale voll räumen, zu den Sammelstellen. Damit nichts wegkäme, wurde ordentlich Buch geführt – und die Nationalpolizei sicherte die Vorräte. Unglaublich viele junge Menschen, Oberschulalter etwa, halfen beim Sortieren und Verpacken.

Bei alledem wurden die „eigenen Bedürftigen“ nicht vergessen: Die Chicletverkäufer wurden ihre Kaugummis los, die Straßenmusiker wurden beklatscht und bekamen ihre Soles und selbst die wenigen bettelnden Menschen, die „einfach nur bettelten“ wurden mit kleinen Aufmerksamkeiten bedacht.

Dem Formalismus und Bürokratismus, wie er hier auftauchen kann, wenn nicht zeitig und kräftig genug geschmiert worden ist, trat eine ältere, gewählt gut gekleidete Damen kräftig zwischen die Beine: Ein nicht mehr ganz junger uniformierter Mensch mit der Aufschrift „Fiscalia“ auf dem Rücken las, Notizbuch und Stift in Händen, einem Blinden, der auf dem Gehweg vor unserer „Pisco Sour Station“ Süßigkeiten verkaufte, die Leviten und drängte ihn, mit seiner Tüte weiter zu gehen. Recht lautstark, so dass es nicht nur in unserem Café zu vernehmen war, fragte jene ältere Dame die Uniform, ob der Blinde etwa raube oder auch nur klaue, ob er andere Menschen belästige und ob die Steuerbehörde nichts Sinnvolleres zu tun hätte, als in Lima Menschen zu belästigen, die für ihren Lebensunterhalt arbeiteten – ob demnächst in Pisco oder Ica Spendenempfänger deklarieren müssten, wie viele Flaschen Wasser sie bekommen hätten.

Diese Art von Achtung gerade der „Geringeren“ ist uns in vielen Formen und in vielen Momenten in Miraflores aufgefallen – und ließ uns große Sympathie für die Menschen dort empfinden, auch wenn sie hinter Gittern wohnen …

Samstag, August 18, 2007

Tranquilo ...

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… und „demaciado“ waren die am häufigsten geäußerten Worte, mit denen uns Edgar während unserer Wanderung von OLLEROS nach CHAVIN daran erinnerte, dass wir alle Zeit der Welt hatten, alle Ausblicke zu genießen, die sich boten, und die Strecke zurück zu legen ...

Während der drei Tagesetappen begegneten uns drei verschiedene Landschaftsformen, jede Menge Einheimischer, alle Arten weidefähiger Nutztiere, doch kein einziger Tourist. Der Trail ist einfach nicht „in“, und das ist gut so !!!

Kaum, dass wir die letzten Häuser von Olleros hinter uns gelassen hatten, ging die Dorfstraße in einen Wirtschaftsweg über, der sich in eine Viehdrift auflöste, die sich kurz darauf im Nichts wiederfand und später als Eselspfad reinkarnierte. Dass wir dann beim Aufstieg zum Pass auf
Inka- und oftmals auf Prä-Inkapfaden schritten, war ein eher zu vernachlässigender Faktor, der unseren Kreislauf heftigst anregte. Auf über 4.000m Höhe machte uns ein Aufstieg um zehn Höhenmeter bereits ein wenig kurzatmig.

Edgar, der lange vor uns merkte, dass uns ein Verschnaufer gut täte, fand den Anlass zur gesichtswahrenden Unterbrechung des gemessenen Schritts, wenn wir kurz davor waren, eine Stehpause einzulegen. Er wies uns auf Tiere, Pflanzen, Menschen, Landschaften hin, kleidete seine Informationen in Geschichten und Anekdoten und begeisterte durch seine ruhige, humorvolle Art, den Weg als Ziel zu definieren und die Kraft aus der Ruhe zu schöpfen. Keine Panik, wir sind auch nicht nur annähernd zu Esoterikern abgedriftet, doch bewirkten nahezu absolute Stille, paar Cocablätter, die dünne Luft und die beeindruckende Landschaft so Manches – Vorschlag für den nächsten Studientag …

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Dennoch, der Weg hatte es in sich und oft genug, bevor wir uns nach einem heftigen Anstieg fragten, warum wir uns das eigentlich antaten (noch dazu in dem Alter …), ließ uns ein neuer (Aus-) Blick die vorformulierte Frage unterdrücken. Sie stellte sich paar Höhenmeter weiter … Und wurde mit neuen, tollen Ausblicken bzw. durch humorvolle Bemerkungen Edgars zu Gepflogenheiten der lokalen Schweinezucht relativiert …

Waren es am ersten Tag eher weite, überwiegend sanft geschwungene Täler, die uns auf gut 4.000m führten, wurde es am zweiten Tag deutlich enger und schroffer, wobei immer noch die Weidewirtschaft überwog, gerade auch nach der Überquerung des Passes. Aufgabe der Frauen, übrigens, die laufen und nicht reiten. Ihre Männer besuchen sie einmal in der Woche zu Pferd – „Das reicht dann meistens, für beide …“ war Edgars Kommentar zu meinem etwas fragenden Blick …

Der Abstieg am dritten Tag leitete uns durch enge Täler mit steilen Wänden. Weniger Vieh- als Landwirtschaft wurde hier betrieben. Die Hänge waren bis zu den Kämmen kultiviert, oft terrassiert; verschiedene Getreide- und Kartoffelsorten wurden angebaut, Gemüsebeete, sehr gepflegt, hätten Mutter Sauers Begeisterung hervorgerufen. Statt auf einzeln stehende Rundhäuser trafen wir auf recht große, rechteckige Bauten, oft zu Weilern formiert.

Immer wieder trafen wir auf Menschen, ob in der Pampa oder in Siedlungen, die auf einen Plausch aus waren, ohne jede Aufdringlichkeit, doch mit einer höflichen Neugier und immer so was von freundlich, dass man ihnen die PINnummer zur Kreditkarte genannt hätte …

Während des Abstiegs nach Chavin, kamen uns Mengen an Indigenas entgegen, die sich im Ort offensichtlich mit allem
Notwendigen eingedeckt hatten und gekleidet waren wie zum Kirchgang. Auf Menschen- und Eselsrücken fanden Konsumartikel aller Art den Weg in die entlegenen Siedlungen. Das Ziel vor Augen, schritten wir ein wenig rascher zum lang ersehnten CRISTALL, bevor der kulturelle Teil zu Chavin von Edgar hervorragend dargeboten wurde.

Hundemüde freuten wir uns im Taxi auf das weiche Bett in Huaraz. Klar, wir hätten die Ruinen auch als „Tagestour individuell“ genießen können – ohne staubige Klamotten und Nächten, in denen Zahnpasta und Trinkwasser gefroren.

Warum wir nicht diesen Weg gegangen, sondern gewandert sind?
Aha, bitte zurück auf Null und den Bericht noch einmal lesen …


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Freitag, August 17, 2007

Alles in Ordnung ...

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.... mit uns. Wir waren bis gestern Abend auf einer mehrtägigen Trekkingtour im nördlichen Teil um HUARAZ und somit weit vom Schuss. Erst heute früh hat uns ein Taxifahrer auf die Katastrophe angesprochen.


Uns geht's gut und wir machen weiter, claro ...

panther & co

Sonntag, August 12, 2007

Deppentour ...


… hätte eine Kollegin die heutige „Gruppenreise“ tituliert – nicht ganz unberechtigt...

… schließlich wurden wir, sechs estranjeros und zwanzig Peruanos, aus allen möglichen Unterkünften zusammengekarrt, gründlich vergattert, was wer auf einem hohen Berg zu tun (oder besser zu lassen) hat, dass mensch auf 5.000m und höher gefälligst langsam zu atmen und möglichst nichts zu sagen hat … , dass Schokolade gegen Kälte, Wasser ohne Kohlensäure gegen Kopfweh hilft, der Himmel eher oben, die Erde mehr zu Füßen zu suchen ist etc. …

Dennoch war die Tour über Land mit all den Selbstverständlichkeiten des täglichen Lebens, vom Waschen der Wäsche im Bach, über’s Ziegelbrennen am Straßenrand und das Schafe hüten höchst spannend.

Der Empfang im Nationalpark durch ein Sonnenbrille tragendes Lamapärchen holte uns dann wieder ein Stück zurück in die touristische Realität. Bemerkenswert, wie hier trotz alledem traditionelles Leben auf dem (Hoch-) Lande mit den Neuerungen und den Verlockungen durch den Fremdenverkehr klar kommt – friedlich!

Der Aufstieg zum Gletscher erfolgte nicht in der befürchteten Fronleichnamsprozession – die zahlreichen Ausflügler verloren sich recht rasch ob unterschiedlicher körperlicher Konstitution. Einige stiegen gleich aufs Pferd, andere stürmten voran und hingen knapp vor der 5.000m Marke schlapp am Berg, wieder andere hielten sich an die Gebrauchsanweisung „Gletscheraufstieg“ des Guides – und kamen gut an. Apropos 5.000m – ab hier konnten die Reiter ihr vierbeiniges gegen ein zweibeiniges „Pferd“ tauschen. Für 3 US$ hätte man sich die letzten einhundert Höhenmeter bis zum „ewigen Eis“ auf dem Rücken starker Männer tragen lassen können. Das sei ein Job wie Schuhe putzen, meinte der Guide – es brächte Geld …

Der Gletscher selbst war natürlich auch eine Attraktion, zeigte allerdings bereits Alterserscheinungen und Spuren der Vergänglichkeit (Erderwärmung …)


(mehr Fotos zum Pastoruri)


Viertausend Jahre, ...


… pardon, sechstausend Meter blicken auf Euch herab ...

Statt einiger Schritte sollten es heute einige Höhenmeter werden, die uns statt EPO per Kanüle höhentauglich machen. Der Weg war nicht als Ziel auserkoren, vielmehr die Lagune 69, die uns von 3.900m (Ausgangspunkt) auf 4.200m lockte.

Zunächst belohnten die Ausblicke auf die Gipfel der Cordillera Blanca (aus dem Taxi) das frühe Aufstehen. Gut zu sehen, dass eine Menge Menschen mindestens ebenso früh wie wir auf den Beinen waren – ob’s die Frauen UND MÄNNER waren, die im Fluss ihre Wäsche wuschen, die zahlreichen Verkäufer am Straßenrand, die alles, außer ihrer Schwiegermutter zum Verkauf anboten (wer weiß, wer die bereits erstanden hatte) und, abseits der Hauptstraße, bereits im „Landesinnern“, die hart schuftenden Menschen beiderlei Geschlechts und jeglichen Alters.
Die Piste führte uns durch ein breites Tal, dessen Erde vom Flusslauf bis auf die Höhenrücken bestellt war, teils terrassiert, teils auf Äckern in sanfteren Hängen, auf gut 3.700m. Wasser wird hier allenfalls bei starken Regenfällen zum Problem – wenn die weitgehend unbefestigten Hänge abrutschen.

Der Nationalpark empfing uns nach höchst freundlichen „Guards“ mit gebührend steilen und hohen Felswänden. Das Türkis der Laguna Llaganuco hatten sie vergessen reinzuholen. Also ergötzten wir uns an dem Postkartenkitsch der Motive wie der Farben.

Ein weites Tal, auf beiden Seiten von tosenden Bächen eingerahmt, grasenden Rindern und wandernden Touristen viel Raum bietend, von hohen Bäumen (auf 4.000m …), lichtem Buschwerk und blühenden Pflanzen geschmückt, erinnerte eher an den Hohen Westerwald oder die Voralpen …
… doch (der) Ernst schlug zu. Solange der Pfad nur sanft anstieg, ließen wir uns zu gerne von den monumentalen Gipfeln beeindrucken (und ablenken), die teils frei, teils wolkenverhangen über uns thronten. Auch malerische Wasserfälle zeitigten Aaahs und Ooohs. Nach gut einer halben Stunden warming up ging’s dann zur Sache: steil, steil, steil … Und von da an lenkte uns nichts und niemand mehr ab. Hier war Sauerstoff gefragt, und den gab’s nicht in der gewohnten Konzentration. Hätten wir so geschnauft, wie wir’s gemusst hätten, hätten wir jeden Amtsarzt überzeugt – doch jetzt, im „Urlaub“, mit einem gleichaltrigen, höchst sympathischen französichen Kollegenpaar unterwegs, siegten die kleinen Eitelkeiten. Also VERschnauften wir des öfteren und taten so, als lenkten uns die Sechstausender über uns ab …

Nach einem heftigen Aufstieg bot sich uns ein Blick auf einen kleinen See – endlich!!! Noch bevor wir uns zur Brotzeit niederließen, eröffneten uns defätistische Zungen, dass wir nicht an den Gestaden der Laguna 69 lagerten. Diese sei vielmehr noch eine gute Wegstunde entfernt …
Altersweise und erfahren genug, den „bon moment“ zu erkennen, an dem mensch aufhört, egal womit, definierten wir unseren Teich als „Laguna 69 bis“ und bissen in die Stullen. Was Columbus recht ist, sei uns billig: Noch heute sind wir der festen Überzeugung, die Laguna 69 erreicht zu haben.

Der Abstieg, von kalten Fallwinden begleitet, trieb uns rasch zum Ausgangspunkt – und zu einem noch kälteren Bier …


P.S.:
Seriöse Quellen versicherten uns, dass die (einfache) Wegstrecke der kartographierten Laguna 69 weitere 75 Minuten betrug – in der Zeit hatten wir uns (Dank Cusquena) bereits regeneriert …


(Fotos zur Wanderung)

Freitag, August 10, 2007

Willkawain ...


… wartet mit durchaus sehenswerten Ruinen (Mausoleen) der Prä-Inkazeit (Wari-Kultur) auf und ist fast so das Ziel wie der Weg dort hin.

Der führt nämlich auf wenig befahrener (zum Glück, staubig ist’s, dass es mit dem Cusquena knapp werden könnte) Piste durch eine Handvoll Dörfer, die sich, recht gepflegt, der Straße entlang ziehen. Wenig Menschen sind auf der Gass’, einige arbeiten im Hof, einige auf dem Feld. Doch alle, denen wir begegnen, grüßen, fragen wie es uns geht und aus welchem Land wir kommen und wünschen einen schönen Tag. Sie erklären uns bereitwillig den Weg, nennen Abkürzungen und begleiten uns einige Schritt weit, um sicher zu gehen, dass wir uns auch nicht verlaufen.
Oft ergibt sich ein kurzer Plausch, und dafür lässt Mutter auch mal die Stricknadel sinken, Vater das Ochsengespann ruhen oder ein Drei-Generationen-Team die Axt beim Holzhacken sinken. Die Leut’ mühen sich, Willis Spanisch zu verstehen und erzählen gern von dem, was sie gerade machen und für was es gut ist.

Ein Damenduo, das gerade rohe Schafwolle säubert, lädt Barbara zu einem Tratsch ein, von Frau zu Frau. Dass ein Mann ein wenig beim Übersetzen hilft, damit der Gesprächsfluss nicht versiegt, stört keineswegs (Rubrik: Hilfswissenschaften …)

Ich-AG auch in den Ruinen: Nach dem Eintrittsgeld gibt’s einen guide, so mensch möchte, der einen durch die Anlage führt – Preis ist Ermessenssache. Der Junge hat viel Ahnung, bereitet die Tour didaktisch geschickt auf und unterscheidet klar und deutlich zwischen Kenntnis, Erkenntnis und Spekulation. Doch auch als Positivist vermag er eine Menge über die alten Ideologien zu erzählen. „So ‚ne jungen Menschen in solch einem Kaff …“ Wer weiß wozu es gut ist.

In Begleitung eines Blasorchesters, seines Managers und des Hoffotografen sowie einer dazu gehörenden Ehefrau mit Kind kehren wir in einem collectivo (Minibus, bei uns für 9 pax zugelassen) mit Pauken und Trompeten in die Stadt zurück (gezählt: 23 Personen plus Fahrer …)

Uns beeindrucken die Menschen und wir mögen die Landschaft – morgen mehr, nur zur Akklimatisation, versteht sich …


(mehr Fotos zu Willkawain)

Endlich ...


… wieder Sonne!!! Nach fünf wettermäßig trüben Tagen lächelt uns die Sonne ermutigend zu, kaum dass wir den relativ schmalen Küstenstreifen bei PATIVILCA verlassen und einige Kilometer den Rio Fortaleza aufwärts gefahren sind.
Aus dem Lächeln wird ein deutlicheres Lachen, je höher wir uns schrauben, und in CONOCACHA, Passhöhe 4.100m, umfängt uns breites, wolkenloses Lachen – mit Ausblicken wie beim Flug über die Alpen, nach BORMIO z.B. ...
In HUARAZ dann, wieder im Tal, lassen sich die Fünf- und Sechstausender der Cordillera Blanca nicht mehr unters Röckchen, sondern nur noch aufs weiße Mützchen schauen, und das von morgens bis abends.

Waren in Lima auf 30m NN Pulli und Jacke angesagt, bei 18 Grad C, so schreit es hier bei 23 Grad C nach T-Shirt. Die Luft so trocken, dass all unser klammes Zeugs im Nu trocken ist.
Mit unserer Unterkunft haben wir es mal wieder gut getroffen: Nettes Ambiente, große Zimmer, rührend bemühte Leute, die einem nicht einfach etwas verkaufen wollen, sondern handfeste Informationen rüberreichen – dabei wird der Seniorzuschlag bei der Akklimatisation für diese Höhe nicht schamvoll verschwiegen, sondern offen begründet. Das nenn ich offensives Umgehen mit dem Alter (nicht: mit den Alten …)

Entsprechend ist der erste Tag nach dem Ausschlafen auch ausschließlich der Stadt gewidmet. Hier gibt es nichts zu besichtigen, doch viel zu sehen. Das sogen. Leben pulsiert hier anders als in Lima, logo, wir sind zwar in der Stadt, doch auf dem Lande.
Alles läuft hier deutlich gemächlicher ab, die Überzahl der Indigenos wird deutlich, die zahlreichen Touristen fallen eher auf. Die Läden sind kleiner, die Zahl der Banken bleibt unverändert, ihre flächenmäßige Größe auch, und voller Kunden sind sie bis nach Schalterschluss – welch Schulterschluss mit denen Limas.
Die Menschen wirken nicht ärmlich, in den Straßen voller Leben gibt’s jede Menge Ich-AGs, vom üblichen Verkauf hausgemachter Textilien (jede Frau, die hier irgendwo wegen irgendetwas sitzt, wartet, nichts Anderes tut, strickt, strickt, strickt) über das fotogene Umherführen persilweißer Lamas, nett geschmückt, bis zur Eisverkäuferin.

Daneben spielt sich das Leben in den (Markt-) Straßen ab, und überall dort, wo mensch sitzen und plauschen kann, und dazu bieten sich hier jede Menge Orte und noch mehr Gelegenheiten …



Link zu HUARAZ

(mehr Fotos zu Menschen hier)
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(Wandertouren um Huaraz)



Montag, August 06, 2007

Die Stadt ...



… verlockt gerade zu dieser Jahreszeit nicht unbedingt zu langem Verweilen.
Die GARúa macht jeder Hoffnung auf ein Foto der Altstadt mit Sonne den GARaus. Schöne Bilder des gewiss an vielen Orten recht malerischen Centro also bitte selbst im Internet suchen.
Es bleibt den Tag über grau in grau. Hin und wieder tröpfelt es so leicht, dass man es nicht mal fühlt, sondern nur an der klammen Kleidung spürt. Blieb einem auf Tobago die Kopfhaut stets feucht, weil man ständig schwitzte, so trocknet sie hier nicht, weil die Luft so feucht ist. Auch die Wäsche lässt sich Zeit – Ideen sind gefragt, den Trocknungsprozess zu beschleunigen.

Dennoch lohnen außer einem ergiebigen Rundgang durch das alte Zentrum die Besichtigung einiger Museen, des Convento San Franciso und der Präinkaruinen Pachamac. Juancito bringt einem auf deutsch nicht nur die ollen Trümmer näher, sondern auch was an Ideen hinter all dem steht (bei weitem nicht nur für Esoteriker …).

In BARRANCO finden wir einen weiteren Stadtteil, in dem hinter den Käfigen die Welt noch in Ordnung scheint: gut erhaltene, oft liebevoll restaurierte Kolonialbauten aller Ausmaße, Szenekneipen und –restaurants, funktionierende neighbourhoods.

Auch wenn es uns nicht langweilig geworden ist, freuen wir uns auf den Norden – Sonne, klare Luft, „richtige Landschaft“ …


Links zu:
Lima
Centro

Lima ...

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… ist ganz bestimmt ein Moloch - mit seinen mehr als 12 Millionen Einwohnern, einer Portion Feinstaub, die täglich die Jahresbelastung der neuköllner Silbersteinstraße in den Schatten stellt, den wild hingerotzten Bauten und den Käfigen, in und hinter denen all die Menschen, die irgendetwas zu verlieren haben (gleich, in welchen Stadtvierteln), leben … müssen.

Hinzu kommt die garúa, jener dicht bewölkte Himmel, oft mit leicht tröpfelndem Nebel einher gehend, der selbst Schockfarben eher grau erscheinen lässt und auch für nicht depressive Menschen eine ernste Herausforderung ans Gemüt darstellt. Dem Lärm halten nur empfindsame Lehrerohren, die sich schon bei einer vorbei fahrenden „türkischen Hochzeit“ zusammen ziehen, nicht stand …

Doch gibt es, neben den höchst liebenswerten Menschen, gleichartige Oasen, die gar nicht einmal so rar gestreut sind. Dazu muss frau nicht erst ins Museo Larca nach Pueblo Libre fahren. Diese Privatsammlung, didaktisch nicht ungeschickt aufbereitet, vermittelt einen guten Überblick jenseits der in Europa überbetonten Epoche der Inka. Hier liegen Kultur und Entspannungskultur auf kleiner Fläche gerade mal 30 Meter auseinander - und entrücken den Genießer um Jahrhunderte … Reichlich Zeit, um darüber nachzudenken, warum in diesem Teil der Welt Fruchtbarkeit nicht in weiblichen Allegorien dargestellt wird …

Auch der Hektar des vom Straßenverkehr umtosten Parque Central in Miraflores, gleich um drei Ecken, bietet nicht unbedingt eine Oase der „Stille an sich“, doch der Ruhe und des kontemplativen Müßigganges. Bis zum Einbruch der Dunkelheit vor allem das Dorado der Schuhputzer, die einem anbieten, jeden Wildlederschuh, gleich welcher Originalfarbe, ballettschuhmäßig zu tönen und zum (Er-) Scheinen zu bringen, wird die Grünfläche in der Dämmerung zur universellen Knutschzone von Paaren jeden Alters und jeden Geschlechts.
Eine ausgesprochen friedliche Stimmung herrscht hier (in welchem Umfang von der allgegenwärtigen Security herbeigeführt sei dahingestellt), die schöngeistige Darbietungen zumindest nicht stört.

Und davon gibt’s an Freitagabenden im Rondell einige Sehens- und Hörenswerte: Frauen wie Männer rezitieren zeitgenössische oder klassische, nationale wie internationale Poesie, Literatur oder was auch immer wer auswendig gelernt hat – und können sich, sofern sie überzeugt haben, eines ehrlichen und deutlichen Beifalls sicher sein. Die Zuhörer lauschen, mucksmäuschenstill, auch Langweilern, und machen jeden Gast nieder, der sich erdreistet, mit Popcorn, Döner oder tapas der Aufführung beizuwohnen – Realität, eben, kein Kinoerlebnis. Menschen, die nicht brillieren, sich jedoch erkennbar Mühe geben, dürfen zumindest einen Achtungsapplaus erwarten. Buhrufe hört man nicht. Höchst zivilisiertes Ambiente also, oder äußere ich mich wieder mal politisch unkorrekt …

Und weil mitunter auch die am härtesten gesottenen Schöngeister nicht unbedingt zwei Rezitationsabende in Folge ertragen, bietet der Samstagabend TANZ: zunächst nach traditioneller Musik aus der Konserve, die zahlreiche Menschen deutlich oberhalb unseres Pensionsalters auf die Fläche holt. Frau trägt schicke Kleidung, vom neuen Jogginganzug über Jeans und Opernfummel bis (fast) zum Ballkleid.
Später wird life music geboten, u.a. Beatles & Co, von Interpreten, die zu Zeiten des “I want to hold your hand” noch nicht einmal in der Planung waren. Doch so sind sie nun einmal, die Alten hier, swingen, twisten auf der Tanzfläche oder zucken rhythmisch mit den Schultern. Man zollt Respekt, auch wenn einem die Art der Musik zu fern ist. Erst wenn’s gar zu fremd wird, verabschiedet man sich angemessen von den Bekannten aus dem Viertel – und hier kennt jeder jeden, gerade auch in der Großstadt.

Auch das „La Favorita“, wo wir täglich Willis Bruder PISCO treffen (DNA entschlüsselt im Reise Know-How PERU auf S. 426) ist solch eine Oase inmitten des traffic jam, der unseren Taxifahrer in Trinidad sofort hätte umkehren lassen. Ein Blick in die Straßen zeigt, dass es hier so gut wie keine bettelnden Menschen gibt, kaum welche, die Chiclets, Erdnüsse oder andere Dickmacher verkaufen, niemanden, der auf dem Gehweg Rad schlägt oder auf dem Zebrastreifen eine Galerie Eimer auf der Stirn balanciert. Bei allem Respekt vor derartigen Darbietungen, die meist auch in Centavos honoriert werden, in „unserer Gegend“ verdient mann sich eher etwas als Parkwächter, der mit rotem Leuchtstab den Verkehr stoppt, um seinen Kunden ein sicheres rückwärts Ausparken zu ermöglichen. Oder der inoffizielle Parklotse, der, kaum dass er jemanden erfolgreich in die Parklücke gewunken hat, Scheiben putzt und Lack zum Glänzen bringt, lange bevor dieselbe Fahrerin sicher rückwärts ausparken kann – nicht ohne ein angemessenes Trinkgeld durchs offene Fenster gereicht zu haben. Schäbig, wer Dienste in Anspruch nimmt, ohne sich dafür erkenntlich zu zeigen. Arbeit wird hier respektiert …

Wie anders ist es zu erklären, dass eine Indigena dem bronzefarbenen Mimen paar Centavos in ein Gefäß wirft, um ihn aus seiner Starre zu roboterhaften Bewegungen zu veranlassen, die in einem Handkuss oder einem Kusshändchen enden? Einmal mehr leben und leben lassen …?

Freitag, August 03, 2007

Richtig ankommen ...




… war das Ziel, nicht der Weg …

Eine mückenstichfreie, kühle Nacht, ein ausgiebiges Frühstück und das rasche Auffinden zweier entscheidender Orte (a Bankomat, der auch wirklich Geld rausrückt, b ein Café mit richtig gutem Kaffee) schufen die besten Voraussetzungen.

MIRAFLORES wird als relativ edler, moderner und vor allem sicherer Stadtteil geführt. Letzteres Attribut ist wohl der enorm starken Präsenz von allen möglichen, privaten wie öffentlichen Sicherheitskräften zu „verdanken“. Dennoch leben die meisten Menschen hier hinter vergitterten Fenstern und in „Käfigen“. Gibt richtig schnuckelige Straßenzüge, hinter denen zig Meter hohe Bausünden aus Beton hingerotzt wurden – alles in Käfigen. Mensch gewöhnt sich relativ schnell an den Anblick und genießt die recht lockere Stimmung auf der Straße.

Paar Blocks von unserem Hostal entfernt bieten Indianer aus den umliegenden Dörfern ihre meist handgefertigten Textilien an – vom klassischen Mützchen über Pullis mit bekannten Mustern und Taschen, die ihren Weg bis in berliner Läden finden, bis zu Decken etc. Hier kaufen nicht in erster Linie Touristen, sondern viele Einheimische zu ehrlichen Preisen.

(mehr Marktszenen)

Noch ein Stück weiter finden sich Reste einer heiligen Stätte der Huaca (Lima-Kultur), Stufenpyramiden aus senkrecht gestellten Lehmziegeln. Nachdem der Hügel jahrzehntelang als Mountainbike- und Motocrossstrecke genutzt worden war, wird er seit den Siebzigern archäologisch versorgt und zeigt Altes mitten im Neuen …

Die Anlage ähnelt der in Pachamac, ist jedoch sehr viel kleiner und weit weniger gut erhalten …

(mehr Altertümer)

Donnerstag, August 02, 2007

Geduld ...

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… war heute ein wenig stärker gefragt.

Der Five O’ Clock Tea (am, not pm) ließ mensch fast so wach werden wie andere das morgendliche Bad im Meer. Der frühe Transport zum Flughafen Piarca wurde durch keinen traffic jam beeinträchtigt und die Nachricht, dass unsere Maschine nach Caracas erst um 11:15 Uhr statt gegen 8:00 fliegen sollte, schockierte uns nun wirklich nicht mehr – schließlich hatten wir Lektüre dabei und Willi konnte endlich mal einen hot spot ausprobieren. Die Zeit war lang, doch wurde uns nicht langweilig.

Ratz fatz konnten wir unser Gepäck bis LIMA durchchecken, die Inderin am counter war höchst hilfsbereit und die Liebenswürdigkeit in Person (so viel zu meinem kleinen Rassismus); die Bordkarten für die Strecke Caracas – Lima sollten wir während des Zwischenstopps ergattern. Schafften wir nach einem verspäteten Abflug auch, doch etwas zeitverzögert, weil die TACAstaff sich viel Zeit ließ, am transit counter in CARACAS zu erscheinen. Kaum kreuzte sie auf, waren wir auch schon versorgt – ratz fatz, eben …

Der deutlich verspätete Abflug ließ uns seitenzahlmäßig kräftig vorankommen und ermöglichte, unsere Unterkunft in Lima in aller Ruhe telefonisch zu reservieren. Dabei bot sich die Chefkassiererin der Telefongebühren an zu dolmetschen. Auch dieses Problem löste sich, nachdem sie die richtige Telefonnummer ermitteln konnte und Willis Spanisch mit viel Wohlwollen korrekt interpretiert wurde.

So zäh sich das Warten auf TACA auf dem Boden gestaltete, so fit war der Service über den Wolken. Einreisegedöns wie Zollformalitäten waren rasch erledigt. Blieb noch die Fahrt ins Hotel nach MIRAFLORES – unkonventionell. Ein Taxifahrer, der den Preis bis auf drei US $ genau aushandelte, scheuchte seinen altersschwachen Toyota ( was fantastic …) und ließ keine Lücke ungenutzt.

Tja, und die Hütte, die wir uns ausgeguckt haben, ließ gleich ein feeling at home aufkommen: Nette Begrüßung, Bier für uns im Patio, paar aufmunternde Worte nach der zeitaufwendigen Kurzstrecken und eine altersgerechte Matratze …

Endlich in Südamerika …

Mittwoch, August 01, 2007

Annäherung ...

… an die Wirklichkeit – oder „Das Verlassen des Paradieses“ …
Nach paar netten Stunden unter netten Menschen am Flughafen in CROWN POINT, Tobago wurde es in PIARCA auf Trinidad gleich etwas schwüler. Auch die Taxifahrer waren hier deutlich anders drauf und schoben sich gegenseitig unsere Fuhre zu, die ihnen nicht weit genug erschien. Endlich erbarmte sich jemand; vielleicht wurde er auch nur von den Kollegen ausgeguckt.
Es fiel ihm unsäglich schwer, auf die Idee zu kommen, Barbaras Reisetasche in den Kofferraum zu hieven – wer schwitzt schon gerne für 10 US$? Er schaffte es …
Auf diesen Gnadenerweis folgte ein weiterer: Nach etwa einem Kilometer Fahrt floss der Verkehr etwas zäher, kein Stau wohlgemerkt. Und unser Inder (oder ist das jetzt rassistisch?) jammerte von traffic jam und dass er zum Airport zurückkehren müsse, damit wir vom Hotelservice abgeholt würden. Schließlich habe er keine Zeit im Stau zu stehen und was sein Manager wohl zu der Verzögerung sage etc.
Ob auch seine Landsleute immer an ihren Ausgangspunkt zurückgebracht würden, wenn sich paar Autos langsamer bewegten, fragte ich - und fügte hinzu, dass es auch auf Tobago vom Flughafen in Richtung town traffic jam gäbe, doch hätte ich noch keinen Taxifahrer getroffen, der mich deswegen zurückbringen wollte …
Nach dem Grund des „starken Verkehrsaufkommens“ befragt, führte unser Kutscher den public holiday an, vor dem alle ihre letzten Hamsterkäufe tätigten “You know, the Africans are celebrating their Emancipation Day, the end of the slavery“. Womit er nicht Unrecht hat, doch sollte es der NATIONALfeiertag sein – für etwa 53 % der Bevölkerung Trinidads und gut 97 % der Tobagos. Unser 3. Oktober etwa???

Jedenfalls sind wir im Airport View Inn angekommen, seeeehr viel bescheidener als unser Haus in Charlotteville – es soll ja auch nur für eine Nacht sein.

Deutlich fällt auf, dass die Menschen, mit denen wir hier zu tun haben, sehr viel distanzierter, am Geschäftlichen orientiert und darauf fixiert erscheinen. Die Herzlichkeit und die Lockerheit spüren wir nicht. Es geht alles sehr korrekt zu, nicht mehr …

Das heißt, im Hard Rock, nee, nee, Pup, nicht Café, ging’s gewohnt locker zu, vor allem an den afrikanisch besetzten Tischen. Auch die Inder amüsierten sich köstlich – und damit sind wir der Teilung (oder gar Spaltung) der Gesellschaft touristisch auf den Leim gegangen – oder …