Ayacucho ...
… wirkt so ganz anders als seine deutsche Bedeutung – „Ecke der Toten“ …
Hier pulsiert das provinzielle Leben einer kleinen Hauptstadt,
ohne hektisch zu wirken oder Unruhe zu vermitteln. Die Straßen sind vom späten Morgen bis zum späten Abend voller Menschen. Märkte sind von früh bis spät umlagert, die Parks und Plätze gut besucht, doch: Lärm geht nicht von den Leuten aus, allenfalls von den Bussen, den Mototaxis und den schrillen Pfeifen der Ordnungshüter, die auch hier en masse durch die Straßen ziehen oder an den Ecken stehen und ihrer Aufgabe unaufdringlich, doch durchdringend (die Pfeifen …) gerecht werden.
Auch HUAMANGA, das ist der edlere Name für Ayacucho („der Ort, an dem der Falke seinen Platz hat“), bestätigt unseren zivilisiert mitteleuropäischen Dünkel,
der das Stadtbild der Altstadt als „selbstverständlich“ durch koloniale Bauten geprägt sieht. Und weil diese teils gut erhalten, teils aufwändig restauriert und mitunter venezianisch runtergekommen sind, strahlt jenes disneyferne Ensemble, das sich über gut zehn Blocks im Quadrat erstreckt, etwas Heimeliges, Warmes aus. Nichts von dem hingerotzten drei Stockwerke-hohen-Glas-Aluminium-Beton-Geprotze der Neustädte oder der Ignoranz der Raiffeisen- und Volksbanken, die nebst Konkurrenten mittelalterliche Straßenzüge gewisser Salzstädte Norddeutschlands nachhaltig verschandelten …
Und weil diese alte Bausubstanz neben den Läden aller Art und aller Größe (auch mittelalterliche Brandmauern lassen sich zwecks „Geschäftserweiterung“ Häuser
übergreifend durchbrechen …) im Erdgeschoss spätestens ab dem ersten Stockwerk Wohnungen aller Komfort- oder gerade auch nicht -klassen unterm Dach weiß, tobt hier das Leben vom Aufwachen bis zum Einschlafen.
Letzteres bleibt nicht ganz unbeeinflusst von der jeweiligen „Seguridad Ciudatana“ – Männern mit und wie Pfeifen. Die furchtsamen Vertreter flöten des nachts alle Nas’ (alle zwei Häuser weit auseinander) lang. Barbara, die ihr Grundrecht auf Nachtruhe erheblich verletzt sah, konnte mit Mühe davon abhalten werden, einen Eimer körperwarmen Wassers auf Pfeife 911 zu kippen – nicht, dass dieser Nachtwächter nicht generell störte, doch Willi möchte gerne GEMEINSAM mit Barbara weiter reisen …
Bis auf Pfeife 911 (wer weiß, vielleicht darf er nicht anders, vielleicht kriegt er auch keinen Obolus von unserem Hotel und bringt sich so unangenehm zu Gehör …) nehmen wir die Menschen in dieser Stadt ähnlich wahr wie in den Orten, die wir bisher besucht hatten –liebenswert!!!
Am höchst selbstbewussten Auftreten vor allem der StudentINNEN, das sich mit
jedem Gebaren südwesteuropäischer Universitätsstädte vergleichen lässt, misst sich die recht hohe Zahl der Immatrikulierten, überwiegend indigener Herkunft und das durch eben jene Studierenden vermittelte höchst angenehme und offene Flair – den mittelalterlichen Gründungshintergrund im Kopf scheint ein vorsichtiger Vergleich mit Göttingen nicht ganz unangemessen. Ja, ja, die extrem stalinistische Phase gab’s in Göttingen wohl eher nicht, Paul.
Hier scheint sie nach der Beendigung des peruanischen Pol Pot (Sendero Iluminoso) und den politisch gewollten Exzessen des Militärs vorüber, wenn auch nicht vergessen … Das „Museo de la Memoria de ANFASEP“ leistet einen hervorragenden Beitrag zur Aufarbeitung des düsteren Kapitels jüngster peruanischer Geschichte.
Doch auch außerhalb der Stadt liegen in Abenteuer fernen Nähen bemerkenswerte Orte und Ortschaften …
(Fotos zum mittelalterlichen Dünkel)
(Fotos zum Straßenleben)
(Fotos zum Markt in Quinua)
(Fotos zu Wari)
(Link zu Wari)
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