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Sonntag, November 25, 2007

Jenseits von Eden, ...



… in diesem Falle eine Tagesreise per Schiff weiter südlich, gibt es durchaus „nette Städtchen“, die z. B. in/mit Puerto Natales durchaus etwas Anheimelndes an sich haben, vor allem, wenn mensch „älteren Bekannten“, z. B. dem langjährigen Vorsitzenden des „Neuköllner Personalrats“, Detlev M., in die Arme läuft – oder wenn wir geortet werden als „Leute, die einem bereits in Cusco aufgefallen sind“ (warum und wobei auch immer …).

Diese kleine Hafenstadt verdient solche Begebenheiten – auch wenn hier „das Leben“ bereits vor acht Uhr tobt und einem durchaus den letzten Rest an Schlaf rauben kann. Auch ist von der sonst in Chile üblichen „Sonntagsruhe“ selbst an Feiertagen nichts zu spüren … Doch bringen uns die „Einheimischen“ wieder die Lockerheit, die Aufgeschlossenheit und das keineswegs nur „kundenorientierte“ Interesse entgegen, das wir in Santiago so genossen, in Puerto Montt hingegen so schmerzlich vermisst haben.

Und weil die Menschen hier – oh, Globalisierung – sehr auf „die Touristen“ angewiesen sind, kommen sie ihnen hier auch sehr entgegen: Ob Touroperator, Outdoor Ausrüster oder schlichtweg Restaurants. In letzteren zählt überwiegend mehr der Pfiff, denn die Größe der Portionen (auch wenn das Gericht auf dem Teller hier kaum zum Suchspiel ausartet). Sowohl verwöhnte Gaumen wie auch empfindliche Mägen kommen auf ihre Kosten ... Daran mögen durchaus die vielen „Hängen Gebliebenen“ beigetragen haben, die es bis hierher und zu einem Hostal oder einer geschmackvoll dekorierten Speisehütte für gefüllte Reisekassen geschafft haben – dennoch: apart, apart …

Bruce Chatwin und Paul Theroux haben diesen Ort vor Jahrzehnten Jahrhunderte älter erlebt – Gründung 1922 … Die Zeit vergeht und hinterlässt nicht nur Spuren …



(Fotos zu Puerto Natales)

(wikipedia zu Puerto Natales)


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Freitag, November 23, 2007

EVANGELISTAS TRIFFT PIUS XI IMMER MITTWOCHS ABENDS!!!



… und das nicht etwa klammheimlich oder gar im Jenseits, sondern regelmäßig von Anfang November bis Ende März vor ausgesuchten Beobachtern. Wir durften miterleben, dass bei solchen gesegneten Begegnungen der Himmel nicht etwa weinte, wie neulich bei der Audienz zu San Rafael, sondern mit ein paar Strahlen Abendsonne den Gletscher just zu dem Moment ins rechte Licht rückte, als sich die Fähre mit dem Namen der Frohen Botschafter dem Jahrtausende alten Eisfluss näherte.

Pio XI ist deutlich mächtiger als San Rafael, gut doppelt so breit und stärker zerklüftet. Außerdem scheut er sich nicht, vor aller Augen zumindest kleinere Kälber ins eisige Wasser zu entsenden und dafür angehimmelt zu werden. An diesem Abend hatte er außerdem zartes Blau aufgelegt, wohl um von ein paar Staubflecken auf seinem weißen Gewande abzulenken …

Die ergreifende Szenerie und das Ambiente wurden selbst von der Küchenmannschaft gebührend respektiert, so dass reichlich anderthalb Stunden später als üblich zum Nachtmahl geläutet wurde …

Darauf stürzte sich dann auch die durch die „Naturschönheit“ aufgekratzte international bunt gemischte Schar der Passagiere, die sich auf ihrer Pilgerreise für Freunde der unberührten Natur nach Puerto Natales bereits vorher an vielfältiger Landschaft mit beeindruckenden Stimmungsbildern ergötzen durfte …

Nach den zwar hohen, doch eher lieblich in Grün getauchten Bergrücken, die sich an den Canales de Morlada und Messiers entlangzogen, gab nacktes Gestein entlang der Fjordküsten südlich von Puerto Eden aber auch jeden Einschnitt und jede Falte preis.

Und bei dem Engel gleichen Wetter ließ sich die geballte Schönheit der Natur auch gut über Tage hinweg ertragen. Na gut, der Pisco zur „Happy Sour“ half nicht unerheblich, die oftmals überwältigenden Impressionen zu verkraften und die gesegnete Nachtruhe zu finden…

Doch ach, auch die Engel sind nicht mehr das, was sie einmal versprachen …
Noch in der Nacht nach dem atemberaubenden Anblick (ja, ja, diese Wendung taucht hier erstmals auf …) von Pius XI weinte der Himmel ob des Abschieds zum Erbarmen. Und der folgende Tag zeigte, was gemeint ist, wenn Kenner prophezeien, dass hier ein Tag alle Jahreszeiten in sich bergen kann …
Der Landschaft tat es keinen Abbruch und uns auch nicht, nachdem gegen Mittag endlich wieder der Hochsommer angebrochen war, der sich bis zum späten Abend in Puerto Natales hielt …




(Fotos zur
Tour)

(link zur
Tourbeschreibung)

(link zu
pius xi)

(wikipedia zu
Puerto Natales)


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Montag, November 19, 2007

Ihr Lieben alle, ...



… ganz herzlichen Dank fürs Denken an und die Glückwünsche zu Willis Geburtstag.

Es tut uns ja Leid, dass in diesem November keine der beiden Identität stiftenden Suppen verabreicht werden konnten, doch muss es auch ohne uns in der Kaiserstraße hoch her gegangen sein, wie uns Bernhard zu verstehen gegeben hat ...

Ein Glück, dass die Kinder auch noch nach der letzten Flasche Sekt daran gedacht haben, gründlichst aufzuräumen …


Einige Längengrade weiter westlich und paar Breitengrade südlicher ging es etwas gelassener zu. Suppe gab es zwar auch keine, doch etwas gegen die schwächelnden Temperaturen und den halbstarken Regen ...
Mit einer Süßen am (temporär …) und viel Süßem im Bett überwältigte Willi auch diesen GeburtsTAG …


… und begab sich am folgenden Morgen, leider nicht über LOS, zum Einschiffen (das heißt wirklich so und hat nichts mit dem Alter zu tun) auf die „Magellanes“ nach Puerto Natales, gut 1.500km weiter südlich. Von dort aus „hört“ Ihr mehr ...


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Samstag, November 17, 2007

"Wer sich beeilt, ...



… verliert Zeit“, scheint das Motto zu sein, nach dem sich die Bewohner dieser Insel nicht nur bewegen …
Und das hat durchaus etwas für sich - nach Puerto Montt, unserer bisher einzigen Stadt in Chile, in der es nicht nur geschäftig, sondern ausgesprochen angespannt und hektisch zugeht. Menschen mit verkniffenen Gesichtern, hochgezogenen Schultern, leicht stur wirkend, die eher „hartes Leben“ spiegeln denn easy going. Nicht, dass einem die Menschen hier in Castro auf dem Gehweg auswichen oder beim Einsteigen in den Bus den Vortritt ließen – warum auch – doch läuft hier vieles gemächlicher ab, wirken die „Städter“ entspannter. Und dennoch ist der Pisco Sour nicht nur ebenso gut, sondern auch genau so schnell auf dem Tisch wie überall sonst in diesem lang gestreckten Land.

Wer sich nicht beeilt, lautet der Umkehrschluss, wird schneller nass. Wären wir nicht bei strahlend blauem Himmel hier angekommen und nicht bei sternenklarem an der Uferpromenade zurück in unsere Kemenate geschlendert, wir hätten dem Verfasser unseres Reiseführers mindestens unkontrollierten Euphemismus unterstellen müssen, ließ er doch drucken, dass es auf Chiloe „häufig regnet“ …

Aus unserem Zimmer blicken wir auf das gegenüberliegende Ufer der Schlei, viel blühender Ginster dieses Jahr - und den Landungssteg der chilenischen Kriegsmarine haben sie auch neu gebaut …
Das Wochenendwetter ist wie in Lübeck, wenn Bernhard nicht in Berlin weilt, und die Wirtsleute sind aufmerksam freundlich (Spätstück gegen elf Uhr ist kein Thema), auch wenn der Zimmerservice eher an Nachwendezeiten in Ahrenshoop erinnert …

Das Leben im Ort ist unaufgeregt, die Menschen wirken nicht gerade wohlhabend, doch wird am Wochenende kräftig gekauft – eher Billigzeugs aller Art (Karl-Marx-Straße eben), auch wenn die Geschäfte hier höchst luxuriösen Krempel anbieten – zu minimalen Preisen – die Fixierung auf „Marken“ fehlt, wie fast überall in Chile … Und an Weihnachten erinnert derzeit ausschließlich der „Schnäppchen“plastikweihnachtsbaum zu umgerechnet sieben Euro und zwei, drei Weihnachtsmänner, die sich an den Fallrohren der Dachrinnen hochhangeln …

Das Stadtbild wird von ein- höchstens zweigeschossigen Holzhäusern geprägt, die bis auf wenige Ausnahmen mehr Pflege vertrügen. Farbe ist reichlich und das gesamte Spektrum abdeckend im Spiel, doch blättert sie all überall.



(Fotos zu Chiloe)

(sonnige Chance für Castro)

(wikipedia zu Chiloe)


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Donnerstag, November 15, 2007

Whisky on the Rocks ...



… gibt’s in Puerto Montt an jeder besseren Straßenecke …

Wer jedoch seinen Morgentrank mit Eis anreichern möchte, das bereits lange vor Magellan still vor sich hingefroren hat, begebe sich an Bord eines Fährschiffes und lasse sich gut 500 Seemeilen gen Süden verfrachten, vorbei an zerfransten Küsten, hügeligen, bewaldeten Inseln und Inselchen, die sehr an die Schären erinnern, teils schroffe, Schnee bedeckte Berge im Blick, wie in japanischen Zeichnungen gestaffelt, und den zahlreichen Lachs- und Muschelfarmen, die zwischen Fjorden liegen, welche dem Menschen hinterm Fernglas Norwegen vorgaukeln.

Doch bevor wir uns an Jahrtausende altem Eis in Jahrzehnte altem Whisky laben durften, warf das Fischernest Angelmo mit seinem Samstagsmarkt das einzig positive Licht auf den Unort Pto. Montt. Durch ein ausgezeichnetes Lachsfilet, unaufgefordert als Familienportion gereicht und einen Pisco Sour, der eine gewisse Schwerelosigkeit bewirkte, seefest gemacht, gingen wir nachmittags an Bord der „Puerto Eden“.
Trotz recht starken Windes (6 und mehr) blieb die See ruhig – es hätte deutlich mehr als einen Pisco gebraucht, um uns ins Wanken zu bringen ...
Gute zwanzig Stunden später führte uns ein Landgang in Chacabucco in den Regen. Ein Bus schaukelte uns durch Schleswig-Holstein, Oberösterreich, den Oberwesterwald und ein Stückchen Lappland nach Coyhaique (womit wir in der Traufe landeten), einer Stadt, die man getrost auslassen kann – der Weg war das Ziel …

Noch in der Nacht legten wir ab und rammten in der Morgendämmerung die ersten Eisschollen. Der Chef persönlich manövrierte uns in die Laguna San Rafael – und dort wurde uns glasklar, dass „Glättscher“ von „glatt“ kommen muss: Wir waren beim Anblick der Glättscherzunge nämlich glatt von den Socken: leichter Nebel, leichter Regen verliehen dem Eisstrom etwas Mystisches, dazu einige kleinere Eisberge in Babyblau und eine Stille, die nur hin und wieder vom (Ab-)Brechen der Eisbrocken unterbrochen wurde.

Pünktlich mit Ablegen der Boote setzte stärkerer Regen ein, der der Partystimmung unserer chilenischen Mitreisenden jedoch keinen Abbruch tun konnte. Allenfalls das unsanfte Berühren einiger Eisschollen, die vor dem Bug trieben, führten zu Hundertstel Sekunden der Stille. Als Johnnie Walker dann schließlich die aus der Bucht gefischten Eisstückchen umspülte, gab’s kein (Aus-)Halten mehr. Nach der Nationalhymne musste Chile mehrfaches Hochleben über sich ergehen lassen - selbst „verfeindete“ chilenische Regionen und Vorstädte verbrüderten sich.

Ins „zweite Glas“ flutschte ein neues Stückchen Eis, und Johnnie ließ uns ernsthaft darüber nachdenken, ob das imposante Gebilde aus gefrorenem Wasser nicht vielleicht doch „Glutscher“ hieß, zumal kleinste Ableger dem ein oder anderen im selben Boot aus den Händen flutschten.

Erst als ein paar sehr Fröhliche auf dem regennassen, glitschigen Deck nicht mehr so ganz felsenfest standen, zwang uns Mr. Walker zu der Überlegung, dass auf Wasser in diesem Aggregatzustand in diesen Breiten doch wohl eher die Bezeichnung „Glitscher“ zutreffen dürfte.

Sehr viel später, nachdem wir an Bord der Fähre weg von allem Rummel die Landschaft ausgiebig genossen und die letzten Spuren von Johnnie ausgehaucht hatten, brachte uns das Rechtschreibprogramm von microsoft den Gletscher wieder etwas näher.
Mit vorsichtiger Hand entrückte ihn uns der Capitan, als er das Schiff bei „dead slow“ durch die Untiefen des Rio Rafael aus der Lagune in den Fjord steuerte.

Strahlend blauer Himmel ließ auf der Rückfahrt nach Puerto Montt die Landschaft noch einmal im besten Licht erscheinen und hellte am fünften Tag auch die sonst eher trübe Hafenstadt deutlich auf.



(Fotos zu Angelmo)

(Fotos zur Tour)

(link zur Tourbeschreibung)

(Fotos zum Gletscher)

(wikipedia zum Rafael-Gletscher)


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Samstag, November 10, 2007

Häuser wie im Harz, ...

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… Vulkane wie in Japan, nur ohne blühende Kirschbäume davor, Wassermühlen wie im Schwarzwald, Vorgärtchen wie in Lichtenrade – ganz klar, wir sind am Lago Llanquihue, dessen Uferzone deutsche Kolonisten Mitte des 19. Jahrhunderts (wieder) urbar gemacht haben.
Hübsch anzusehen, dieser Kurort mit Strandpromenade ohne Penner, deutsch gepflegten Straßen, einer Marlene Dietrich Fotoausstellung im Theater und kurz geschorenem Zierrasen all überall …
Da hilft nur ein Blick über den See auf den Bilderbuchvulkan Osorno



(wikipedia zu
Frutillar)

(Fotos zu
Frutillar Bajo)

(wikipedia zum
Lago Llanquihue)



Windstärke sechs bis sieben in der Bucht, dazu Regen,
gut, dass wir nicht in der Stadt geblieben, sondern im ÖPNV-Bus diesmal am Südostufer des Lago Llanquihue entlang bis nach Petrohué (paar verlorene Häuser am Lago Todos los Santos) gefahren sind. Die Siedlung am Ende der Straße wirkt um diese Jahreszeit ziemlich verloren – außer dem Andenkenladen und einem winzigen Supermarkt ist alles dicht, nicht mal lauwarmen Pulverkaffee gibt es hier – Ihr ahnt es schon, wie damals im … Alle Heiligen können unter diesen Umständen ungefährdet genau so bleiben. Doch im Sommer muss, den Picknick-, Park- und Liegeplätzen nach, die Hölle los sein – Ende von heilig bleiben …
Außer dem höchst lohnenswerten Blick über den See (, der auch in der Schweiz liegen könnte,) auf die vernebelten, schneebedeckten Berge und auf die Ahnung des Osorno, hält einen nur der nicht aufkreuzen wollende „Linien“bus länger als nötig an diesem Ort.

Die Wasserfälle hingegen, (Saltos de Petrohué), und der sich anschließende „Auwald“ waren nach den wenig gepflegten Holzhäusern Puerto Montts mehr als eine Augenweide und die zweistündige Anreise allemal wert …



(Fotos zum Tagesausflug nach
Petrohué)
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(Touren um Puerto Montt)
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Mittwoch, November 07, 2007

Zimmer mit Aussicht ...

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… könnte mensch fast meinen, auch wenn der Hals beim Blick auf die Bucht ein weniger länger werden muss, ein kurzer Hals hingegen viel an geschmacklosen Neubauten ins nicht ganz so rechte Bild rückt …

Die Hafenstadt fügt sich so gar nicht dem ersten Eindruck, den die Landschaft auf dem Weg vom Flughafen vermittelt hat: Verirrt in Mittelschweden (Roland möge uns verzeihen), Seen, feuchte Wiesen, blühender Ginster in heideartigen Flächen, später Viehweiden, dann blühende Rhododendronbüsche und Apfelbäume kurz vor den ersten bunt gestrichenen Holzhäusern des Ortes, Hecken zwischen den Grundstücken – vielleicht doch eher Westirland?

Beim „Sprung über die Kante“ auf den schmalen, ebenen Landstreifen in der Bucht ein wenig Ernüchterung: neben alten, niedrigen Holzbauten Stahlbeton und Glas, die in den Himmel ragen – na ja …
Und „downtown“, gleich einen Block von unserem äußerlich recht abgetakeltem, im Innern jedoch komfortablen und großzügigen, wenn auch nicht schmucken, Hotel beginnt die Prollo-Area – die Karls-Marx-Straße ist eine Prunkallee mit Haute-Couture-Läden dagegen …

Dafür ist (na gut, WAR) der Himmel bis auf ein paar Wolkenpakete strahlend blau – und täuscht: Auch ohne Wind und den im Reiseführer angedrohten Regen gibt sich das Thermometer mit knapp 14 Grad zufrieden, der Hälfte dessen, das uns am Sonntag Abend noch im T-Shirt wohlig die Plaza in Santiago bei einem Pisco genießen ließ. Kühler Süden eben …

Allerdings hat diese Stadt neben der beträchtlichen Zahl an Menschen, die klima- oder arbeitsbedingt auf Saugfüßen die unebenen Gehsteige bewältigen und um keine handbreit Entgegenkommenden auszuweichen bereit sind, nette Ecken zu bieten: Angelmo zum Beispiel ist ein Stadtteil „hinter dem Hafen“, doch keineswegs hinter dem Mond: Hier wird exzellenter Fisch, frisch oder geräuchert oder frisch geräuchert, verkauft und in kleinen schnuckeligen Garküchen serviert - auch bei bedecktem Himmel, der entgegen der Wettervorhersage heute nicht weint, ein Lichtblick also …



(wikipedia zu
Puerto Montt)

(Fotos zu
Puerto Montt)

(Fotos zu
Angelmo)


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Samstag, November 03, 2007

Europäische Hauptstadt ...

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… Made in Chile, scheint es. Kölner Kreise haben uns mental darauf eingestellt, sodass uns zwar die Überraschung ereilte, der Kulturschock jedoch nicht allzu groß war ...

Den Sand und den Staub der Atacama, der uns in den Augen brannte und aus den Ohren herauskam, haben wir ebenso wie die Stille der Wüste gegen den Straßenstaub, der unsere Lachfalten besetzt, und den Straßenlärm, der in unsere Ohren dringt, einer Großstadt eingetauscht …

Doch macht uns das auf den „ersten Blick“ wenig aus, sind wir doch in einem Viertel – Brasil – untergekommen, in dem die Straßen so voller Grün sind wie die in Berlin. Und weil hier gerade der Frühling ausbricht, blühen nicht nur die Bäume ...
Die Häuser stammen aus dem 19. Jahrhundert und sehen auch genauso aus , von einigen hingerotzten Bankgebäuden einmal abgesehen. In einem der leicht antiquierten, einstöckigen Gemäuer finden wir unser
Hostal – nette, geräumige Zimmer mit hohen Wänden, einem super Service und herzlichen Menschen an der Rezeption …

Beim Erkunden des Terrains finden wir Straßenzüge à la PrenzlBerg (sowohl um Rosa als auch Schönhauser oder Helmholtzplatz – Barbara plädiert eher für Zille- oder Bergmannstraße …), mit Bars, Restaurants, Clubs voller junger Leute, unter denen wir "ältere Semester" nicht unangenehm auffallen. Tische und Stühle stehen auf dem Gehweg, T-Shirt- und Top-Zeit bis zum späteren Abend, Frühling eben …
Die Plaza Brasil, eher ein Park mit uralten Bäumen und größeren Rasenflächen, ähnelt von der „Nutzung“ her stark an „Kennedy“ in Lima oder den Kreuzberg – nette Atmosphäre.

Dank des Fliegers, der uns in gut zwei Stunden von Calama hierher brachte, blieb uns gleich am „Anreisetag“ entsprechend viel Zeit, uns ein wenig umzusehen – der Bus hätte reichlich 24 Stunden gebraucht. Und die Ausblicke auf Wüste, gepuderzuckerte Andenkette mit massiven Sechstausendern und zugefrorenen Stauseen aus der Vogelperspektive ließ uns kein Auge zu tun …

Santiago hält auch dem zweiten Blick stand (hatten wir schon einmal …), ist diese Stadt doch quirlig, ohne hektisch zu wirken. Die Fußgängerzonen, sehr gepflegt, laden nicht nur zum Bummeln ein (europäisch gestylte große wie kleine Läden aller Art mit einem wohl sortierten Angebot), sondern auch zum Verweilen auf Sitzmöbeln, die nicht aus Waschbeton bestehen, in netten Cafés oder kleinen Restaurants – Mc Donald’s brauchen wir nicht, die Toiletten „der anderen“ sind tiptop …
Eine Frau, die auf der Straße Weihnachtsmänner aus Plastik anpries, überraschte uns - es muss bei ALDI wohl schon Dominosteine zu kaufen geben... Dennoch hasten die Menschen nicht, sondern schlendern in Familie um die Blocks an der Plaza.
Hier rauchen die Köpfe der Schachspieler, hängen die der bildenden Künstler und hüpfen die der TänzerInnen.

So ein bisschen Stadtluft tut gar nicht schlecht, stellen wir fest – und geniiiiießen …



(wikipedia zu
Santiago)

(Fotos zu
Santiago)

(fotografischer Nachtrag)


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Freitag, November 02, 2007

Wolken ziehen auf - ...

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… wir ziehen weiter.

Über der Vulkankette steht bereits seit dem frühen Morgen eine fast geschlossene Wolkendecke. Zum Glück zieht sie nicht weiter; doch dimmt ein leichter Schleier die Sonne. Mit dem recht starken Westwind zusammen, der Sand und Staub aus der Wüste mitbringt und hier durch die ungeteerten Straßen in die Augen von Einheimischen wie Reisenden treibt, sinken die Temperaturen (auf 25 Grad …) – Zeit also, um die Hotelrechnung zu begleichen …

Der Betrag treibt uns, wie der Wind, die Tränen in die Augen und weckt Erinnerungen an Nachwendetage auf dem Darß, als die ostdeutschen Wirtsleute mit dem westdeutschen Begriff „Gast“ noch nichts anzufangen wussten. Nicht, dass wir hier hätten renovieren müssen, um aufgenommen zu werden, auch waren die Betten bereits bezogen und Klempnerarbeiten, anders als von den Werg Tätigen, werden von uns nicht erwartet. Doch den Mülleimer leeren, mal durchs Privatbad wischen, die Handtücher wechseln oder gar die Betten machen, hätte den hiesigen Wirtsleuten schon gut angestanden, kassieren sie für das Quartier doch schließlich den gleichen Betrag, mit dem wir uns in Iquique einen Vier-Sterne-Palast leisten konnten. Hochburg auch chilenischer Touristen eben, die alle die katholischen Feiertage nutzen und seit Mitte der Woche frei haben oder machen, alle, bis auf den Mann im „Grader“, der das Wellblech aus den Dorfstraßen nimmt …

Dennoch hat es uns hier, ebenso wie damals auf dem Darß, saugut gefallen und wir verstehen Latinos wie Gringos, die es ob der grandiosen und überwältigenden Umgebung hierher zieht – auch wenn uns die indigene Großmutter mit ihrem Enkel auf der Plaza irgendwo Leid tut …


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Donnerstag, November 01, 2007

Mit Rothenburg ob der ...

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… -Ihr ahnt es schon- kann sich San Pedro de Atacama hinsichtlich der Fachwerkbauten sicherlich nicht messen, wohl aber hinsichtlich der Besucherzahlen – und das nicht ohne Grund: Sind doch die recht unterschiedlichen Landschaftsformationen in der Umgebung „mitten in der Wüste“ und das Museum „Le Paige“ verlockend genug, um Reisepassbesitzer aller Couleur eher zu Exkursionen denn zu Deppentouren zu animieren …

Und wenn sich der Individualreisende schließlich damit abgefunden hat, dass dieser „reizende Ort“ mittlerweile aus mehr als drei Quer- und vier Längsstraßen besteht, wie manche gedruckte Reiseführer weis machen wollen und dass es in dieser Siedlung außer der Polizeistation (ein architektonisch bemerkenswerter Bretterbau) ausschließlich Adobebauten (aus großen Lehmziegeln errichtet) gibt, allerdings so gut wie keine indigene Bevölkerung mehr (was „die Spanier“ damals nicht erledigt haben, schaff(t)en geschäftstüchtige Menschen chilenischer Herkunft mit überwiegend hell pigmentierter Haut sowie die internationalen Bergbaugesellschaften – und wir Individual- wie Gruppenreisende …), wird er diesen „bekanntesten Wüstenort in Chile“ mit Klobrillen und Toilettenpapier allüberall sehr schätzen.

Wir jedenfalls tun es, ohne dass die Kreuze auf dem letzten Wahlzettel als Tatoos auf unserer Stirn verlogen blinken.
Der Ort verfügt über eine ausgezeichnete Infrastruktur, sieht mensch einmal davon ab, dass die beiden wichtigsten Einrichtungen zwar rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche geöffnet sind, doch oftmals ab Freitag nicht mehr funktionieren. Ist erst der letzte Pesoschein aus dem Geldautomaten gezogen, kehrt pekuniäre Dürre bis zum Auffüllen am Dienstag ein … Doch die Restaurants, Herbergen aller Preisklassen, Internetcafés und Touroperator, die den „Stadtkern bevölkern“, den der o.e. Reiseführer meint, laden zu mehr als einem kurzen Bummel ein. Die indigene Oma dagegen, die in der „Innenstadt“ für ein Stücke Butter denselben Preis bezahlt wie europäische Reisende (…), mit ihrer traditionell gekleideten Enkelin an der Hand, wirkt mithin eher pittoresk – in ihrem eigenen Ort …


Iss’ ja gut, ab jetzt leichte Kost:

Wo wir schon mal hier waren, haben wir selbstverständlich auch die Standardtouren mitgemacht. Alle drei waren von der Streckenführung wie von den Guides her einsame Klasse, COSMO ANDINO an dieser Stelle ein dickes Dankeschön!

Die erste Tour führte über das Valle de la Muerte ins Valle de la Luna.
Abgesehen von der „tödlichen“ Hitze, die noch spätnachmittags herrschte, erschlugen einen die bizarren Formationen aus Salzkristallen mit anderen Mineralien und Sand vermischt. Was Wind und bisschen Regen seit Jahrmillionen aus dem aufgefalteten Boden eines ehemaligen Sees bildhauerten, kann sich sehen lassen.

Die zweite Tour zeigte den Salar de Atacama keineswegs als brettflache, blendend weiße Salzfläche, sondern eher als krustigen mineralischen Stoppelacker, in dessen Lagunen sich verschiedene Flamingoarten (auf 2.300m Höhe) wohl fühlen.

Die Lagunen von Miscanti und Meniques, malerisch am Fuße von Vulkanen gelegen, bezirzten durch ihr tiefblaues bis schwarzes Wasser, die zahlreichen unterschiedlichen Arten von Vögeln und schlichtweg ihr reizender Anblick vor dem Hintergrund der hohen Berge …

Die Tour zu den Tatio Geysiren erforderte frühes Aufstehen und schüttelte die Schlaftrunkenen ab 4:30 Uhr für zwei Stunden über Wellblech auf das höchstgelegene Geysirfeld der Welt in 4.300m Höhe. Die Kälte (Oberflächenwasser, wenn nicht soeben heiß aus der Quelle gesprudelt, war gefroren) und der schon fast kitschige Anblick der Dampfsäulen vor dem Hintergrund der Vulkane, machten schlagartig hellwach. Als dann die Sonne noch ihr Licht (und ihre Wärme) dazu gab und das Frühstück bereitet war, wollten wir schon „drei Hütten bauen“…

Mit zunehmender Außentemperatur gerieten die Fumarolen zusehends in Vergessenheit – Zeit zum Aufbruch. Vicunas und Nandus lockerten die Hirnzellen auf, die Wellblechpiste unsere Muskeln. Unterwegs standen Flamingos in kleineren Lagunen, die zarten Beine im eisigen Wasser …

Kurz vor San Pedro führte ein Abstecher zu einem Wald von Riesenkakteen – gleiche Sorte wie vor einer Woche, doch mit noch bizarreren Formen. Direkt daneben, am Bachesrand standen mächtige Schilfbüschel, satt grün – so weit das Grundwasser reichte …

Nach all dem Gerüttel und Geschüttel kam ein Stuhl unter den Arkaden an der Plaza, der nicht wackelte, und an dem es kühles Bier gegen den rötlichen Staub gab, gerade recht …



(wikipedia zu
San Pedro)

(homepage von
San Pedro)

(Fotos zum
Valle de Luna)

(Fotos zur
Salares-Tour)

(Fotos zur
Tatio-Tour)

(wikipedia zur
Atacama)


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Samstag, Oktober 27, 2007

Den besten PISCO SOUR ...

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… haben wir (einstimmiges Urteil ohne vorhergehende Grundsatzreden) in Iquique in einem kleinen Restaurant auf der Landzunge Cavancha zu uns genommen, das in keinem Reiseführer erwähnt und daher auch hier nicht genauer lokalisiert wird. Der nächste Sonnenuntergang wird seinen „downer“ schon noch erleben …

… auch wenn er nicht täglich zu beobachten ist, weil der Küstennebel (hier kein alkoholisches Getränk, sondern eine klimatische Erscheinung …) limamäßig die Sonne verhängt.

Die Stadt liegt wie ein riesiger Kuhfladen auf einer schmalen Uferplattform und frisst sich allmählich den Kordillerenrand hoch. Relativ schmale Hauptstraßen, viel Verkehr und noch mehr Abgase vernebeln den ersten Blick. Auf den zweiten, beim Schlendern durch die „Fußgängerzone“ in der Av. Baquedano, wirkt sie dann wie im Reiseführer beschrieben, durchaus sehens- und bis zu einem gewissen Grad liebenswert. Wofür der Denkmalschutz nicht alles gut ist …

Ähnlich wie in Arica sieht man hier mehr Privatautos denn Taxis, entsprechend weniger colectivos. Das Angebot in den Schaufenstern und die flanierenden Menschen zeigen, dass hier Geld steckt – deutlich mehr als in den Städten Perus – und dass hier eine starke Mittelschicht einkaufen geht …
Vielleicht eine Erklärung dafür, dass den Menschen hier zwar nicht die Höflichkeit, doch die Herzlichkeit, die wir überall in Peru wahrgenommen haben, abhanden gekommen ist?
Hier wird man zuvorkommend behandelt, doch nicht „in die Küche gebeten“, um mit Herrn Keuner zu sprechen …
Bisschen (zu-)viel Europa nach den Monaten im nördlichen Nachbarland, doch uns bleibt ja noch ein wenig Zeit zum „Umgewöhnen“ …



(Fotos zu
Iquique)

(wikipedia zu
Iquique)


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Gewisse Kreise in Köln ...

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… haben nicht nur dringend geraten, eine Tour durch den chilenischen ALTIPLANO zu unternehmen, sondern gleich einen kompetenten Guide empfohlen. Ihnen sei an dieser Stelle aufs heftigste gedankt – die Landschaft war mehr als spektakulär, die Route in mitunter recht entlegene Winkel oftmals atemberaubend und der Führer durchaus beschlagen …


Auf der ersten Etappe von Arica nach Putre …

… geht’s gleich nach der Provinzstadt ins Tal des Lluta
, einem Fluss, der ganzjährig Wasser führt und viel Grün bis dorthin spendiert, wo sein Wasser Felder berieseln kann. Ein klassisches Beispiel für eine Flussoase mithin – für all diejenigen, denen das Niltal aus der Grundschulzeit noch nicht zu weit entfernt ist …

An den Hängen in Serpentinen rasch auf gut 1.000m geklettert und alles, was feucht ist, hinter uns gelassen, wartet die in bestimmten Bereichen des Sinai ähnliche Landschaft neben großen Steinbrocken auch mit riesigen Kandelaberkakteen auf.

Pro forma finden sich paar Kilometer weiter einige Ruinen in Pukara, aus angeblich präkolumbialen Zeiten; wie auch immer, der Blick aus der Trockenheit in ein Tal mit fruchtbaren, weil bewässerten Feldern, bringt etwas Grün, mithin etwas Gutes für die Augen.

Das kleine Dorf Socorama, etwas abseits der Hauptstraße, leidet zwar nicht unter der allseits grassierenden Landflucht und ist somit „voll bewohnt“, doch lässt sich hier kaum ein Einheimischer blicken – ganz anders als in Peru, wo selbst im entlegensten Kaff, gleich zu welcher Tageszeit, die Hölle los war …

Die unterschiedliche Formation der Landschaft kann einen schon fesseln und eine knappe halbe Stunde vor Putre, dem Ziel der ersten Etappe, sichten wir die mit Neugier erwarteten ebenfalls wild lebenden Verwandten der Vicunas, die
Guanacos, die bereits im Beitrag zum Colca-Canon versprochen wurden. Erheblich größer als ihre zierlichen Schwestern leben sie „nicht ganz so auf der Höhe“ (bis max. 3.500m).

Am frühen Nachmittag erreichen wir einen wichtigen Stützpunkt für Fahrzeug- und Hiking-Strecken –
Putre – trotz der zahlreichen Tourigruppen eine recht sympathische Siedlung, in der sich die mitunter noch nomadisch lebenden (vor zig Dekaden) Aymara auf die Fremden und deren Wünsche traditionsverträglich eingestellt haben …


(Fotos zur
ETAPPE 1 durch den Altiplano)



Die zweite Etappe von Putre zum Salar de Surire …

… wartet nicht nur mit gewissen Höhenrekorden auf, sondern auch mit höchst respektablen Landschaftsformationen, für die kein Mensch etwas kann …
Einige Kilometer hinter Putre beginnt der
Lauca-Nationalpark mit all dem Sehenswerten, das mensch nicht immer zu Gesicht bekommt, weil es einfach zu scheu ist ...

Doch sind das Zwiegestirn von
Parinacota und Pomerape, zwei erloschene Vulkane, durchaus sehenswert; und vor dem Hintergrund der „malerisch gelegenen Lagunen“ Cotocotani und Lago Chungrá holt mensch am Ufer des angeblich höchsten Sees der Welt ob all der erhabenen Natur (und der Höhe) tief Luft …

Die Strecke zum Salar de Surire, einem großen Salzsee, ist staubig und lässt einen nicht zur Ruhe kommen, sind doch die An- und Ausblicke grandios. Und die Thermalquellen von Polloquere, in deren unmittelbarer Nähe wir unser Lager aufschlagen, verbreiten nicht nur Schwefel, sondern auch warmes Wasser … Und Flamingos schimmern hier ebenfalls rosa in der salzhaltigen Gegend.


(Fotos zur
ETAPPE 2 durch den Altiplano)



Die dritte Etappe vom Salzsee zur Grenzstadt Colchane …

… bringt uns nach einer eiskalten Nacht im Zelt (minus 6 Grad, das Wasser im Vorratsschlauch war gefroren) und einem morgendlichen Bad (Ja, wir sind Warmduscher …) einmal mehr durch höchst unterschiedliche Landschaften von Halbwüste bis Hochweide, in denen uns außer einem „einheimischen Fahrzeug“ nichts und niemand begegnet – also nur Gegend …


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Verständlich, dass viele Orte komplett verlassen sind und die ehemaligen Bewohner nur noch an Wochenenden und Festtagen zum Saufen zurückkehren. Nach dem Gelage muss hier niemand aufräumen – und so sieht’s auch aus … OK, wir PFLEGEN unseren kleinen Rassismus!!!

Colchane gehört zu einem der Orte, in dem wir auch unseren ärgsten Feinden nicht wünschen, tot über dem Zaun zu hängen – hier, an der Grenze zu Bolivien, gibt es nicht einmal ein gekühltes Bier als „Bückware“ …
Dafür lädt unsere „einfache Unterkunft“ zu „soziologischen Feldstudien“ über „Umgangsformen der Arbeiter im Baugewerbe fern der Heimat“ ein …


(Fotos zur
ETAPPE 3 durch den Altiplano)

(Fotos zum
Salzsee)



Die vierte Etappe von Colchane nach Iquique …

… führt abseits der Hauptstraße durch ein Stück Pampa zu Riesenkakteen, die stachelig im Geröllboden stehen und von weitem mal eben nett aussehen. Dicht daneben kommt sich nicht nur frau recht klein vor …

Paar Kilometer weiter finden wir in Cariquina einen auf den ersten Blick recht intakten Ort mit gepflegten Häusern und Straßen, Spielplätzen für die jüngeren und älteren Kinder, einem großen Schulgelände … Die Kollegin Schulleiterin, keine Aymara …, öffnet uns die Augen für den zweiten Blick: Abwanderung der „mobilen Familien“ in den UNort Colchane (Polizeistation, ärztliche Versorgung, Verkehrsanbindung an die Großstadt, Höhere Schule etc.). Im Schuljahr 2006/07 besuchten 85 SchülerInnen die Klassen 1 bis 8, in diesem Schuljahr sind es 33 (!), im kommenden rechnet sie mit knapp 20 zu unterrichtenden kids – die regionale Schulverwaltung ist preußisch wie die in Berlin: Aus derzeit acht KollegInnen (davon vier Aymaras) werden wohl …?

Sergio, unser Ab-, Um- und einsame Wege kundiger Guide chauffiert uns auf touristenfernen Pisten bis es nicht mehr anders fährt und wir auf der „Bundesstraße“ das Hochland verlassen, um uns in die „Niederungen der nur noch Wüste“ zu bewegen – gut 190 Kilometer, um von viertausend Metern Höhe auf reichlich tausend zu gelangen, „sanfter Abstieg“ würden Taucher sagen, nur umgekehrt …

Kurz vor der Panamericana lockt der Gigante del Atacama, eine Geoglyphe, und überzeugt nicht nur seiner Größe wegen …

Die verlassene „Salpeterstadt“ Humberstone vermittelt einen Einblick in „gesicherte Arbeitsverhältnisse und –bedingungen“ im Salpeterabbau. Die kleine, in sich geschlossene Stadt mit eigener Währung (damit das erarbeitete Geld auch wieder beim Arbeitgeber landet), war bis in die Sechziger des vergangenen Jahrhunderts Grundlage und Sinn des Lebens für fünfstellige Zahlen an BewohnerInnen … Olle Kalle aus Trier mag uns den Hauch an Zynismus verzeihen …

Den Rutsch nach Iquique durchs Nowhere (Wüste und sonst rein gar nichts) „lockerten“ die Geisterhäuschen für „tödlich verunglückte Verkehrsteilnehmer“ auf. Sie können mit all den „Grabbeigaben“ (vom Reifen auf Felge über hintere Sitzbank bis zum getragenen Schutzhelm in WEIß und dem transportierten – mittlerweile geleerten – Bierkasten) mühelos mit allen Exponaten einschlägiger Museen konkurrieren … Über den „Grabschmuck“ (Vergissmeinnicht bis Rosen aller Couleur und roten Nelken, Fahrzeugmodellen aus Kunststoff und Gedenksteinen, die einem Architekturwettbewerb alle Ehre gemacht haben,) wollen wir erst gar nicht schreiben. Die Pietät verbietet jedes Foto …


(Fotos zur
ETAPPE 4 durch den Altiplano)

(wikipedia zu
Riesenkaktus)

(Fotos zu
Riesenkakteen)

(wikipedia zu
Humberstone)

(Fotos zu
Humberstone)


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