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Donnerstag, Dezember 20, 2007

Wenn es den Eseln zu wohl ist, ...



… gehen sie aufs Eis, unter fachkundiger Anleitung selbstverständlich und mit Steigeisen an den Füßen.

Der Perito Moreno wärmt sich in der Spätfrühlingssonne und strahlt alle die heiteren Gesichter an, die sich per Boot nähern, um ihm auf die Pelle zu rücken. Nach einem warmen Empfang on the rocks und ein paar Metern durch Wald und über geschliffene Felsen folgen gletscherwissenschaftliche Ausführungen. So wird uns klar, auf wen oder was wir unsere Füße setzen ...

… zunächst einmal auf ein Holzbänkchen, wo unser „bedingt steigeisenfestes“ Schuhwerk mit eben jenen Hilfsmitteln verzurrt wird, die das Gehen auf dem Eis nicht zu einer Rutschpartie werden lassen (sollen).

Und los geht’s über Buckel, Spalten, Rinnsale (auch der Gletscher schwitzt in der sommerlichen Wärme), die gurgelnd in „Gletschermühlen“ verschwinden. Sobald wir uns ein wenig eingelaufen haben und die sorgsam vorgeführten Techniken beim Steigen wie beim Absteigen annähernd beherrschen, fordern unsere beiden Vorsteigerinnen ein wenig mehr.
Die nicht immer ganz einfache Kraxelei lohnt der grandiosen Aus- und Rundumblicke wegen. Viel zu früh geht es zurück auf „Los“. Dabei verabschiedet uns an der „Schloßstraße“ Jim Beam - on the rocks.

Auf dem Rückweg setzt der Moreno noch eins drauf: Unter kräftigem Getöse schubst er riesige Stücke von sich ins Wasser – und schlägt damit hohe Wellen.




(Fotos zum
Minitrekking)

(Moreno mal
anders)


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Dienstag, Dezember 18, 2007

Keine Sonne über Capri, ...

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… die am Abend hätte rot im blauen Meer versinken können –
weil es kein Meer gibt, sondern „nur“ einen See, der allerdings so malerisch (wenn es die Wolkendecke zuließe) gelegen ist, dass er jedes altdeutsche Wohnzimmer und viele „Kellerstübl“ der sechziger Jahre geschmückt hätte und weil sich der patagonische Himmel mal wieder vor lauter Selbstmitleid stundenlang ausheult.

Unsere Salzburger, die mal eben zum Abendessen von El Calafate rübergekommen sind, taten vielleicht recht, mit dem nächsten Bus dem Regen zu entfliehen, der in einer Nacht aus der Hauptstraße, der Avenida, eine "Laguna" San Martin machte.

Wir hingegen geben dem Himmel und Jack Wolfskin eine Chance und brechen unter tief hängenden Wolken und Nieselregen zum Lago Capri auf. Der Weg führt zunächst steil bergan und gibt Blicke frei auf das breite Tal des Rio de las Vueltas. Durch Blaubeerfelder und Niroswälder gelangen wir zum Mirador Fitz Roy. Den könnte man von hier aus sehen, wenn es denn die Wolkendecke zuließe – Jack hat seine Chance genutzt und uns nicht nass werden lassen – der Himmel vergibt sie … Doch nicht ganz. Hin und wieder reißt es ein wenig auf, so dass man dem Massiv unters Röckchen schauen kann und den Gletscher für einige Finger breit erahnt.

Am Lago Capri macht der Himmel dann endgültig (patagonisch gesehen) dicht. Kein Fischer, keine Sonne.

Kurz vorm Abstieg zum Ort, eine halbe Stunde vor dem ersten Bier, nutzt dann der Himmel seine Chance – und reißt auf. Jack Wolfskin kann einpacken, wir nicht, wir bleiben …

… und steigen am Abend unter einem blanken blauen Himmel auf den „Hausberg“, um den Fitz Roy im letzten Sonnenlicht strahlen zu sehen.


(Fotos zur
Wanderung nach Capri)









Noch blau von gestern Abend …


… zeigt sich der Himmel heute früh – den Engeln sei Dank – und fordert uns, die Sonne im Rücken, entschieden zum zweiten Versuch auf, dem Fitz Roy etwa näher zu kommen. Unsere Wanderschuhe kennen noch den Weg von gestern – ihnen können wir früh am Morgen das Laufen überlassen, zumal die Pfützen deutlich kleiner geworden und die Bohlen über den Bächen nicht mehr rutschig sind – wir übernehmen so lange das Wachwerden.
Die Miradores machen ihrem Namen Ehre, Gevatter Wind hält sich ab dem ersten Märchenwald zurück und der
Fitz Roy strahlt uns nach einer guten Stunde so was von entgegen, dass wir uns ohne Rast dem Ansichtskartenmotiv nähern.

Zu seinen Füßen gesellt sich Sr. El Viento wieder zu uns, lässt jedoch ausgiebige Blicke auf das Massiv zu und treibt uns von hinten durch Niroswäldchen, über Feuchtwiesen und eine Ahnung von Tundra an „Mutter & Kind“ (Lagos Madre y Hijo) vorbei durch weitere Märchenwälder zu einem Hang, von dem aus der Abstieg zum Camino del Lago Torre mindestens so viel Kraft kostet wie der morgendliche Aufstieg – von wegen potentielle Energie, die sich („mit einem Schubs“) in kinetische verwandelt. Hier verbrauchen Auf- wie Abstieg eine Menge (kinetischer) Energie.

Ein kleiner Teil davon kann nach der Rückkehr in den Ort in der einen oder anderen Bar wieder als potentielle physisch wie psychisch ergänzt werden …


(Fotos zur
Wanderung zum Fitz Roy)




Sahnehäubchen …


… sollte der Blick auf den wolkenfreien
Cerro Torre für unsere Wandertouren hier um El Chalten sein. Doch zunächst ist für gut zwei Stunden steilen Anstiegs Fastenzeit angesagt – steinig ist der Weg und steil und er führt nicht geradewegs ins Himmelreich, sondern durch Bergwälder und, zum Verschnaufen, durch Frühlingswiesen, die „freie Sicht“ auf den Fitz Roy versprechen – der lässt auch Schritt für Schritt die Wolkenhüllen fallen.

Nur der Torre hält sich beharrlich bedeckt, vielleicht eine Ahnung von Felsnadel, wenn die Sonne den Wattebausch ein wenig auflockert.
Auf einer Lichtung endlich, kurz vorm Mirador Tumbado, zerzaust ihm der Wind sein Röckchen und gibt den Blick frei auf den eisigen Zuckerguss, der über das Spitzenviertel „des schönsten Berges Patagoniens“ geträufelt worden ist. Seine Nachbarn haben ebenfalls genug vom „Versteckspielchen“ – sicheres Zeichen für uns, umzukehren und der Auffrischung potentieller Energien zuzustreben …

Beim Abstieg begleitet uns der Anblick der beiden Massive, wolkenfrei – wenn das nicht die frühen Mühen gelohnt hat. Der local beer dealer jedenfalls zeigt vollstes Verständnis …


(Fotos zur
Wanderung zum Tumbado)




Da fliegen die Späne, …


… wenn ein solcher Rotschopf mit seinem spitzen Schnabel beitelartig durch die Borke dringt – nachzulesen bei Tom Robbins „Still life with woodpecker“ …

Am siebten Tag uns und dem Wandergebiet ein wenig Ruhe zu gönnen, ist die hehre Absicht, die uns durch die Ebene zum Chorillo del Salto führt. Mutter Natur bedankt sich gebührend, indem sie ihre Hasen auf die Wiese schickt, die Kondore in die Felswände lockt und ganz zum Schluss Woody Woodpecker eine Abschiedsvorstellung in Sachen Holzbearbeitung aufträgt – er bietet die Nummer glänzend dar und lässt sich von uns backstage Gästen kein bisschen beeindrucken …

Nach einer Woche Wandern bei allen Wettern qualmen die Socken – ein wenig Pflastertreten dürfte da nicht schaden.


(Fotos zur
Wanderung zum Salto)


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Montag, Dezember 17, 2007

Verwaltungsgebäude und Herbergen ...

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… machen diese Ansiedlung aus - oder so ähnlich.
Nicht, dass uns die größere und ältere Schwester dieses jungen (1985 gegründeten) Ortes auf den Geist gegangen wäre, doch war uns daran gelegen, eine frühe Überdosis El Calafate zu vermeiden und uns für dort noch paar nette „events“ vor dem Sprung in den Süden aufzuheben.

So führte uns eine Busfahrt nach Norden (endlich wieder von Wanderfreaks frequentiert) durch eine recht hügelige Pampa mit disneygerecht auftauchenden Guanacos und Kondoren, dem seit der Einmündung auf die Ruta 40 ständig näher kommenden gezackten Massiv des Fitz Roy und einem „roadhouse“, in dem ein Kälbchen, das erst noch ein richtiger Bulle werden möchte, nebst seinem Kumpel, einem flauschigen Babyguanaco, durch Küche und Gastraum stromerte und an jedem ausgestreckten Finger nuckelte.

El Chalten wirkt wie eine Wild-West-Stadt im Oberammergau.
Lange vor der ersten Bauordnung gab es viel Platz und einige Desperados, die ihren Traum von Schöner Wohnen je nach Portefeuille in Stein, Holz oder Blech verwirklichten. Die Baufluchten richteten sich damals nach Sonnenstand oder Windrichtung.
Derzeit betoniert man die Gehwege der noch ungeteerten Straßen um die Anwesen herum. Bevor auch der letzte „Damm“, teilweise breit genug, um einen Achtspänner wenden zu lassen (westernmäßig eben …) versiegelt ist, pfeift einem der Wind den patagonischen Staub in die Poren und lässt nach der Dusche jedes Handtuch vom weißesten Weiß seines textilen Lebens träumen.

Bevor wir jedoch in die Stadt einreiten durften, (nein, nein, den Colt konnten wir behalten) wurden wir busladungsweise vom örtlichen Ranger über die dos and donts im Nationalpark sehr unverblümt gebrieft („Belehrung über …“ würde in manchen Klassenbüchern auftauchen). Gemerkt haben wie uns, dass wir unseren Dünnpfiff (vor dem uns Montezuma bisher bewahrt hat) nicht unbedingt in den für die üblichen Zwecke aufgestellten Chemieklos zu verrichten haben - wenn es zeitlich (weil notfallmäßig) eng werden sollte. Allerdings wäre unser Schiss raubtierartig zu verscharren und Hakle 3-lagig in der Plastiktüte mit nach Hause zu bringen – oder sollte es umgekehrt sein …


Weder die Plastiktüte noch Hakle waren auf der Wanderung zum Lago Torre gefragt, dafür physische Standfestigkeit. Auf wunderschön geführten Pfaden ging es durch Wiesen voller Frühlingsblumen und Weihnachtshasen, durch Niroswäldchen an sonnigen Bergflanken entlang und über Endmoränen bis zum Gletschersee. Hier pfiff es wie der Teufel aus allen Löchern, und am Ufer verwehte es Barbara in die eiszeitliche Landschaft. Der Blick auf den Gletscher aus zusammengekniffenen Augen und vor allem die gebückte Haltung, dem Sturm zum Trotz, erinnerten ein wenig an gewisse Ausführungen des Rangers …

„In der Zivilisation“ entschädigten ein wohl sortierter „bottleshop“ und ein gut geheiztes, anheimelndes Zimmer unterm Dach (fast so wie zu Hause) für die Eigenheiten der Witterung …



(paar Eindrücke von
El Chalten)

(Fotos zur
Lago Torre Wanderung)

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Sonntag, Dezember 09, 2007

Nach "Chilenischer Eröffnung" ...


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… der Partie „Wir und das Patagonische Inlandeis“ setzen wir selbige mit der „Argentinischen Rochade“ von
El Calafate aus fort.

Das Städtchen besteht aus einem Kuhfladen an Steinhäusern, von denen keines auch nur hundert Jahre alt ist – von wegen Kolonialbauten also … Dafür Postmoderne, die jeden gewissenhaften Stadtplaner auf die Brücke treibt!
Und dennoch hat dieser Ort etwas – allein vier Läden, in denen „Schokolade, typisch für Patagonien“ in allen Farben und Formen selbst hergestellt und feilgeboten wird, neben jedem Touroperator und Reisebüro nette Bars, Cafés sowie Restaurants der gehobenen Preisklasse und, damit es nicht langweilig wird, Buchläden der edleren Art, die auch anspruchsvollen Nippes im Regal haben – halt, die Geschäfte mit den Edel-T-Shirts und die Outdoorexperten nicht zu vergessen. Hier sitzt die Kohle locker: Kaum Wanderstiefel auf dem Gehweg, dafür edle Lederschläppchen oder Pelz besetzte Botten, dazu Paillettenwestchen und maßgeschneiderte Windstopper. Genau, Wandersleut’, deutlich in der Minderheit, sind hier allenfalls auf der Durchreise.
In dieser Stadt verbringt viel Geld seinen Urlaub. Nicht nur hochpreisige Touranbieter, die ihre Gruppen aus allen möglichen Ländern hier logieren und zu allen Sehenswürdigkeiten fahren lassen – auch wohlhabende (vor allem ältere) Individualos genießen in diesem Ort die raue Wildnis Patagoniens …

Die gibt es wirklich, gut 80 Kilometer entfernt, am Perito Moreno Gletscher. Und dorthin fahren nicht nur die Hotel eigenen Edeltaxen, sondern auch die Linienbusse für Touristen – bis zum Restaurant. Den Rest muss man laufen, will man den Eisriesen nicht nur auf dem Monitor „erleben“. Paar Hundert Meter entfernt und einige Holztreppen tiefer liegt er vor einem, imposant nicht nur wegen seiner Größe (50m hoch, 5km breit, 30km lang), sondern auch wegen des ständigen Knackens und Rumorens in seinem Inneren. Zur rechten Zeit auf die richtige Stelle geschaut, und man sieht, wie ein Eisbrocken abbricht und mit Getöse ins Wasser stürzt.
Leider gibt der Himmel unserem Barometer wieder einmal Recht und hält die Sonne zurück – doch wir kommen wieder!


(paar
Bausünden)

(Fotos zum
Perito Moreno)

(w
ikipedia zum Perito Moreno)

(wikipedia zu
Los Glaciares)

(link zum
Nationalpark Los Glaciares)

(wikipedia zu
Campo de Hielo Sur)



In El Calafate geht es beim Frisör so zu wie „bei uns“ im Wartezimmer eines Kassenarztes: Glücklich, wer einen Termin bekommen hat – alle anderen müssen warten und dürfen mit den „Privaten“ hadern, die mal eben dazwischen geschoben werden. Das macht einem Zeit, sich den Laden genauer anzuschauen und seine Ähnlichkeit im Design mit dem einer Autowerkstatt zu konstatieren: Sämtliche Werkzeuge nebst den flüssigen Zusatzmitteln finden sich wohl sortiert auf einem groben Bord, das Winkel aus einer Eisenwarenhandlung an der Wand halten. Statt der pin ups modische Frisuren von vor zehn Jahren an der Wand, dazu paar Kohlezeichnungstudien (ohne Jahr).

Endlich auf dem Stuhl wäscht einem „Chistina UNISEX“ von hinten gründlich den Kopf – das wirkt ähnlich wohltuend wie die masseurartigen Hände eines arabischen Barbiers und lässt alles Warten vergessen. Wenn frau dann noch zufrieden ist, dass man so aussieht als sei er gar nicht beim Frisör gewesen und ihm für den Rest des Tages die kirchenchorartige Backgroundmusik aus dem Herrn der Ringe in den frei geschnittenen Ohren klingt, wird aus einem profanen Frisörbesuch ein sakraler Event …


(hierzu gibt’s keine themenbezogenen Fotos)



Dürfen es ein paar Gletscher mehr sein?
Anreise per Katamaran nachdem uns der Bus vor dem Hotel eingefangen und durch die Pampa mit ihren schwebenden Kondoren (sic!) rauschend in Puerto Banderas abgesetzt hat.
Auf dem Wasser rauscht es noch stärker, genau, der WIND, WIND, WIND …
Der trägt nicht unerheblich zur Formgebung der Eisberge bei, zu denen die mächtigen Abbruchstücke des Upsala Gletschers vor vierzehn Tagen geworden sind. Seitdem treiben sie träge auf dem Brazo Norte und haben noch zwei, drei Lebensmonate vor sich, bevor sie zu Wasser im Atlantik geworden sind.
Vor dem Upsala betört uns der Spegazzini Gletscher im Sonnenschein (- allen Unkenrufen des Barometers zum Trotz, das sollte erst später mal wieder Recht behalten). Allerdings empfängt er uns mit kräftigem …, …, …! Der ist auch entscheidend daran beteiligt, dass ein riesiges Stück aus der Wand bricht, nach kräftigem Knacken ins Wasser rauscht, völlig verschwindet und nach einigen Sekunden wie ein überdimensionaler Wal wieder auftaucht, bevor es endgültig seine richtige Schwimmlage gefunden hat.


(Fotos zu noch mehr
Gletschern)



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