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Freitag, Dezember 28, 2007

Vom Winde ...



… von wegen verweht, zerzaust, stehen die Bäume nicht nur im Nationalpark, sondern auch an den Ufern des Beagle-Kanals und auf den Höhen um die Estancia Harberton rum.

Auf diese Ranch zog sich Thomas Bridges vor über hundert Jahren zurück, nachdem es an den Yamanas mangels Masse (geraubte Nahrungsgrundlagen – Wale und Seelöwen –, Masern, Lungenentzündung und TBC, alles aus Europa importiert …) nichts mehr zu missionieren gab. Einen Genozid, wie ihn Chatwin und Theroux herbeidichten, gab es nicht, wohl eine zynische Gleichgültigkeit gegenüber den „natürlichen“ Todesursachen der Ureinwohner. Trotz all seiner Bemühungen aus gewiss höchst hehren Absichten gelang es Bridge nicht, die Yamanas vor dieser Art von Infektionen zu schützen …

Die Estancia hat sich im Vergleich zu historischen Fotos und Zeichnungen von dunnemals mindestens so verändert wie Willi im Vergleich zu seinem Konterfei in seinem Urführerschein - ohne Erläuterung läuft nix … Auch will dem Jungen aus dem Westerwald nicht in den Kopf, „… warum mensch hier bei diesem Wetter, diesem Wind, in dieser entlegenen Gegend eine Farm aufmachen muss …“ – Vielleicht sollte die nächste Reise auf die Hebriden führen …

Gewiss, die dreistündige Bootstour von Uhuaia aus ist nicht unspannend. Die Landschaft wirkt höchst interessant und bereisenswert – mit dem Retourticket in der Tasche … Selbst der dezente Hauch von Seelöwenkolonie, mit denen der Ostwind die Nasenschleimhäute ätzt, ist zu verkraften, sobald mensch die Säuger endlich dichte bei beobachten kann. Auch macht der dunkle Himmel seine Drohung mit Regen nicht wahr, sondern hält sich so lange zurück, bis wir in unserer warmen Hütte sind.

Mal sehen, aller guten Dinge sind DREI – am Samstag schippern wir über den Kanal Richtung Osten, bevor wir nach Süden zum Kap Hoorn drehen …


DIES DÜRFTE FÜR DIE NÄCHSTEN VIERZEHN TAGE DER LETZTE BLOG SEIN, WEIL DIE DIGITALE KOMMUNIKATION VOM SCHIFF AUS HÖLLISCH TEUER IST …


… von wegen Handy, Micha, IRIDIUM ist angesagt …

…kommt also gut ins Neue Jahr und geduldet Euch bis zum 11. Januar, dann spendiert uns Kempinsky Buenos Aires gewiss einen Internetanschluss …

panther & co



(Fotos zu Beagle 2)


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Dienstag, Dezember 25, 2007

Heiligabend ...



… am Ende der Welt – zu glauben nur beim Blick in den Kalender. Ansonsten werden Erinnerungen wach an Adelaide – sommerliche Temperaturen, Sonnenuntergang hier gegen 22:10 Uhr, keine blinkenden Lichterketten, keine Hektik in den Straßen, Weihnachtsmänner under cover etc.


Schaut selbst …


Euch allen ganz herzlichen Dank für die Grüße und die Guten Wünsche!

panther & co




Weihnachtsspaziergang …


… in Feuerland, bei starkem Wind und 22 Grad im (Wind)Schatten durch Ebenen und Hochmoore bis zur Biberburg, Vogelgezwitscher und Kaninchen, die genüsslich ihren Festtagsschmaus in den Sumpfwiesen einnehmen …

Montag, Dezember 24, 2007

In Feuerland ...



… da brennt nix an, nicht einmal der Sonnenschein. Der lockt einen aus der Falle, begleitet einen zum Frühstück, setzt einen in den Bus zum Nationalpark und dann, schwups, ist er weg und lässt einen alleine – na gut, nicht im Regen stehen, doch bei bedecktem Himmel einen wunderschönen Pfad an der Küste bergauf, bergab, durch immergrüne Wälder und immer feuchte Sumpfwiesen wandern.

Gewiss, Sonne im Bild hätte uns zu mehr und anderen Fotos animiert, doch gerade das trübe Wetter, der Wind, der an allem zaust, sobald man aus dem Schatten der Wälder heraus tritt, Wolken, die nicht ziehen, sondern jagen, passen hervorragend in das Bild, das wir uns von dieser Gegend gemacht haben.

Und zwischen all den urwaldähnlich verbliebenen Gehölzen finden sich hin und wieder Spuren ehemaliger oder aktueller menschlicher Besiedlung – ob die Pfahlstümpfe ehemaliger Fundamente, die Reste einer Holzverschalung, mit der ein Brunnen eingefasst war oder genüsslich weidende Pferde mit frischen Brandzeichen … Dass hier Menschen lebten lange bevor sich die Weißen breit machten, erfährt man beim Besuch des kleinen Museums Yamana in Ushuaia.



(Fotos zur Costera-Wanderung)

(wikipedia zum Nationalpark)
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(Touren um Ushuaia)

Sonntag, Dezember 23, 2007

Wir sind am Ende ...



… der Welt angekommen, jedenfalls fast (54°48'S; 68°18'W), gerade rechtzeitig zum Ende des Jahres und kurz vor dem Ende unserer Reise – so wie von Anfang an geplant.

Dass wir mit Ushuaia (ihrem Verständnis nach die südlichste Stadt der Welt) in einer recht quirligen, kleinen Hafenstadt gelandet sind, merken wir allenfalls beim Flanieren durch die San Martin, der hiesigen Friedrichstraße – paar Blocks weiter ist der Hund verfroren, so wie in ...
Ähnlich wie ihre Schwestern, die „erst vor kurzem“ gegründet wurden, ist diese Ansiedlung ästhetisch alles andere als schön. Dafür umwirbt sie lebhaft mit anspruchsvollen Läden, kompetenten Tourunternehmen und liebenswürdigen Menschen den Fremden. Bars, Cafés und Restaurants, von Hotels ganz zu schweigen, decken die Bandbreite aller Geldbeutel, Geschmäcker und Vorlieben ab und geben sich von bieder über gemütlich / nett bis verrrucht. Mit ein wenig Sonne am Himmel kann man es hier gut aushalten – für eine Woche oder so …


(allererster Eindruck von Ushuaia)

(wikipedia zur Provinz Tierra del Fuego)



Törn over …


… und danach nicht ernsthaft nass zu sein, ist auch den richtigen Klamotten zu verdanken. Hätten wir uns auf die lachende Morgensonne verlassen, unter der wir die nachmittägliche Segeltour auf dem Beaglekanal klar machten, wir wären nass wie die Katzen in unsere Hütte geschlichen.

Bei bedecktem Himmel und leichtem Nordwest werfen wir die Leinen los und lassen uns mit gerefften Segeln zur „Isla H“, des südlichsten Fleckchens argentinischen Lands, schippern, um dort „exklusiv“ mit sechs anderen Passagieren feuerländische Flora und Fauna zu durchwandern.
Blühende Pflanzen, die keine Weihnachtssterne sind, tragen wenig dazu bei, christkindliche Gefühle aufkeimen zu lassen … Und die Falken, die wenige Meter oberhalb der Kormorannester nur darauf lauern, dass die Eltern ob großen Hungers mal kurz ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkämen, erinnen eher an die Schergen des Herodes denn an friedvolle Weihnachtstage …

Zurück an Deck, macht auch das Wetter keinen wirklich friedlichen Eindruck: Die nördliche Küste ist in Wolken und im Regen verschwunden. Die Seelöwen, die ihren Felsen "Isla del Lobos" friedlich mit den Kormoranen teilen, scheint das alles wenig zu stören. Die Heuler machen ihrem Namen alle Ehre, die Macker flezen sich zwischen ihren Kühen und der Wind frischt heftig auf.

„Hart am Wind“ (Danke, Bernhard, hat Willi von Dir) laufen wir zurück – und holen fässerweise Wasser über. Spannend und feucht für eine gute dreiviertel Stunde ist’s an Deck, dazu frische Luft, der Windmesser zeigt 32 (!) Knoten (!) - kein Latein.

Zurück an der Mole pellen wir uns aus unseren nassen Regenklamotten – mit trockenem Fell. Unsere Mitsegler, die weder Bernhard noch Tschibo kennen, triefen aus den Hosenbeinen und streben eiligst ihren heißen Duschen zu.

Wir gönnen uns ein gutes Abendessen, bevor wir genussvoll in unsere Badewanne mit Spa gleiten, den Rotwein (ja, ja, gilt auch für Willi, der isst ja schließlich auch Barbaras Nougatschokolade, wenn gerade keine andere Sorte naschbar ist …) wohl temperiert, und geben uns den Planungen des nächsten Tages hin …


(Fotos zum Törn)

(wikipedia zu Feuerland)