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Donnerstag, Februar 14, 2008

Fest gemacht ...



… haben wir bereits seit längerem, und die Wege in der Wirklichkeit des berliner Alltags sind wieder ausgelatscht.
Mittlerweile konnte auch unser Schatten zu uns aufschließen. Wer ihm kartografisch von Berlin nach Berlin folgen mag, klickt sich durch unsere scheibchenweise gegoogelte Reiseroute und spart sich so das Ostereiersuchen nach den (neuen) Kartenlinks in den einzelnen Beiträgen.


Spielt ein wenig mit der geografisch virtuellen Erde rum – hier können feste Ansichten per Mausklick mal eben geändert werden, ohne dass es jemand politisch krumm nimmt …


Tobago:
Karte

Peru:
Wandertouren um Huaraz

Peru: die Tour
südlich von Lima

Chile: von Arica
bis Santiago

Chile: um
Puerto Montt

Patagonien: in
Patagonien

Feuerland: um
Ushuaia

Antarktis: die
wirkliche Route

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Wer hingegen unsere Route "am Stück" über Google Earth nachfliegen möchte, hinterlässt uns über "Kommentar" seine eMail Adresse, damit wir die Datei zusenden können ...



Donnerstag, Januar 10, 2008

"Leinen los!" ...



… am 29. Dezember gegen sechs Uhr abends bedeutet pünktliche Abfahrt – schließlich ist die Professor Molchanov ein russisches Schiff.

Seit gut zwei Stunden bewohnen wir bereits unsere Zweierkabine, haben uns in den ausgesprochen geräumigen vier Wänden des ehemaligen Forschungsschiffes häuslich niedergelassen und mehr Platz in den Schränken und Schaffs gefunden als in mancher landgestützten Unterkunft. Auch das „Welcome-Briefing“ ist vorbei – wichtigster Merksatz: "The bar is opened 24 hours a day." Bei Abwesenheit des Bartenders sei Selbstbedienung Pflicht! Erfüllen wir doch gerne …

Die Staff ist international gemischt und locker drauf. Das nimmt dem späteren „Safety Briefing“ ein wenig die Schärfe: Auf Alarmsignal hin warm verpackt, mit Schwimmweste und in Gummistiefeln zur Muster Station - und dann ab IN die Rettungsboote. Dort Platz finden und nehmen, bevor der Motor angeworfen wird und wir ein Gefühl dafür bekommen, wie eng und wie laut Lebensrettung sein kann …

Der Begrüßungscocktail kommt nach dieser Aktion gerade recht, und das Abendessen, serviert, nicht selbst bedient, lässt uns keine Chance, abzukühlen. Nachdem der Lotse am östlichen Ende des Beagle-Kanals von Bord gegangen ist, geht’s ab auf die offene See – und in die Heia …


(Fotos zum Ablegen)

(link zur geplanten Reiseroute)

(die wirkliche Route)
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30. Dezember

Fleetwood Mac …


… klingt einem im Ohr, wenn man achtern die Albatrosse mit ihrer riesigen Spannweite höchst elegant ganz dicht über die Wellen gleiten sieht – kein Flügelschlag zuviel …

Unter einem nahezu wolkenlosen Himmel laufen wir vor dem Wind – gut für das vegetative Nervensystem, das uns bereits während der vergangenen Nacht einen ruhigen Schlaf bescheren konnte – keineswegs üblich in der Drake-Passage.

Entsprechend wenig ausgedünnt versammeln sich die fünfzig Mitreisenden, die mindestens ebenso international gemischt sind wie unsere Staff, am Frühstückstisch.

Damit uns ja nicht langweilig wird – und wir nicht einfach nur Albatrosse oder Sturmvögel sehen, die das Schiff begleiten, trägt Rinie, unser niederländischer „naturalist“, sehr kurzweilig höchst Interessantes zum Thema „Perfect Seabirds“ vor. Ab nun betrachten wir dieselben Vögel mit ganz anderen Augen …


(Fotos zur Drake Passage)



31. Dezember

Alle Vögel sind noch da …


… am nächsten Morgen – doch wir sind ein ganzes Stück weiter, in dem Bereich, der bereits zur Antarktis zählt, südlich des 60sten Breitengrades also. Die Sonne hält, was sie am Vorabend versprochen hat, der Wind treibt uns mit Stärke 7 vor sich her und wir erfahren mehr über die antarktische Konvergenzzone sowie über die Unterschiede zwischen Whiskey Ice und (Salt) Water Ice – auch letzteres kann, zumindest mental, besoffen machen …

Passend zum Thema tauchen in Höhe der Süd Shetlandinseln die ersten gigantischen Eis“berge“ auf, richtig: Eisfelder, Abbruchstücke des Wedellschelfs, – das Olympiastadion ist ein Schuhkarton dagegen, Helgoland könnte gerade passen …

Von einem „Ooooh“ zum nächsten „Aaah“ erfreuen uns Magellanpinguine, die gleich neben dem Schiff mit uns Verstecken spielen und, nicht weit entfernt, zieht ein Buckelwal selbigen nicht ein. Nicht schlecht, was der letzte Tag des alten Jahres noch alles aus der Kiste zaubert.


(Fotos zu den ersten Eisbergen)


(wikipedia zu Antarktische Halbinsel)






1. Januar

Nichts so schlimm, …


… für etwas gut, denn den ersten Landgang müssen wir in den Wind schreiben.
Nach einer kurzen Nacht finden wir uns in Brown Bluff, einer Bucht südlich von Hope Bay, vor Anker – Wolken verhängen die Steilküste, Gletscherfelder geben ein wenig Licht.
Während des Frühstücks frischt der Wind so auf, dass an eine Tour im Zodiac nicht zu denken ist. Also Anker lichten und bei strahlendem Sonnenschein weiter durch den Antarktischen Sund in die Wedell Sea, an Eisschollen vorbei, die mal eben anderthalb Kilometer lang, fast ebenso breit und gut sechzig Meter hoch sind – soviel zu dem Siebtel, das sie uns zeigen …

Vor Vega Island stoßen wir ins Packeis – statt Landgang. Dafür treffen wir auf Ross- und auf Krabbenfresserrobben, die sich einen Steinwurf weit von der Bordwand entfernt genüsslich den Bauch kratzen. Pinguine gestikulieren heftig über unseren Stahlkoloss und versuchen, ihn mit eindeutigen Armzeichen zum Halten zu bringen. Als Klügere geben sie nach und suchen das Weite – ganz in der Nähe ihrer Kolleginnen, die etwas gelassener auf größere Schiffe reagieren und sich allenfalls vor dem Wind auf den Bauch werfen.

Weil zwischen Vega und der Halbinsel des Eises wegen kein Durchkommen ist, kehren wir um. Im Sund bläst uns der Sturm heftig ins Gesicht – Abendessen statt Landgang.
Die Witterungsbedingungen bestimmen den Tagesplan, niemand sonst …


(Fotos aus dem Sund)

(wikipedia zu Robben)




2. Januar

Nix wie raus …


… ins Zodiac, um bei leichtem Regen den Eisbergen und den Pinguinen ein wenig näher zu kommen, die sich auf und um Astrolabe im Orléans Channel herumtreiben.
Doch starker Wind und hohe Dünung lassen uns den Ankerplatz wechseln, bevor wir endlich in die Boote können. Und dicht unter Land, besser: unter Eis, sehen wir, dass die Zügelpinguine einfach so heißen müssen. Vom harten (Über-)Leben der Pelzrobben, hier waren z.B. Weddell-Robben anzutreffen, erfahren wir etwas durch die wissenschaftlichen Vorträge – hier liegen sie nur faul auf den Eisschollen, lassen sich treiben oder schnarchen vor sich hin.

Mit paar Sonnenflecken auf dem Rücken sehen die Gletscher ebenso wie die eisbepackten Hügel gleich viel besser aus. Es ist auch nicht der Regen, der unseren Landgang auf Trinity Island mal wieder in Frage stellt – ein katabatischer Wind peitscht das Wasser, und das lässt sich so etwas nicht gefallen. Unsere „Expeditionsleiterin“, Delphine (sie heißt wirklich so), und die Crew auf der Brücke geben sich alle Mühe und finden mit viel Geduld ein ruhigeres Plätzchen. Erste Fußstapfen im antarktischen Schnee, wenn auch „nur“ auf einer Insel. In Mikkelsen Harbour warten schon unzählige Gentoo Pinguine (Eselspinguine) und eine Weddellrobbe. „Gar zu lieb“, wie ein Mitreisender meint. Recht hat er …


(Fotos zu Astrolabe)

(Fotos zu Trinity)




3. Januar

La lala la …


… hat Maurice Chevalier eigenen Aussagen nach immer dann gesungen, wenn ihm gerade der Text entfallen war – der Glückspilz, er hatte wenigstens einen. Uns gehen die Worte aus beim Betrachten der frühsommerlichen Winterlandschaften, der Eismassen, die sich in der Andvoord Bay an die Hänge schmiegen, der oft schroffen Ufer, der unzähligen Eissprenkel in der Bucht, der Pinguine und Robben am Strand und den sich ständig verändernden Ausblicken auf die Bergspitzen.

Nachdem wir aus Neko Harbour wieder ausgelaufen sind, werden die Passagen enger, das Wetter mit Nebel und Schneefall merklich schlechter und die Fahrt ob der zahlreichen Eisberge kritischer. Nicht kritisch genug, um den vorbei ziehenden, leicht verschleierten Brocken nicht etwas Mysthisches abgewinnen zu können.

Paradise Harbour heißt alleine von der Landschaft her zu Recht so, und der Landgang bei der derzeit unbemannten Forschungsstation Almirante Brown lässt uns zwar nicht auf Pinguine treffen, doch verschafft er dem Kopf ein wenig Ruhe. Im Schnee oberhalb der Bucht machen die Augen alle Luken dicht, nachdem in kurzer Zeit so viel Unterschiedliches auf sie eingestürmt ist. An Schlaf ist bei all dem Sehens- und Erlebenswerten nicht zu denken, außerdem ist hier rund um die Uhr hellichter Tag. Schlimmer als beim Tauchen …


(Fotos zu Neko Harbour)

(Designs von Cool&TheH2OGang)

(Fotos zu Paradise Habour)

(Fotos zu Abendstille)





4. Januar

Wenn die Sonne nicht untergeht, …


… muss mensch mit einem Sundowner nachhelfen, manchmal. Überwältigende Landschaften, die sich nicht mit dem Fotoapparat einfangen lassen, faszinierende Gebilde aus gefrorenem Wasser und bemerkenswert gut ausgestattete Vertreter der Tierwelt im LeMaire Channel und vor allem in der Plenau Bay lassen uns einfach nicht zu Wort kommen – klickt Euch selbst mal durch, wenn Ihr noch Eisberge und Robben sehen könnt …

Auf Petermann Island in der Gerlach Strait machen Gentoo- und Adéliepinguine einmal mehr deutlich, was friedliche Koexistenz unter den Bedingungen des (klimatisch) kalten Krieges heißt. Unsere Augen nutzen die Gelegenheit ihr und unsere Hirne die, jeweils ihr eigenes Ding zu machen. Das ersetzt keinen Schlaf, lässt jedoch ein weinig zur Ruhe kommen …

Am späten Nachmittag freuen sich die Jungs auf der ukrainischen Forschungsbasis Vernadsky Station über die Unterbrechung ihrer Alltagsroutine und führen uns bereitwillig durchs Haus. Der Bartender schenkt etwas gegen Skorbut, Depressionen und Schlaflosigkeit aus, das anderswo rezeptfrei als Malariaprophylaxe zu erwerben ist. Gegen ein Mittel mit solcher Breitbandwirkung ist nichts einzuwenden, zumal die Nebenwirkungen zu vernachlässigen sind …

… im Gegenteil, sie schärfen die Wahrnehmung des fehlenden Sonnenuntergangs und führen zu dem Schluss: Wenn die Sonne nicht untergeht, kann sie auch nicht aufgehen. Besser als umgekehrt …


(Fotos zum Eisdesign)

(Fotos zu Robben)

(wikipedia zu Seeleoparden)

(Fotos zu Adéliepinguinen)

(Fotos zur Vernadsky Station)



5. Januar

Screaming Sixties …


… sind in der zum Museum gewordenen Base A von Port Lockroy nicht so recht zu erleben, gibt es hier doch T-Shirts, Nippes und Bücher vor Sturm geschützt in geheizten Räumen gegen Kreditkarte zu kaufen.
Die Küchenausstattung und die high tech Geräte der Radio Station lassen einen dann in die Vorsechziger zurückfallen, als hier noch Klimaverhältnisse und Magnetfelder erforscht wurden, nicht die Kaufwünsche vagabundierender Touristen.

Allerdings haben die Freiwilligen die Geschichte der Basis mit allem Drum und Dran hervorragend aufbereitet – und nett präsentiert.

Den Gentoo Pinguinen scheint es wenig auszumachen, das wir über die Nester stolpern müssen, um vom Anleger zur Station zu gelangen – Geld stinkt nicht, sie selbst schon …

Im Neumayer Channel die Augen offen zu halten, fällt schwer, trotz der faszinierenden Landschaft und den Eisbergen, die scheinbar die enge Passage blockieren – zu grelle Sonne, zu wenig Schlaf. Da kommt die Landung auf Cuverville Island gerade recht: Kurze Wegstrecke, viel Bekanntes in aller Ruhe tief aufnehmen, sich am Strand unter den Pinguinen verlieren ...

Mutter Natur schickt uns kurz nach dem Anker lichten zwei mal zwei Buckelwale, die zu beiden Seiten des Schiffes gemächlich ihre Bahnen ziehen – und eine Crew auf der Brücke, die das ebenso genießen kann wie wir. Kaum dass wir uns am Buckeln, Blasen und Fluke zeigen satt gesehen haben, finden die beiden Paare mittschiffs zusammen und legen einen moderaten Vierer hin. Dass sie das zum ersten Mal vorführen, merken wir, weil die Synchronisation noch nicht ganz stimmt. Wir können ihre Kür Dank der Leute am Steuer und dem höchst flexiblen Küchenteam eine gute Stunde lang genießen. (link zum Video von Wim und Carolien)
Dann hat die Viererbande anderes zu tun. Sie taucht mal eben unter und lässt uns mit reichlich Gesprächsstoff zurück. Auch unsere Antarktis erfahrenen Wissenschaftler geraten ins Schwärmen: Solch eine Vorführung hat bisher noch keiner von ihnen erlebt – von wegen „in Ruhe ausschlafen“ …

Und weil die Sonne auch noch nicht schlafen geht, erinnern wir uns an die Pflicht, die uns im ersten Briefing auferlegt wurde …


(Fotos zur Station Port Lockroy)

(Fotos zu Cuverville – für die, die noch immer nicht genug haben von Pinguinen)



6. Januar

Von Walen und Qualen …


… zeugen die Hinterlassenschaften in Whalers Bay auf Deception Island.

Der zum Teil abgesunkene Vulkan, bereits zu den Süd Shetlandinseln zählend, birgt eine riesige Caldeira, die durch eine schiffbare Verbindung zum Meer zugänglich ist. Aus dem dunklen bis rostroten Sand ragen rostige Treibstofftanks, Tranöfen und arg lädierte Holzhäuser. Walverarbeitungsstation bis in die späten Dreißiger, (militärische) "Forschungsstation“ – Base B –, nach den Ascheregen und Schlammströmen zweier Eruptionen aufgegeben, wirkt dieser Platz nicht nur wegen des bedeckten Himmels recht düster, auch wenn uns hier nach „langer Zeit“ größere Flecken Mooses grün entgegen leuchten.

Den Chinstrappinguinen scheint das nichts auszumachen und den Pelzrobben ist der Strand gerade Recht, um auszuruhen.

Unser letzter Landgang vor dem Abheuern führt uns auf Barrientos in der Aitcho Inselgruppe. Ein Spaziergang über die Insel wird mit einem weiteren (nach all den vielen) Highlights belohnt: Hier schläft der Elefant persönlich …
Tonnen von noch nicht ganz erwachsenen männlichen See-Elefanten ruhen sich hier als Single, Pärchen oder in Jugendgangs aus und komplettieren unsere Sammlung „Robben in der Antarktis“. Ihre unbeholfenen Bewegungen an Land kompensieren sie mit eindrucksvollem Brüllen und elegantem Gleiten im Wasser – Macker eben …

Eine knappe halbe Stunde später sind wir in der Drake Passage und hoffen, dass Rasmus ähnlich milde mit uns verfährt wie während der Hinfahrt …


(Fotos zu Whalers Bay)

(wikipedia zu Walfang)

(Fotos zu Barrientos)








7. Januar, 17:28 h local time, …


… haben wir die Drake Passage bei fast ruhiger See zur Hälfte hinter uns, den versäumten Schlaf einigermaßen erfolgreich nachgeholt und Zeit gehabt, um über all das Erlebte zumindest ein wenig nachzudenken. Dennoch treiben die vielen Eindrücke wie ein frisch umgerührter Gemüseeintopf im Hirn umher – und munden auch nach dem vierten Aufwärmen um keinen Deut schlechter ... Gut vierzig Stunden verbleiben noch, bevor uns die Zivilisation in Ushuaia wieder hat.

Fest steht, dass dieser Teil der Reise auf diesem Schiff mit dieser fast familiären Crew und dieser fantastischen Staff an Guides so ziemlich zum Eindrucksvollsten gehört, das wir bisher erlebt haben, auch wenn wir Äpfel nicht mit Bananen vergleichen sollten …


Zur Nachahmung dringend empfohlen!


Bis demnächst

Panther & Co


"... beginning of everything ...!



… endet der Spruch auf der Mauer unterhalb des Museo Territorial.
Und der Blick über die Mole gibt dieser Behauptung nicht gerade unrecht. Am Tag vor unserer Abfahrt liegen allein vier Schiffe an der Pier, die allesamt abends Richtung Süden aufbrechen. Nur die „Infinity“ mit über 2.500 (sic!) Passagieren an Bord hat Punta Arenas zum Ziel.

Entsprechend „voll“ ist die Stadt. In der San Martin verdrängen die Kreuzfahrer die Einheimischen und tragen erheblich zur Steigerung des Bruttosozialprodukts bei.
Nur gut, dass die großen Boote ihre Passagiere selbst mit Gummistiefeln und Windjacken versorgen. So können wir nach dem „Hafenrundgang“ in unserem Hostal, das auch „Antarctic Equipment“ verleiht, die Botten, die wir für unsere Landgänge benötigen, in aller Ruhe ausprobieren: Fast alle Landungen werden Nasslandungen sein – Wanderschuhe sind da eher lästig …

Am späteren Abend, nachdem auch das letzte Schiff abgelegt hat, ist es dann wieder ruhig im Städtchen – bis zum nächsten Morgen, wenn wiederum vier (kleinere) Boote aus den südlichen Gewässern zurückkehren …



(Fotos zu beginning)





Freitag, Dezember 28, 2007

Vom Winde ...



… von wegen verweht, zerzaust, stehen die Bäume nicht nur im Nationalpark, sondern auch an den Ufern des Beagle-Kanals und auf den Höhen um die Estancia Harberton rum.

Auf diese Ranch zog sich Thomas Bridges vor über hundert Jahren zurück, nachdem es an den Yamanas mangels Masse (geraubte Nahrungsgrundlagen – Wale und Seelöwen –, Masern, Lungenentzündung und TBC, alles aus Europa importiert …) nichts mehr zu missionieren gab. Einen Genozid, wie ihn Chatwin und Theroux herbeidichten, gab es nicht, wohl eine zynische Gleichgültigkeit gegenüber den „natürlichen“ Todesursachen der Ureinwohner. Trotz all seiner Bemühungen aus gewiss höchst hehren Absichten gelang es Bridge nicht, die Yamanas vor dieser Art von Infektionen zu schützen …

Die Estancia hat sich im Vergleich zu historischen Fotos und Zeichnungen von dunnemals mindestens so verändert wie Willi im Vergleich zu seinem Konterfei in seinem Urführerschein - ohne Erläuterung läuft nix … Auch will dem Jungen aus dem Westerwald nicht in den Kopf, „… warum mensch hier bei diesem Wetter, diesem Wind, in dieser entlegenen Gegend eine Farm aufmachen muss …“ – Vielleicht sollte die nächste Reise auf die Hebriden führen …

Gewiss, die dreistündige Bootstour von Uhuaia aus ist nicht unspannend. Die Landschaft wirkt höchst interessant und bereisenswert – mit dem Retourticket in der Tasche … Selbst der dezente Hauch von Seelöwenkolonie, mit denen der Ostwind die Nasenschleimhäute ätzt, ist zu verkraften, sobald mensch die Säuger endlich dichte bei beobachten kann. Auch macht der dunkle Himmel seine Drohung mit Regen nicht wahr, sondern hält sich so lange zurück, bis wir in unserer warmen Hütte sind.

Mal sehen, aller guten Dinge sind DREI – am Samstag schippern wir über den Kanal Richtung Osten, bevor wir nach Süden zum Kap Hoorn drehen …


DIES DÜRFTE FÜR DIE NÄCHSTEN VIERZEHN TAGE DER LETZTE BLOG SEIN, WEIL DIE DIGITALE KOMMUNIKATION VOM SCHIFF AUS HÖLLISCH TEUER IST …


… von wegen Handy, Micha, IRIDIUM ist angesagt …

…kommt also gut ins Neue Jahr und geduldet Euch bis zum 11. Januar, dann spendiert uns Kempinsky Buenos Aires gewiss einen Internetanschluss …

panther & co



(Fotos zu Beagle 2)


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Dienstag, Dezember 25, 2007

Heiligabend ...



… am Ende der Welt – zu glauben nur beim Blick in den Kalender. Ansonsten werden Erinnerungen wach an Adelaide – sommerliche Temperaturen, Sonnenuntergang hier gegen 22:10 Uhr, keine blinkenden Lichterketten, keine Hektik in den Straßen, Weihnachtsmänner under cover etc.


Schaut selbst …


Euch allen ganz herzlichen Dank für die Grüße und die Guten Wünsche!

panther & co




Weihnachtsspaziergang …


… in Feuerland, bei starkem Wind und 22 Grad im (Wind)Schatten durch Ebenen und Hochmoore bis zur Biberburg, Vogelgezwitscher und Kaninchen, die genüsslich ihren Festtagsschmaus in den Sumpfwiesen einnehmen …

Montag, Dezember 24, 2007

In Feuerland ...



… da brennt nix an, nicht einmal der Sonnenschein. Der lockt einen aus der Falle, begleitet einen zum Frühstück, setzt einen in den Bus zum Nationalpark und dann, schwups, ist er weg und lässt einen alleine – na gut, nicht im Regen stehen, doch bei bedecktem Himmel einen wunderschönen Pfad an der Küste bergauf, bergab, durch immergrüne Wälder und immer feuchte Sumpfwiesen wandern.

Gewiss, Sonne im Bild hätte uns zu mehr und anderen Fotos animiert, doch gerade das trübe Wetter, der Wind, der an allem zaust, sobald man aus dem Schatten der Wälder heraus tritt, Wolken, die nicht ziehen, sondern jagen, passen hervorragend in das Bild, das wir uns von dieser Gegend gemacht haben.

Und zwischen all den urwaldähnlich verbliebenen Gehölzen finden sich hin und wieder Spuren ehemaliger oder aktueller menschlicher Besiedlung – ob die Pfahlstümpfe ehemaliger Fundamente, die Reste einer Holzverschalung, mit der ein Brunnen eingefasst war oder genüsslich weidende Pferde mit frischen Brandzeichen … Dass hier Menschen lebten lange bevor sich die Weißen breit machten, erfährt man beim Besuch des kleinen Museums Yamana in Ushuaia.



(Fotos zur Costera-Wanderung)

(wikipedia zum Nationalpark)
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(Touren um Ushuaia)

Sonntag, Dezember 23, 2007

Stille Nacht allerseits ...



… und ein besinnliches, gut verträgliches Weihnachtsfest voller bekömmlicher Tage auch in der erweiterten Familie und frei von Völlegefühlen jedweder Art.

Wo es schon so nah ist: Ein erlebnisreiches NEUES JAHR, an das Ihr in zwölf Monaten gerne „zurück“ denkt, verbunden mit einem gelungenen Guten Rutsch ins selbige.


Ganz herzliche Grüße aus dem kalten Süden in den kalten Norden von

Panther & Co

Wir sind am Ende ...



… der Welt angekommen, jedenfalls fast (54°48'S; 68°18'W), gerade rechtzeitig zum Ende des Jahres und kurz vor dem Ende unserer Reise – so wie von Anfang an geplant.

Dass wir mit Ushuaia (ihrem Verständnis nach die südlichste Stadt der Welt) in einer recht quirligen, kleinen Hafenstadt gelandet sind, merken wir allenfalls beim Flanieren durch die San Martin, der hiesigen Friedrichstraße – paar Blocks weiter ist der Hund verfroren, so wie in ...
Ähnlich wie ihre Schwestern, die „erst vor kurzem“ gegründet wurden, ist diese Ansiedlung ästhetisch alles andere als schön. Dafür umwirbt sie lebhaft mit anspruchsvollen Läden, kompetenten Tourunternehmen und liebenswürdigen Menschen den Fremden. Bars, Cafés und Restaurants, von Hotels ganz zu schweigen, decken die Bandbreite aller Geldbeutel, Geschmäcker und Vorlieben ab und geben sich von bieder über gemütlich / nett bis verrrucht. Mit ein wenig Sonne am Himmel kann man es hier gut aushalten – für eine Woche oder so …


(allererster Eindruck von Ushuaia)

(wikipedia zur Provinz Tierra del Fuego)



Törn over …


… und danach nicht ernsthaft nass zu sein, ist auch den richtigen Klamotten zu verdanken. Hätten wir uns auf die lachende Morgensonne verlassen, unter der wir die nachmittägliche Segeltour auf dem Beaglekanal klar machten, wir wären nass wie die Katzen in unsere Hütte geschlichen.

Bei bedecktem Himmel und leichtem Nordwest werfen wir die Leinen los und lassen uns mit gerefften Segeln zur „Isla H“, des südlichsten Fleckchens argentinischen Lands, schippern, um dort „exklusiv“ mit sechs anderen Passagieren feuerländische Flora und Fauna zu durchwandern.
Blühende Pflanzen, die keine Weihnachtssterne sind, tragen wenig dazu bei, christkindliche Gefühle aufkeimen zu lassen … Und die Falken, die wenige Meter oberhalb der Kormorannester nur darauf lauern, dass die Eltern ob großen Hungers mal kurz ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkämen, erinnen eher an die Schergen des Herodes denn an friedvolle Weihnachtstage …

Zurück an Deck, macht auch das Wetter keinen wirklich friedlichen Eindruck: Die nördliche Küste ist in Wolken und im Regen verschwunden. Die Seelöwen, die ihren Felsen "Isla del Lobos" friedlich mit den Kormoranen teilen, scheint das alles wenig zu stören. Die Heuler machen ihrem Namen alle Ehre, die Macker flezen sich zwischen ihren Kühen und der Wind frischt heftig auf.

„Hart am Wind“ (Danke, Bernhard, hat Willi von Dir) laufen wir zurück – und holen fässerweise Wasser über. Spannend und feucht für eine gute dreiviertel Stunde ist’s an Deck, dazu frische Luft, der Windmesser zeigt 32 (!) Knoten (!) - kein Latein.

Zurück an der Mole pellen wir uns aus unseren nassen Regenklamotten – mit trockenem Fell. Unsere Mitsegler, die weder Bernhard noch Tschibo kennen, triefen aus den Hosenbeinen und streben eiligst ihren heißen Duschen zu.

Wir gönnen uns ein gutes Abendessen, bevor wir genussvoll in unsere Badewanne mit Spa gleiten, den Rotwein (ja, ja, gilt auch für Willi, der isst ja schließlich auch Barbaras Nougatschokolade, wenn gerade keine andere Sorte naschbar ist …) wohl temperiert, und geben uns den Planungen des nächsten Tages hin …


(Fotos zum Törn)

(wikipedia zu Feuerland)



Donnerstag, Dezember 20, 2007

... dann drei, dann vier, ...



… dann … Doch angesichts strahlender Ginsterbüsche, blühender Lupinen und Flecken gelber Rapsfelder kommen Zweifel auf, wer denn wohl dann vor der Tür stehen wird. Auch fehlen die Dominosteine, das Schmuddelwetter und jenes Gedudel in einschlägig dafür bekannten Straßenabschnitten, die uns an den bevorstehenden Weihnachtsmann glauben lassen.
Auch vermischen sich hier nicht die Düfte frisch gebrannter Mandeln oder freizügig ausgeschenkten Glühweins mit den Abgasen von Oldtimern jenseits aller Euronorm. Kein Hauch von Hektik in den Straßen, keine Tragetaschen mit weihnachtlichen Motiven; nicht mal die Post mahnt, Grußkarten und Päckchen möglichst frühzeitig aufzugeben …

Doch, es gibt verschämte Hinweise auf jenes Fest: Den Sturz oberhalb des Tresens unseres „Lieblings“restaurants ziert seit gestern eine Kette Tannengrün - Made by Bayer, über den Schultern der ausgestellten T-Shirts „I did it“ sind kunstvoll bunte Lamettastreifen geworfen (dem Dekoratör ist nix zu schwör) und an Türklinken, von Punktstrahlern und Fensterstürzen baumeln rote Geschenkschleifchen, die, hätten sie keine güldene Borte, eher an die Aidshilfe denn an das bevorstehende Fest der Liebe erinnerten. Und die fünf, sechs Plakate, auf denen irgendein Weihnachtsmann für günstige Kredite oder sonstige Sonderangebote wirbt, erinnern eher an vergessene Relikte lange zurück liegender Landtagswahlkämpfe.

So neigt sich für uns die Adventszeit friedlich wie lange nicht mehr dem Ende zu – herrlich, wenn mensch an Manches erst gar nicht großartig erinnert wird. Es gibt bestimmt noch Vieles, ohne dass sich gut klarkommen ließe, auch wenn es das nicht gäbe …

… Schule zum Beispiel …




(gewisse
Reminiszenzen …)

Wenn es den Eseln zu wohl ist, ...



… gehen sie aufs Eis, unter fachkundiger Anleitung selbstverständlich und mit Steigeisen an den Füßen.

Der Perito Moreno wärmt sich in der Spätfrühlingssonne und strahlt alle die heiteren Gesichter an, die sich per Boot nähern, um ihm auf die Pelle zu rücken. Nach einem warmen Empfang on the rocks und ein paar Metern durch Wald und über geschliffene Felsen folgen gletscherwissenschaftliche Ausführungen. So wird uns klar, auf wen oder was wir unsere Füße setzen ...

… zunächst einmal auf ein Holzbänkchen, wo unser „bedingt steigeisenfestes“ Schuhwerk mit eben jenen Hilfsmitteln verzurrt wird, die das Gehen auf dem Eis nicht zu einer Rutschpartie werden lassen (sollen).

Und los geht’s über Buckel, Spalten, Rinnsale (auch der Gletscher schwitzt in der sommerlichen Wärme), die gurgelnd in „Gletschermühlen“ verschwinden. Sobald wir uns ein wenig eingelaufen haben und die sorgsam vorgeführten Techniken beim Steigen wie beim Absteigen annähernd beherrschen, fordern unsere beiden Vorsteigerinnen ein wenig mehr.
Die nicht immer ganz einfache Kraxelei lohnt der grandiosen Aus- und Rundumblicke wegen. Viel zu früh geht es zurück auf „Los“. Dabei verabschiedet uns an der „Schloßstraße“ Jim Beam - on the rocks.

Auf dem Rückweg setzt der Moreno noch eins drauf: Unter kräftigem Getöse schubst er riesige Stücke von sich ins Wasser – und schlägt damit hohe Wellen.




(Fotos zum
Minitrekking)

(Moreno mal
anders)


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Mittwoch, Dezember 19, 2007

Von hinten auf den Hund ...

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… stürzten sich die Weihen im Vogelreservat El Calafates, um Bruno, eine der 678 üblicherweise in den Straßen des Ortes berbermäßig friedlich herumlungernden Tölen aus ihrem Jagd- und Nistgebiet zu vertreiben.


Die Rudeltiere, die sich jedem Zweibeiner anschließen, der ihnen völlig unabsichtlich einen nicht abweisenden Blick zugeworfen hat, und die ihm scheinbar unbeteiligt und uneigennützig bis vor die Pforten eines Supermarktes oder einer Bar folgen, um, je nach Geduld, auf ihn zu warten oder jedweden an seiner Stelle auf die Straße tretenden Menschen in der Hoffnung auf ein paar Streicheleinheiten (nicht nur der Mensch lebt nicht von Brot allein) für die nächsten Meter zu begleiten, haben eher nichts in diesem Gebiet zu suchen, in dem zwar Kühe und Pferde die Feuchtwiesen ebenso genießen dürfen wie die Zugvögel der nördlichen Hemisphäre, Haustiere, auch wenn es Straßenköter sind, jedoch höchst unerwünscht sind.

Bruno also schloss sich all den Vogelbeobachtern an, die gerade am nächsten standen oder gingen und übte sich gelegentlich in der Verfolgung von Karnickeln – allein, es fehlte ihm die Kondition. Dass er dabei gefährlich nahe an den Nestern der Weihen vorbei streifte, ärgerte die Greife gewaltig – und bot uns Zuschauern spannende Flugmanöver …
Die Paare, die sich Augenblicke zuvor heftigen Streit um Jagdgründe und die besten „Aussichtspunkte“ lieferten, attackierten abwechselnd den vierbeinigen Eindringling und widmeten sich erst wieder ihren Streitigkeiten, als Bruno schon lange das Weite gesucht hatte – ein Stück aus dem wirklichen Leben also …

Nach den majestätisch ausgewogenen Bewegungen der Kondore mithin „echte Äktschn“ …



(Fotos zu
Brunos Störungen)


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Dienstag, Dezember 18, 2007

Keine Sonne über Capri, ...

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… die am Abend hätte rot im blauen Meer versinken können –
weil es kein Meer gibt, sondern „nur“ einen See, der allerdings so malerisch (wenn es die Wolkendecke zuließe) gelegen ist, dass er jedes altdeutsche Wohnzimmer und viele „Kellerstübl“ der sechziger Jahre geschmückt hätte und weil sich der patagonische Himmel mal wieder vor lauter Selbstmitleid stundenlang ausheult.

Unsere Salzburger, die mal eben zum Abendessen von El Calafate rübergekommen sind, taten vielleicht recht, mit dem nächsten Bus dem Regen zu entfliehen, der in einer Nacht aus der Hauptstraße, der Avenida, eine "Laguna" San Martin machte.

Wir hingegen geben dem Himmel und Jack Wolfskin eine Chance und brechen unter tief hängenden Wolken und Nieselregen zum Lago Capri auf. Der Weg führt zunächst steil bergan und gibt Blicke frei auf das breite Tal des Rio de las Vueltas. Durch Blaubeerfelder und Niroswälder gelangen wir zum Mirador Fitz Roy. Den könnte man von hier aus sehen, wenn es denn die Wolkendecke zuließe – Jack hat seine Chance genutzt und uns nicht nass werden lassen – der Himmel vergibt sie … Doch nicht ganz. Hin und wieder reißt es ein wenig auf, so dass man dem Massiv unters Röckchen schauen kann und den Gletscher für einige Finger breit erahnt.

Am Lago Capri macht der Himmel dann endgültig (patagonisch gesehen) dicht. Kein Fischer, keine Sonne.

Kurz vorm Abstieg zum Ort, eine halbe Stunde vor dem ersten Bier, nutzt dann der Himmel seine Chance – und reißt auf. Jack Wolfskin kann einpacken, wir nicht, wir bleiben …

… und steigen am Abend unter einem blanken blauen Himmel auf den „Hausberg“, um den Fitz Roy im letzten Sonnenlicht strahlen zu sehen.


(Fotos zur
Wanderung nach Capri)









Noch blau von gestern Abend …


… zeigt sich der Himmel heute früh – den Engeln sei Dank – und fordert uns, die Sonne im Rücken, entschieden zum zweiten Versuch auf, dem Fitz Roy etwa näher zu kommen. Unsere Wanderschuhe kennen noch den Weg von gestern – ihnen können wir früh am Morgen das Laufen überlassen, zumal die Pfützen deutlich kleiner geworden und die Bohlen über den Bächen nicht mehr rutschig sind – wir übernehmen so lange das Wachwerden.
Die Miradores machen ihrem Namen Ehre, Gevatter Wind hält sich ab dem ersten Märchenwald zurück und der
Fitz Roy strahlt uns nach einer guten Stunde so was von entgegen, dass wir uns ohne Rast dem Ansichtskartenmotiv nähern.

Zu seinen Füßen gesellt sich Sr. El Viento wieder zu uns, lässt jedoch ausgiebige Blicke auf das Massiv zu und treibt uns von hinten durch Niroswäldchen, über Feuchtwiesen und eine Ahnung von Tundra an „Mutter & Kind“ (Lagos Madre y Hijo) vorbei durch weitere Märchenwälder zu einem Hang, von dem aus der Abstieg zum Camino del Lago Torre mindestens so viel Kraft kostet wie der morgendliche Aufstieg – von wegen potentielle Energie, die sich („mit einem Schubs“) in kinetische verwandelt. Hier verbrauchen Auf- wie Abstieg eine Menge (kinetischer) Energie.

Ein kleiner Teil davon kann nach der Rückkehr in den Ort in der einen oder anderen Bar wieder als potentielle physisch wie psychisch ergänzt werden …


(Fotos zur
Wanderung zum Fitz Roy)




Sahnehäubchen …


… sollte der Blick auf den wolkenfreien
Cerro Torre für unsere Wandertouren hier um El Chalten sein. Doch zunächst ist für gut zwei Stunden steilen Anstiegs Fastenzeit angesagt – steinig ist der Weg und steil und er führt nicht geradewegs ins Himmelreich, sondern durch Bergwälder und, zum Verschnaufen, durch Frühlingswiesen, die „freie Sicht“ auf den Fitz Roy versprechen – der lässt auch Schritt für Schritt die Wolkenhüllen fallen.

Nur der Torre hält sich beharrlich bedeckt, vielleicht eine Ahnung von Felsnadel, wenn die Sonne den Wattebausch ein wenig auflockert.
Auf einer Lichtung endlich, kurz vorm Mirador Tumbado, zerzaust ihm der Wind sein Röckchen und gibt den Blick frei auf den eisigen Zuckerguss, der über das Spitzenviertel „des schönsten Berges Patagoniens“ geträufelt worden ist. Seine Nachbarn haben ebenfalls genug vom „Versteckspielchen“ – sicheres Zeichen für uns, umzukehren und der Auffrischung potentieller Energien zuzustreben …

Beim Abstieg begleitet uns der Anblick der beiden Massive, wolkenfrei – wenn das nicht die frühen Mühen gelohnt hat. Der local beer dealer jedenfalls zeigt vollstes Verständnis …


(Fotos zur
Wanderung zum Tumbado)




Da fliegen die Späne, …


… wenn ein solcher Rotschopf mit seinem spitzen Schnabel beitelartig durch die Borke dringt – nachzulesen bei Tom Robbins „Still life with woodpecker“ …

Am siebten Tag uns und dem Wandergebiet ein wenig Ruhe zu gönnen, ist die hehre Absicht, die uns durch die Ebene zum Chorillo del Salto führt. Mutter Natur bedankt sich gebührend, indem sie ihre Hasen auf die Wiese schickt, die Kondore in die Felswände lockt und ganz zum Schluss Woody Woodpecker eine Abschiedsvorstellung in Sachen Holzbearbeitung aufträgt – er bietet die Nummer glänzend dar und lässt sich von uns backstage Gästen kein bisschen beeindrucken …

Nach einer Woche Wandern bei allen Wettern qualmen die Socken – ein wenig Pflastertreten dürfte da nicht schaden.


(Fotos zur
Wanderung zum Salto)


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