...

Donnerstag, Oktober 18, 2007

Volles Programm ...

.



… in Nazca , einem Städtchen, das innerorts fast keinerlei Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, außer dem bemerkenswerten Museum ANTONINI, in dem eher unkonventionelle Menschen konventionelle Funde etwas unkonventionell präsentieren –sehenswert also …
Die Sehenswürdigkeiten außerhalb kommunaler Grenzen erschließen sich einem erst nach dem „Pflichtprogramm“ - dem Flug über die „Nazca Lines“ …

Bemerkenswert ist ansonsten, dass der Ort, anders als Arequipa, erst nach 8:00 Uhr a.m. „aufwacht“ und dann neben kulinarischen auch höchst konventionelle Angebote präsentiert …
Bemerkenswert ist auch, dass Fremde hier durch IHRE Straße gehen können, ohne von VerkäuferInnen, BettlerInnen, verkaufstüchtigen Kindern etc. angesprochen zu werden; ebenso bemerkenswert ist, dass alle anderen Straßen und Winkel fest in einheimischer Hand sind und dort berührbare Menschen so über Willis Bart tratschen wie unsereins über deren Angebot an lokalen Feldfrüchten und ob die Preise vertretbar sind ...

Der „Schlepper“, dem wir uns gegen 5:30 h leicht übermüdet nach der Fahrt in der Business Class des Nachtbusses anvertrauten, entpuppte sich als seriöser Vertreter eines kleinen Flugunternehmens, dessen Tickets er verkaufte. Arabisch wie er auf uns wirkte, hätten wir ihm jedes Lastkamel abgenommen - kein Grund also, nicht in einer seiner Cessnas in die Lüfte zu steigen …

Das Gewirr der Linien in der unebenen Landschaft löste der Pilot aus 100m Höhe auch für unsere ungeübten Augen auf. Da die Geoglyphen nicht wie auf den Postkarten
aufgehellt waren, musste man sich durch all die Geraden, Spiralen, Mäander, Trapezoide etc. durchwursteln, um die zwischen 30m und 300m langen Tier- und Pflanzenmotive der zweiten „Schaffensperiode“ auszumachen – höchst beeindruckend, zumal sich die Planer von der Beschaffenheit der Landschaft wenig irritieren ließen und „ihr Ding“ in den Sand oder den Boden setzten.

Nachdem sich die verwirrenden Muster im Kopf ein wenig aufgelöst hatten, ließen wir uns zum antiken Friedhof bei CHAUCHILLA kutschieren. Auch wenn hier kaum noch ein Knochen so liegt
wie vor über 2000 Jahren versenkt, die mumifizierten Körper frei in den restaurierten Gräbern zu sehen, hat nicht nur etwas Voyeuristisches …

In einer Keramikwerkstatt, in der Gefäße und Musikinstrumente wie zu Inkas Zeiten gefertigt wurden, führte uns der Meister den Produktionsprozess grundschulgerecht vor und nannte als entscheidende Unterschiede zwischen früher und heute die Hände, die den Ton formten, und die 1500 Jahre, die dazwischen liegen – einleuchtend.

Mit den Goldgräbern, die nach uraltem Verfahren aus 60 kg Erz gerade mal ein Gramm Gold gewinnen und pro Woche auf acht Gramm kommen, von denen vier wieder durch die trockenen Kehlen rinnen und vier in die Mägen der Familien wandert, wollten wir nicht unbedingt tauschen. Ein Liter GOLD von Ron Cartavio Anejo ist uns da lieber …

Nachmittags brachte uns Jorge in CANTAYOC einen Teil der Bewässerungsanlagen aus der
Präinkazeit näher. Die zum großen Teil unterirdisch verlaufenden Kanäle (geringere Verdunstung) leiten das Wasser aus der Cerra Blanca auf die Felder der Küstenebene. Sie verlaufen mitunter in Serpentinen, um die Fließgeschwindigkeit zu drosseln und sind über ojos, wendelförmige Einstiege, zugänglich. Ein genial ausgedachtes System aus der Zeit unseres frühen Mittelalters.

Höchst bildungsgeschwängert und entsprechend ruhebedürftig bot uns der Cruzeiro in der Comfort Class die gewünschte Bettstatt, die wir in Arequipa morgens zu Frühaufsichtszeiten ganz entspannt verließen.


(
wikipedia zu Nazca-Linien)

(
link zu Karte und Erklärungen)

(
mehr Fotos zu den Linien)

(
wikipedia zur Nazca-Kultur)

(
mehr Fotos zu den Mumien)

(
mehr Fotos zu aqueductos)


.

Keine Kommentare: