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Dienstag, September 25, 2007

Wieder voll auf der Höhe ...



Nach gut acht Tagen im Tiefland des Amazonasbeckens (dazu gehört der Rio Alto Madre de Dios im Manu Nationalpark) gewöhnen wir uns einmal mehr an die dünne Luft in Cusco, lecken unsere eher zu vernachlässigenden Wunden, die von Moskitos gerüsselt oder von Sandflöhen gebissen worden sind und be- / verarbeiten unsere Eindrücke und Fotos einer höchst spannenden Tour.

Satt genug gesehen an den steinernen Zeugnissen der Inka entspannten nach dreistündiger Busfahrt (ja, ja, auf einspuriger,
holperiger Schotter- bzw. Kiespiste) die auf einem Bergrücken gemauerten Gräber der Colla-Kultur unseren Blick. Im fernen Puno ist den Meistern das Mauerwerk bautechnisch und ästhetisch noch besser gelungen – wir werden darüber berichten …

Die weiten, eher sanft geschwungenen Täler, bis in die höchsten Hänge intensiv bewirtschaftet, zogen sich bis kurz vor den Pass bei Acjanaco (3500m) und zeugten vom Anbau von Kartoffeln, Gemüse und Getreide. Die keineswegs ärmlichen Häuser der Bauern fielen erst beim zweiten hinschauen auf, hatten sie doch die Farbe der Erde, aus denen sie erbaut waren.
Von nun an ging’s bergab: Auf den nächsten Höhenmetern folgte eine
Graslandschaft, die puna, von wenigen Büschen aufgelockert. Die Hänge fielen steiler ab, die Täler wurden deutlich enger und waren unterhalb von 3000m fest in der Hand des Bergregenwaldes, der wie eine dichte grüne Decke über sie geworfen war. Unterhalb von 700m ließ uns dann der „klassische“ Regenwald nicht mehr los.
Als erste Spezies an exotischem Getier begegneten uns die
Cock of the Rocks, die auch uns Nicht-Birdwatcher begeisterten.
Nach insgesamt zehn Stunden im Minibus schüttelte unsere international besetzte Neunergang (eine pensionierte Kollegin und wir zwei trieben das Durchschnittsalter erheblich in die Höhe) die müden Knochen auf dem Weg zum Boot, das uns in einer halben Stunde über einige Stromschnellen hinweg auf dem Madre de Dios zu unserer ersten Dschungellodge (Rio de Oro) brachte. Pünktlich zum ersten Kerzenschein ließen wir die Moskitonetze über die Betten und uns nach einem guten Nachtmahl hinterher fallen …
Der Lärm, den all die vielen nachtaktiven Viecher im Dicki
cht schlugen, ging im Gemurmel des Flusses und im verbreiteten Schnarchen redlich müder Biospäreninteressierter unter – die relevanten Sphären waren in dieser Nacht deutlich regenerationsbezogen …

Mit den ersten Sonnenstrahlen legten wir, frisch wie der junge Tag, ab und sichteten bald danach die größte Ratte der Welt, ein Wasserschwein. Das arme Tier, sichtlich irritiert, machte seinem Namen alle Ehre und verzog sich schnell wie die Sau ins Wasser. Im Wurzelwerk eines der vielen in den Fluss gestürzten Baumriesen hatte sich ein Faultier zum Verschnaufen auf der Reise von einem zum anderen Ufer zurück gezogen. Ihm wäre es gewiss lieber gewesen, wenn wir es nicht gesehen hätten …
Nachdem wir die Namen all der bekannten und unbekannten Wasservögel (von Kormoranen über Reiher bis zu Ibissen) rauf- und runterbeten konnten, sprich, nach neun Stunden im selben Boot, von einem Stopp in der Verwaltungshauptstadt des Distrikts und einem kalten Bier unterbrochen, landeten wir in der „Blanquillo-Lodge“.

Lager herrichten, Mittagessen fassen und ab ins „Ewige Grün“. Der Dschungel lebt und ist auch tagsüber alles andere als leise. Auf engen Pfaden begegnete uns viel an diversem GRÜN und BUNT, unterschiedliche Arten Affs lachten über und pissten auf uns, Papageien aller Couleur gaben ihren Kommentar dazu. Mit einbrechender Dunkelheit schipperten wir auf einem hölzernen Doppelrumpfboot auf einem ruhigen Altarm und hörten, wie sich der Schichtwechsel im Regenwald vollzog. Nach all den Moskitos, Glühwürmchen, Leuchtkäfern und kaum mehr sichtbaren Vögeln präsentierte unser Guide ein Highlight – er fing mal eben einen jungen Black Caiman. Auf dem Rückweg lockte er dann ganz geschickt einige achtbare Vertreter der Gattung Tarantel aus ihren Löchern. Auf dem Rückweg dann mit dem Gesicht in Spinnweben hängen zu bleiben hatte nur noch einen stark eingeschränkten Vergnügungswert, auch wenn die haarigen VertreterInnen mit Netzen nichts an den Zangen haben …
Das Nachtmahl und der anschließende Tiefschlaf waren mehr als verdient.
Letzterer wurde gegen 4.30 Uhr (übliche Weckzeit) von einem donnernden Brüllen mit abschließendem Röcheln nachhaltig beendet. Das Gebrüll wiederholte sich, bis die zuständigen 12 Kilo Lebendgewicht des Roten Brüllaffen das beanspruchte Terrain gebührend abgesteckt hatten; geklungen hat’s wie ein Barriton aus dem Körper eines Elefanten, doch beide haben hier nichts zu suchen …

Den Vormittag verbrachten wir an einer Aralecke, wo sich die Vögel mit Salzen
und Mineralien eindeckten und uns ob ihrer bunten Farben und ihrer Flugkünste hellauf begeisterten. Besonders die unterschiedlichen Macaws ließen jeden Tuschkasten vor Neid erblassen. Nachmittags ließen wir uns dann auf engen Pfaden von all den Affen verspotten, die uns bis dahin noch nicht zu Gesicht bekommen hatten. Zum Trost durften wir schließlich auf eine Plattform klettern, die gut 40m über dem Boden auf einem Ceibabaum thronte und den Blick übers Blätterdach frei gab. Neben uns tummelten sich Tukane, unter uns vergnügten sich Wasserschweine beim Nachmittagsbad und über uns gab’s keine Affen mehr …

In aller Frühe bepaddelten wir einen anderen Altarm auf der Suche nach den
Riesenottern. Einen bekamen wir mehrmals kurz zu Gesicht, bevor er, uns Touristen überdrüssig, nachhaltig abtauchte. War O.K.
In der folgenden Nacht, eine Bootsstunde flussaufwärts bei Maquisapayoj, die wir auf einer Aussichtsplattform im Schlafsack unterm Moskitonetz an einer Tapirlecke verbrachten, hörten wir laut und deutlich all die körpereigenen Geräusche der Nachbarn, doch ließ sich kein
Tapir blicken. Dafür hüpften uns auf dem Rückweg zum Lager jede Menge Pfeilgiftfrösche über den Weg.


Der folgende Nachmittag gab uns eine Kostprobe von Regen in der Regenzeit. Und dieser Regen übte bloß, wie unser Guide meinte – reichlich Zeit zu einer ausgiebigen Siesta und um all den Schlaf nachzuholen, von dem wir meinten, dass wir ihn versäumt hätten …

Entsprechend fit brachten wir die vier Stunden Bootsfahrt hinter uns, die am Ufer einer Lodge endete, welche ein
zahmes Tapir sein Eigen nennt. Zum Teufel mit durchwachten Nächten, auch ein Privatzoo hat sein Gutes.
.
Mit einem Umweg und einem ausgiebigen Bad in heißen Quellen, das unsere ursprüngliche Schönheit vor dem Dschungelexperiment weitgehend wieder herstellte, erreichten wir unsere Ausgangslodge.

Spät am folgenden Morgen, gegen 7.00 Uhr, legten wir die letzte kurze Etappe im Boot zurück, bevor uns zwölf Stunden später der Straßenlärm Cuscos um die Ohren schlug.
Nach einer heißen Dusche, die letzte persönliche und Mückenspraygerüche wegspülte, blieben nur noch die tollen Erinnerungen ans Abenteuer im Regenwald …



(
mehr Fotos zur Manu Tour)

(
wikipedia zu Manu Nationalpark)

(
Link zu Manu Nationalpark)

(
Link zu Amazontrail; Tourverlauf)