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Dienstag, Dezember 18, 2007

Keine Sonne über Capri, ...

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… die am Abend hätte rot im blauen Meer versinken können –
weil es kein Meer gibt, sondern „nur“ einen See, der allerdings so malerisch (wenn es die Wolkendecke zuließe) gelegen ist, dass er jedes altdeutsche Wohnzimmer und viele „Kellerstübl“ der sechziger Jahre geschmückt hätte und weil sich der patagonische Himmel mal wieder vor lauter Selbstmitleid stundenlang ausheult.

Unsere Salzburger, die mal eben zum Abendessen von El Calafate rübergekommen sind, taten vielleicht recht, mit dem nächsten Bus dem Regen zu entfliehen, der in einer Nacht aus der Hauptstraße, der Avenida, eine "Laguna" San Martin machte.

Wir hingegen geben dem Himmel und Jack Wolfskin eine Chance und brechen unter tief hängenden Wolken und Nieselregen zum Lago Capri auf. Der Weg führt zunächst steil bergan und gibt Blicke frei auf das breite Tal des Rio de las Vueltas. Durch Blaubeerfelder und Niroswälder gelangen wir zum Mirador Fitz Roy. Den könnte man von hier aus sehen, wenn es denn die Wolkendecke zuließe – Jack hat seine Chance genutzt und uns nicht nass werden lassen – der Himmel vergibt sie … Doch nicht ganz. Hin und wieder reißt es ein wenig auf, so dass man dem Massiv unters Röckchen schauen kann und den Gletscher für einige Finger breit erahnt.

Am Lago Capri macht der Himmel dann endgültig (patagonisch gesehen) dicht. Kein Fischer, keine Sonne.

Kurz vorm Abstieg zum Ort, eine halbe Stunde vor dem ersten Bier, nutzt dann der Himmel seine Chance – und reißt auf. Jack Wolfskin kann einpacken, wir nicht, wir bleiben …

… und steigen am Abend unter einem blanken blauen Himmel auf den „Hausberg“, um den Fitz Roy im letzten Sonnenlicht strahlen zu sehen.


(Fotos zur
Wanderung nach Capri)









Noch blau von gestern Abend …


… zeigt sich der Himmel heute früh – den Engeln sei Dank – und fordert uns, die Sonne im Rücken, entschieden zum zweiten Versuch auf, dem Fitz Roy etwa näher zu kommen. Unsere Wanderschuhe kennen noch den Weg von gestern – ihnen können wir früh am Morgen das Laufen überlassen, zumal die Pfützen deutlich kleiner geworden und die Bohlen über den Bächen nicht mehr rutschig sind – wir übernehmen so lange das Wachwerden.
Die Miradores machen ihrem Namen Ehre, Gevatter Wind hält sich ab dem ersten Märchenwald zurück und der
Fitz Roy strahlt uns nach einer guten Stunde so was von entgegen, dass wir uns ohne Rast dem Ansichtskartenmotiv nähern.

Zu seinen Füßen gesellt sich Sr. El Viento wieder zu uns, lässt jedoch ausgiebige Blicke auf das Massiv zu und treibt uns von hinten durch Niroswäldchen, über Feuchtwiesen und eine Ahnung von Tundra an „Mutter & Kind“ (Lagos Madre y Hijo) vorbei durch weitere Märchenwälder zu einem Hang, von dem aus der Abstieg zum Camino del Lago Torre mindestens so viel Kraft kostet wie der morgendliche Aufstieg – von wegen potentielle Energie, die sich („mit einem Schubs“) in kinetische verwandelt. Hier verbrauchen Auf- wie Abstieg eine Menge (kinetischer) Energie.

Ein kleiner Teil davon kann nach der Rückkehr in den Ort in der einen oder anderen Bar wieder als potentielle physisch wie psychisch ergänzt werden …


(Fotos zur
Wanderung zum Fitz Roy)




Sahnehäubchen …


… sollte der Blick auf den wolkenfreien
Cerro Torre für unsere Wandertouren hier um El Chalten sein. Doch zunächst ist für gut zwei Stunden steilen Anstiegs Fastenzeit angesagt – steinig ist der Weg und steil und er führt nicht geradewegs ins Himmelreich, sondern durch Bergwälder und, zum Verschnaufen, durch Frühlingswiesen, die „freie Sicht“ auf den Fitz Roy versprechen – der lässt auch Schritt für Schritt die Wolkenhüllen fallen.

Nur der Torre hält sich beharrlich bedeckt, vielleicht eine Ahnung von Felsnadel, wenn die Sonne den Wattebausch ein wenig auflockert.
Auf einer Lichtung endlich, kurz vorm Mirador Tumbado, zerzaust ihm der Wind sein Röckchen und gibt den Blick frei auf den eisigen Zuckerguss, der über das Spitzenviertel „des schönsten Berges Patagoniens“ geträufelt worden ist. Seine Nachbarn haben ebenfalls genug vom „Versteckspielchen“ – sicheres Zeichen für uns, umzukehren und der Auffrischung potentieller Energien zuzustreben …

Beim Abstieg begleitet uns der Anblick der beiden Massive, wolkenfrei – wenn das nicht die frühen Mühen gelohnt hat. Der local beer dealer jedenfalls zeigt vollstes Verständnis …


(Fotos zur
Wanderung zum Tumbado)




Da fliegen die Späne, …


… wenn ein solcher Rotschopf mit seinem spitzen Schnabel beitelartig durch die Borke dringt – nachzulesen bei Tom Robbins „Still life with woodpecker“ …

Am siebten Tag uns und dem Wandergebiet ein wenig Ruhe zu gönnen, ist die hehre Absicht, die uns durch die Ebene zum Chorillo del Salto führt. Mutter Natur bedankt sich gebührend, indem sie ihre Hasen auf die Wiese schickt, die Kondore in die Felswände lockt und ganz zum Schluss Woody Woodpecker eine Abschiedsvorstellung in Sachen Holzbearbeitung aufträgt – er bietet die Nummer glänzend dar und lässt sich von uns backstage Gästen kein bisschen beeindrucken …

Nach einer Woche Wandern bei allen Wettern qualmen die Socken – ein wenig Pflastertreten dürfte da nicht schaden.


(Fotos zur
Wanderung zum Salto)


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